Microsoft-Gründer ist zu Gast an der TU : Bill Gates spricht mit Berliner Studierenden über Afrika

Der Milliardär spendet jedes Jahr viel Geld nach Afrika. „Die Welt muss sich auf die jungen Menschen dort fokussieren“, sagt Gates.

Bill Gates ist der zweitreichste Mensch der Welt. Am Montagabend war er zu Gast an der TU.
Bill Gates ist der zweitreichste Mensch der Welt. Am Montagabend war er zu Gast an der TU.Foto: Britta Pedersen/dpa/AFP

Können Studierende aus Berlin dem zweitreichsten Menschen der Welt wirklich bei seiner Arbeit helfen? Bill Gates, der Gründer von Microsoft, nennt sogar zwei Möglichkeiten, wie: Sie können sich politisch in Parteien engagieren und dort für eine stärkere Unterstützung der Entwicklung Afrikas werben. Oder sie entwickeln ein Kältemittel, das bei der Produktion ohne Treibhausgase auskommt. Mit einem solchen Mittel wäre es möglich, Impfstoffe ökologisch in die einzelnen Länder Afrikas zu transportieren, ohne dass diese wegen der Hitze an Wirkung verlieren.

Am Montagabend richtete Gates diese Wünsche an mehr als 600 Studierende im bis auf den letzten Platz gefüllten Audimax der Technischen Universität Berlin. Über eine Stunde mussten sie warten, bis der Milliardär und Philantrop den Saal betrat. Dann sprach er in seiner Rolle als Vorsitzender der Bill & Melinda Gates Stiftung für eine Stunde mit dem deutschen Entwicklungsminister Gerd Müller über die Herausforderungen und Lösungsansätze für Afrika. Studierende hatten im Anschluss die Chance, über ein Online-Tool ein paar Fragen an Gates zu stellen. Der Microsoft-Gründer kam direkt aus Kalifornien nach Berlin, er ist zu Gast beim World Health Summit.

"Die Verteilung zwischen den westlichen und Ländern und Afrika ist ungerecht."

Seit dem vergangenen Jahr kooperieren die Bill & Melinda Gates Stiftung und das deutsche Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Gemeinsam wollen das US-amerikanische Ehepaar Gates und Entwicklungsminister Gerd Müller die Voraussetzungen für Afrikas Zukunft verbessern. „Die Welt muss sich auf die jungen Menschen in Afrika fokussieren“, sagt Gates. Das begründet er vor allem mit Zahlen: Nirgends wächst die Bevölkerung so sehr wie in Afrika. 60 Prozent der Menschen sind jünger als 25 Jahre alt. Prognosen lassen darauf schließen, dass sich die Einwohnerzahl bis 2050 auf 2,5 Milliarden verdoppeln wird. Zugleich bedrohen Hunger, Klimawandel und kriegerische Konflikte in vielen Teilen des Kontinents die Menschen.

Dabei haben die Menschen in den westlichen Ländern einen großen Anteil, sagt Müller. „Wir haben eine neokoloniale Zeit kreiert“, meint der Entwicklungsminister und nennt den Studierenden ein Beispiel: „In euren Handys ist Kobalt aus den Minen im Kongo. Die Ressourcen des afrikanischen Kontinents sind die Basis für unseren Reichtum. Aber die Verteilung ist ungerecht.“

"Ein Vorbild": Entwicklungsminister Gerd Müller freut sich, mit Bill Gates zusammenzuarbeiten.
"Ein Vorbild": Entwicklungsminister Gerd Müller freut sich, mit Bill Gates zusammenzuarbeiten.Foto: Britta Pedersen/dpa/AFP

Gates ist dennoch optimistisch, die Gesundheits- und Bildungssituation in Afrika langfristig zu verbessern. Einige Erfolge seiner Stiftung kann er bereits nennen: Durch mehrere Milliarden konnten Krankheiten wie Malaria, Aids oder Polio erheblich eingedämmt werden. Er gilt als der spendabelste Geldgeber der Welt, Müller nennt ihn ein Vorbild. Dass es mittlerweile auch einige Kritik an den Methoden und Investments der Stiftung gibt, wird beim Gespräch im Audimax nicht thematisiert. Schließlich kann Gates tatsächlich etwas bewirken und Müller freut sich über die zusätzlichen Mittel für sein Ministerium. Die aktuellen Haushaltsverhandlungen mit Finanzminister Olaf Scholz seien nämlich schwierig. „Ich kann nicht verstehen, dass ich da um jeden Euro betteln muss“, sagt Müller.

„In Ruanda und Botswana gibt es einen besseren Handyempfang als in Brandenburg und Berlin.“

Bei der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen will er die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen. Der Entwicklungsminister, der vor Kurzem mehrere afrikanische Staaten besucht hat, spricht von einem „Chancenkontinent“ und erzählt von seiner Reise: „In Ruanda und Botswana gibt es einen besseren Handyempfang als in Brandenburg und Berlin.“ Nun müsse den Studierenden in Afrika noch der Zugang zur Bildung ermöglicht werden, um einen fairen Wettbewerb zu starten.

Gates, der sein Studium an der Harvard University nach zwei Jahren abgebrochen hat, hat abschließend einen Rat an die Studierenden: „Forschen ist gut. Aber aktiv werden ist besser.“

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