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Leblos in Zelle gefunden : FBI untersucht Tod von US-Milliardär Epstein

Der Unternehmer wurde Anfang Juli verhaftet und wegen sexuellen Missbrauchs angeklagt. Am Samstag wurde er tot in seiner Gefängniszelle gefunden.

Jeffrey Epstein, Unternehmer und Millionär aus den USA.
Jeffrey Epstein, Unternehmer und Millionär aus den USA.Foto: New York State Sex Offender Registry/AP/dpa

Der wegen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagte US-Unternehmer Jeffrey Epstein hat sich offensichtlich in einem Gefängnis in New York das Leben genommen. Eine Reihe von Medien, darunter die „New York Times“, berichteten über den Suizid. Epstein wurde am Samstagmorgen gegen 6:30 Uhr von Mitarbeitern der Haftanstalt gefunden und in ein Krankenhaus gebracht, wie das Gefängnis im New Yorker Stadtteil Manhattan mitteilte. Dort sei er schließlich für tot erklärt worden. Das Bundesgefängnis untersteht dem Justizministerium.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft beschuldigte Epstein, zwischen 2002 und 2005 Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Epstein plädierte auf nicht schuldig. Der Termin für den Prozessbeginn war vorläufig auf den 8. Juni 2020 festgelegt worden, wie US-Medien berichtet hatten.

US-Justizminister William Barr hat eine Untersuchung der Todesumstände des wegen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagten Unternehmers Jeffrey Epstein angeordnet. In einer Mitteilung Barrs hieß es am Samstag, er sei entsetzt darüber, dass Epstein nach einem „offenkundigen Suizid“ in seiner Zelle in einem Bundesgefängnis in New York leblos aufgefunden wurde. „Herr Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen.“ Zusätzlich zu den Ermittlungen der Bundespolizei FBI habe er - Barr - eine interne Untersuchung des Ministeriums in die Wege geleitet.

Epstein stand unter Beobachtung aufgrund von Suizidgefahr

Die „New York Times“ berichtete unter Berufung auf einen Gefängnisvertreter, Epstein sei in der Haftanstalt zwar in einer besonderen Einheit mit strengeren Sicherheitsvorkehrungen untergebracht gewesen. Er habe aber nicht unter besonderer Beobachtung wegen möglicher Suizidgefahr gestanden. Epstein war der Zeitung zufolge bereits im vergangenen Monat mit Markierungen am Hals bewusstlos in seiner Zelle aufgefunden worden. Die „New York Times“ berichtete, Gefängnisbehörden hätten schon damals wegen des Verdachts eines möglichen Selbstmordversuches ermittelt.

[Haben Sie dunkle Gedanken? Wenn es Ihnen nicht gut geht oder Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie sich melden können. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen finden Sie unter: www.telefonseelsorge.de]

Undurchsichtiger Deal mit der Staatsanwaltschaft

Der schwerreiche Geschäftsmann war 2008 einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen entgangen, indem er eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft auf Bundesebene einging, die ihn vor weiteren Ermittlungen bewahrte. Epstein bekannte sich damals schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und saß eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab - teils unter gelockerten Bedingungen. Im Gegenzug kam er ohne Verfahren vor einem Bundesgericht davon.

Dem Deal hatte der damalige Staatsanwalt in Florida, Alexander Acosta, zugestimmt - nach den neuen Vorwürfen gegen Epstein war dieser daraufhin von seinem aktuellen Amt als US-Arbeitsminister zurückgetreten.

„Gefahr für andere und die Gemeinschaft“

Ein Richter entschied, dass der 66 Jahre alte Epstein bis zum Beginn seines Prozesses im Gefängnis bleiben muss. Der Richter hatte geurteilt, dass Epstein eine „Gefahr für andere und die Gemeinschaft“ sei und deswegen zunächst weiter im Gefängnis bleiben müsse.

Damit war der Richter der Argumentation der Staatsanwaltschaft gefolgt, die für den reichen Unternehmer, der zahlreiche Anwesen weltweit und ein eigenes Flugzeug hat, ein hohes Fluchtrisiko sieht. Epsteins Verteidigung hatte dagegen gefordert, den Unternehmer in seinem Anwesen in Manhattan unter Hausarrest zu stellen und Medienberichten zufolge eine Kaution in hoher zweistelliger Millionenhöhe angeboten.

Ende Juli war Epstein US-Medienberichten zufolge verletzt in seiner Gefängniszelle gefunden worden - schon damals soll es sich um einen Suizidversuch gehandelt haben. Der 1953 in New York geborene Epstein hat unter anderem als Lehrer und Investmentbanker gearbeitet und sich immer gerne mit Stars und Politikern in der Öffentlichkeit gezeigt. In der US-Elite galt er als bestens vernetzt. (AP/dpa/AFP)

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