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Munitionsbetrieb in Russland : Mindestens 85 Verletzte bei Explosionen

Die Hintergründe der Explosionen in dem Werk, das auch Bomben herstellt, sind noch unklar. Fünf Gebäude des Unternehmens seien zerstört worden, hieß es.

Eine Rauchwolke steigt über der russischen Stadt Dserschinsk auf.
Eine Rauchwolke steigt über der russischen Stadt Dserschinsk auf.Foto: Yelena Sorokina/Tass/dpa

Bei mehreren Sprengstoff-Explosionen in einem Munitionsbetrieb in der russischen Stadt Dserschinsk sind mindestens 85 Menschen verletzt worden. 39 Werksmitarbeiter und 46 Bewohner benachbarter Häuser hätten medizinische Hilfe gebraucht, teilte das Gesundheitsministerium der Agentur Interfax zufolge am Samstag mit. Insgesamt mussten demnach 16 Menschen im Krankenhaus behandelt werden. Der Zahl der Verletzten war im Lauf des Tages mehrfach erhöht worden. Todesopfer gab es nach Angaben der Behörden nicht.

Die Behörden riefen den Ausnahmezustand in der Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern aus. Dserschinsk liegt rund 400 Kilometer östlich von Moskau. Die Ursache für die Explosion war zunächst unklar. Allerdings hat das nationale Ermittlungskomitee ein Verfahren wegen Verstoßes gegen die Sicherheitsvorschriften im Produktionsbetrieb eingeleitet. Das Komitee in Moskau schickte erfahrene Kriminalisten zum Unglücksort. Am Vortag sei der Werksdirektor wegen ständiger Probleme mit der Sicherheit bei der Produktion entlassen worden.

Das russische Fernsehen zeigte eine riesige Rauchwolke über der Stadt sowie Feuer. Hunderte Fensterscheiben gingen zu Bruch durch die Druckwelle, wie auf Bildern zu sehen war. Die Explosionen geschahen demnach am Samstagvormittag bei der Firma Kristall – in einer Zeche, in der der Sprengstoff TNT produziert wird. Die Fabrik stellt für das Militär unter anderem Bomben her. Fünf Gebäude des Werks seien zerstört worden, hieß es.

Anwohner der Stadt wurden aufgerufen, die Fenster geschlossen zu halten. Allerdings betonten die Behörden, dass es keine Gefahr etwa durch eine chemische Rauchwolke gebe. Die Einsatzkräfte verzichteten demnach auch darauf, Häuser zu evakuieren. Am Nachmittag gab es auch Entwarnung. Die Gefahr von Nachexplosionen sei gebannt, hieß es. Das Feuer sei gelöscht. Glutnester seien unter Kontrolle.

Auch Wald begann zu brennen

Nach Darstellung des Zivilschutzministeriums brannte zeitweilig eine Fläche von 800 Quadratmetern auf dem Werksgelände. Das Feuer hatte sich den Angaben zufolge zudem auf 400 Quadratmeter benachbarte Waldfläche ausgebreitet.

Gebietsgouverneur Gleb Nikitin richtete einen Sonderstab ein, um der Lage Herr zu werden, wie die Agentur Interfax schrieb. Reporter berichteten aus der Stadt, dass die Zufahrt zu dem Rüstungsbetrieb gesperrt sei. Solche für die Sicherheit des Landes bedeutenden Betriebe stehen unter besonderer Kontrolle der russischen Sicherheitsorgane.

In Russland kommt es immer wieder zu verheerenden Unglücken mit vielen Toten und Verletzten. Ursache dabei ist oft, dass elementarste Sicherheitsvorkehrungen nicht eingehalten werden. Allein seit 2014 habe es in Russland in Werken für Sprengstoffherstellung fast ein Dutzend ähnlicher Explosionen gegeben, listete die Staatsagentur Tass in einem Dossier auf. Auch im Rüstungsbetrieb Kristall kam es demnach erst vor zwei Monaten zu einer Explosion.

In einem anderen Rüstungsbetrieb der Stadt Dserschinsk starben Ende August 2018 bei einer Explosion fünf Menschen, sechs weitere Mitarbeiter wurden verletzt. Auch damals sollen bei der Herstellung von Munition die Sicherheitsregeln nicht einhalten worden sein. (dpa)

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