Kriminalität : Sommerzeit - Einbruchszeit

Wer Fotos aus dem Urlaub auf Facebook postet, kann auch die Falschen inspirieren. Einbrecher erfahren so, wer gerade nicht zu Hause ist.

Paul Nachtwey
Schon ein angekipptes Fenster reicht, um Einbrechern die Arbeit zu erleichtern.
Schon ein angekipptes Fenster reicht, um Einbrechern die Arbeit zu erleichtern.Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Wolkenkratzer, weite Berglandschaften, türkisfarbenes Meer – während der Urlaubszeit sind soziale Netzwerke wie Facebook und Instagram voll von Reisefotos der Freunde. Die Polizei warnt vor solchen Beiträgen. Denn Reisende, die auf sozialen Netzwerken mit ihren Urlaubsbildern prahlen, könnten zu Hause eine böse Überraschung erleben. Einbrecher nutzen die sozialen Netzwerke, um auszukundschaften, welche Wohnungen unbewohnt sind.

„Wir möchten den Berlinern natürlich nicht allgemein verbieten, Urlaubsfotos zu posten“, betont Jens Fritsch von der Beratungsstelle Einbruchschutz der Berliner Polizei. „Allerdings sollten sich die Reisenden bewusst machen, wer die Fotos sehen könnte.“ Ein gewissenhafter Umgang mit Privatsphäre-Einstellungen könne deutlich mehr Sicherheit bedeuten.

Ein überfüllter Briefkasten weist den Weg

Am Donnerstag beginnen in Berlin und Brandenburg die Sommerferien. Wenn die Menschen in den lang ersehnten Urlaub fahren, stehen ihre Wohnungen für einige Zeit leer. Im besten Falle sollte das von außen jedoch nicht zu erkennen sein. Ein überfüllter Briefkasten, lange nicht gemähte Rasenflächen im Garten oder tagsüber verschlossene Rollläden seien fast eine Einladung an Kriminelle, warnt Einbruchsexperte Fritsch. „Vor der Abreise sollten Nachbarn oder Freunde gebeten werden, regelmäßig die Post abzuholen und so einen bewohnten Eindruck im Haus zu vermitteln. Es ist sinnvoll, vertrauenswürdige Nachbarn über die anstehende Reise zu informieren.“ Erfahrungen der Polizei zeigen, dass eine aufmerksame Nachbarschaft entscheidend zur Sicherheit beitragen kann. Auch mit einer einfachen Zeitschaltuhr kann die Anwesenheit vorgetäuscht werden. Sie schaltet in bestimmten Abständen das Licht in der Wohnung an und aus. Besonders einfallsreiche Bewohner können damit auch ein Radio in der Wohnung steuern.

Keine Nachricht auf dem Anrufbeantworter

Mit Informationen über ihren Urlaub sollten Reisende nicht nur auf den sozialen Netzwerken vorsichtig umgehen. Eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, dass man verreist ist, oder eine Abwesenheitsnotiz des E-Mail-Programms seien Signale an mögliche Einbrecher, erklärt Kriminaloberrat Harald Schmidt von der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Auch das Kofferschild mit der Adresse solle auf dem Weg zum Flughafen besser verdeckt bleiben.

Dass die Einbruchszahlen in der Ferienzeit deutlich ansteigen, zeigt die Statistik nicht. Vor allem in Einfamilienhäuser werde eher in der dunklen Jahreszeit, den Wintermonaten, eingebrochen, sagt Jens Fritsch. „Eine gewissenhafte Sicherung der eigenen vier Wände ist nicht nur in den Sommerferien wichtig.“ Einbrecher stehen unter Zeitdruck – kommen sie in den ersten Minuten nicht in die Wohnung, lassen sie meist ab. Mehr als 40 Prozent aller Einbruchsversuche werden abgebrochen und bleiben für die Diebe erfolglos.

Fenster nicht auf Kipp

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes gibt auf der Seite www.k-einbruch.de konkrete Tipps und Hinweise, wie man sich vor Einbrechern schützen kann. Fenster und Türen müssten demnach immer fest verschlossen sein, sobald alle Bewohner außer Haus sind. Auch gut erreichbare Fenster im ersten Obergeschoss sollten nicht auf Kipp stehen, sondern geschlossen werden, wenn niemand daheim ist. Noch besser schützen bauliche Nachrüstungen, wie Pilzkopfverriegelungen oder einbruchhemmende Türen und Fenster. Wer sich für derartige Maßnahmen interessiert, könne sich gerne an die Beratungsstelle Einbruchschutz wenden, sagt Jens Fritsch von der Berliner Polizei: „Wir bieten kostenlose und individuelle Beratungen für Berliner an, um ihre Immobilien sicherer zu gestalten.“ Ein Besuch der Beratungsstelle am Tempelhofer Platz der Luftbrücke 5 sei ohne Voranmeldung möglich.

Eigentümern, die darüber hinaus in die Sicherheit ihrer Immobilie investieren möchten, stehen viele Möglichkeiten offen. Alarmanlagen und Bewegungssensoren, die die Außenbeleuchtung einschalten, schrecken Einbrecher ab. Im Falle längerer Abwesenheit können Haushüter, die das Anwesen bewohnen, angestellt werden. Sie pflegen den Garten und betreuen Haustiere – kosten aber viel Geld.

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