Lombok nach dem Erdbeben : Auswärtiges Amt rät von Reisen nach Lombok vorerst ab

Die überforderten Behörden von Lombok versuchen eine Massenevakuierung voranzutreiben. In Berichten ist die Rede von 142 Toten.

Touristen auf Lombok werden auf einem Pick up aus dem Erdbebengebiet gebracht.
Touristen auf Lombok werden auf einem Pick up aus dem Erdbebengebiet gebracht.Foto: AFP

Nach dem schweren Erdbeben auf der indonesischen Insel Lombok rät das Auswärtige Amt (AA) vorerst von nicht erforderlichen Reisen dorthin ab. Auch für die benachbarten Gili-Inseln gilt der Hinweis. Als Grund nennt das Amt in seinen aktualisierten Reisehinweisen für das asiatische Land die noch nicht absehbaren Schäden und die beeinträchtigte Infrastruktur. Es sei weiterhin mit Nachbeben zu rechnen.

Die indonesischen Behörden seien dabei, Menschen von den drei Gili-Inseln zu evakuieren. Bei der Ausreise von Lombok sei wegen der begrenzten Kapazitäten Geduld nötig.

Auch Reiseveranstalter Tui evakuiert seine derzeit 51 deutschen Gäste in der Region Lombok sowie den Inseln Gili Trawangan und Gili Meno. Kunden, die bis einschließlich 31. August eine Reise dorthin geplant haben, können gebührenfrei umbuchen oder stornieren, teilte das Unternehmen am Montag mit.

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Behörden bringen Touristen auf Lombok in Sicherheit
Behörden bringen Touristen auf Lombok in Sicherheit

Touristen in dem betroffenen Gebiet sollten die Entwicklung in den lokalen Medien verfolgen und Anweisungen der Behörden unbedingt folgen, rät das AA weiter. Sie sollten an Berghängen und Flüssen besondere Vorsicht walten lassen, beschädigte Gebäude, Brücken und Straßen möglichst meiden.

In Indonesien ereignen sich Erdbeben regelmäßig, aktuell sind auch mehrere Vulkane aktiv. Reisende müssen daher laut dem AA jederzeit mit Beeinträchtigungen im Flugverkehr rechnen. Für solche Fälle sollte man Bargeld und Kreditkarten sowie benötigte Medikamente in ausreichender Menge mitführen.

Krisenvorsorgeliste für Deutsche

Menschen mit Indonesien-Reiseplänen rät das AA dringend, sich in die Krisenvorsorgeliste des Ministeriums einzutragen. Diese dient dazu, dass sich deutsche Auslandsvertretungen in Ausnahmesituationen schnell mit Reisenden in Verbindung setzen können. Die elektronische Registrierung ist eine freiwillige Maßnahme und online möglich.

Nach dem neuen schweren Erdbeben auf der indonesischen Ferieninsel Lombok ist die Zahl der Todesopfer am Montag sprunghaft gestiegen. Mindestens 98 Menschen kamen bei der Naturkatastrophe vom Sonntagabend (Ortszeit) ums Leben, wie die Katastrophenschutzbehörde des Landes mitteilte. Ein Sprecher der zuständigen Provinzbehörde hatte zuvor im TV-Sender Metro TV von mindestens 142 Toten gesprochen.

In den Trümmern einer eingestürzten Moschee suchten Rettungskräfte nach Verschütteten. Auch dadurch könnte die Zahl der Opfer weiter steigen, sagte Behördensprecher Sutopo Nugroho. Mehrere hundert Menschen wurden verletzt, Tausende flohen in Panik aus ihren Häusern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach Indonesiens Präsident Joko Widodo ihr Beileid aus. Mit großer Bestürzung habe sie von den beiden Erdbeben erfahren, bei denen viele Menschen den Tod gefunden hätten und Hunderte verletzt worden seien.

Die kleinere Nachbarinsel von Bali war erst vor einer Woche von einem Erdbeben der Stärke 6,4 erschüttert worden. Dabei waren 16 Menschen getötet worden. Die Stärke des neuen Bebens vom Sonntag hatte die indonesische Behörde für Wetter, Klima und Geophysik zunächst mit 7,0 angegeben und später auf 6,9 korrigiert. Auch die US-Erdbebenwarte USGS führte die Stärke mit 6,9. Am Montag gab es immer wieder kräftige Nachbeben.

Unklar war weiter, ob ausländische Touristen unter den Todesopfern sind. Hinweise, dass auch Deutsche zu Schaden kamen, gab es zunächst nicht. Das Auswärtige Amt teilte mit: „Nach bisherigen Erkenntnissen sind keine Deutschen ums Leben gekommen oder schwer verletzt worden.“ Nach Angaben des Pariser Außenministeriums wurden vier Franzosen als verletzt gemeldet. Das Ministerium richtete einen Krisenstab ein und schickte Konsularmitarbeiter zum Flughafen von Lombok, um französischen Urlaubern zu helfen.

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Immer wieder bebt dort die Erde, oder es brechen Vulkane aus. Lombok galt lange Zeit als Geheimtipp für Leute, denen Bali zu touristisch geworden war. Inzwischen sind aber auch dort viele Urlauber unterwegs.

Das neue Beben hatte die Insel gegen 19.46 Uhr Ortszeit am Sonntag erschüttert. Das Zentrum lag rund 18 Kilometer nordwestlich des Bezirkes East Lombok in etwa 15 Kilometern Tiefe, wie die Behörde für Wetter, Klima und Geophysik jüngsten Angaben zufolge weiter präzisierte. Die größten Schäden richteten die Erdstöße an der Nordküste an. Auch die Hauptstadt Mataram wurde sehr in Mitleidenschaft gezogen. Der Süden und der Westen, wo sich die meisten Urlauber aufhalten, ist weniger betroffen.

Aus Angst vor Nachbeben verbrachten viele Menschen die Nacht im Freien - meist ohne Licht, weil durch das Beben auch zahlreiche Stromleitungen gekappt waren. „Wir sammeln uns hier im Dunkeln ohne Strom. Jeder ist draußen im Freien“, sagte der Distriktchef von Nord-Lombok, Najmul Akhyar. Viele Schulen blieben am Montag geschlossen, weil nicht klar war, ob die Gebäude noch sicher sind.

Von den kleineren Gili-Inseln wurden mehrere hundert Urlauber mit Booten in Sicherheit gebracht, zunächst nach Lombok. Von dort aus wollten die meisten die Insel dann mit dem Flugzeug Richtung Heimat verlassen. Es gab auch Urlauber, die innerhalb einer einzigen Woche gleich zwei schwere Beben miterlebten.

Meeresküste meiden

An der Nordküste Lomboks wurde zudem eine kleine Tsunamiwelle von 13 Zentimetern Höhe registriert. Der Katastrophenschutz rief die Bevölkerung zunächst auf, Meeresküste und Flussufer zu meiden. Daraufhin flohen viele Menschen auf höher gelegene Gebiete im Inselinneren. Die Tsunami-Warnung wurde nach einigen Stunden jedoch wieder aufgehoben.

Das Beben war auch auf Bali zu spüren. Dort rannten Urlauber in Panik aus ihren Hotels. Nach Medienberichten wurden das Gebäude des internationalen Flughafens Ngurah Rai sowie zwei Einkaufszentren in der Stadt Ubud, die im Inselinneren liegt, beschädigt. Der Flugbetrieb ist nach Angaben der Behörden von dem Beben aber nicht beeinträchtigt. Präsident Widodo versprach den Opfern finanzielle Hilfe.

Wegen des Bebens wurden auch zwei Konferenzen mit Ministern aus Nachbarländern abgesagt, die am Montag auf Bali und Lombok beginnen sollten. Alle bereits angereisten Gäste seien sicher und unversehrt, hieß es von offizieller Seite. Unter ihnen befindet sich auch die australische Außenministerin Julie Bishop. Auf Bali soll Mitte Oktober eine große Tagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank stattfinden.

Bei dem Erdbeben vor einer Woche waren ferner mehr als 350 Menschen verletzt worden. Gut 500 Ausflügler wurden in den folgenden Tagen von dem aktiven Vulkan Rinjani in Sicherheit gebracht, wo sie zeitweilig festsaßen. Unter ihnen waren auch annähernd 200 Touristen aus dem Ausland, darunter etwa zwei Dutzend Deutsche. (dpa)

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