Nach den Buschbränden in Australien: : Wie Backpacker gegen die Landflucht helfen sollen

Die Feuer in Australien haben ganze Regionen verwüstet. Immer mehr Menschen könnten deshalb in die Städte ziehen – die Regierung will das verhindern

Ein abgebranntes Auto inmitten eines abgebrannten Waldes.
Ein abgebranntes Auto inmitten eines abgebrannten Waldes.Foto: Thomas Peter/Reuters

Die schlimmen Buschbrände in Australien haben Narben hinterlassen: nicht nur in der Landschaft, sondern auch in der Seele der Menschen. Nachdem mehrere tausend Häuser verbrannt sind – darunter ganze Innenstädte regionaler Ortschaften – haben viele Menschen ihr Zuhause verloren. Ökonomen warnen deswegen, dass die bereits angelaufenen Wiederaufbaumaßnahmen möglicherweise nicht ausreichen werden, um einen ländlichen Exodus aufzuhalten.

Shane Oliver, Chefökonom beim Investment-Manager AMP Capital, sagte dem australischen Sender ABC, dass die Landflucht nach der Naturkatastrophe nochmals zunehmen werde.

Regionale Zentren seien zuvor schon mit zahlreichen Problemen konfrontiert gewesen, darunter der Niedergang des verarbeitenden Gewerbes und die anhaltende Dürre, die die Landwirtschaft immer schwieriger gemacht habe. „Viele Leute denken wahrscheinlich darüber nach, in die Städte zu ziehen“, sagte Oliver. „Die Menschen machen sich Sorgen, dass sie keinen Job haben und sind in Versuchung, das Geld von der Versicherung zu nehmen und wegzuziehen.“

Das sei „wirklich traurig“ und werde sich „nachhaltig“ auswirken, sagte der Experte.

Einige Gemeinden werde man zwar so wiederaufbauen, dass das Risiko, erneut abzubrennen, verringert werde, doch vielen Gemeinden fehle eine grundlegende Widerstandsfähigkeit, so der Ökonom. Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass Haushalte in den großen Städten Sydney, Melbourne und Brisbane finanziell deutlich besser dastehen, als Haushalte in regionalen Gebieten, die durch Naturkatastrophen und ein langsameres Beschäftigungswachstum dramatisch zurückgeblieben sind.

Die australische Regierung will diesem Trend entgegenwirken. Nach den verheerenden Bränden hat sie großzügige Mittel für den Wiederaufbau der betroffenen Regionen zugesagt. Seit September sind mehr als zwölf Millionen Hektar Land verwüstet worden, etwa ein Drittel der Fläche Deutschlands. Mindestens 33 Menschen kamen ums Leben. Einer Studie zufolge sollen zwei Drittel der Menschen in Australien von den Auswirkungen der Buschbrände betroffen sein – das entspricht 18 Millionen Bewohnern.

14 Prozent der 3000 Befragten waren demnach direkt von den Feuern betroffen. Das heißt, ihre Häuser wurden bedroht, beschädigt oder zerstört, beziehungsweise sie mussten vor den Flammen fliehen, wie die Australische Nationaluniversität in Canberra am Dienstag erklärte. 64 Prozent spürten die Folgen der Brände indirekt: Sie erlebten beispielsweise Rauch, mussten Reisepläne ändern oder hatten Freunde oder Bekannte, deren Häuser betroffen waren.

Der federführende Uni-Wissenschaftler Nicholas Biddle sagte: „Viele von uns werden noch über viele Jahre mit den Folgen leben.“

Rucksacktouristen sollen nun länger beim gleichen Arbeitgeber bleiben können

So wurde ein Wiederherstellungsfond in Höhe von zwei Milliarden australischen Dollar (umgerechnet über 1,2 Milliarden Euro) eingerichtet. Unter anderem soll Kleinstunternehmern unter die Arme gegriffen werden, die durch den Geschäftsausfall teilweise vor dem Bankrott stehen.

Außerdem wurden die Bestimmungen rund um das Working-Holiday-Visum gelockert. Bisher durften Backpacker nur maximal sechs Monate beim gleichen Arbeitgeber bleiben. Diese Frist wurde nun auf ein Jahr erhöht. Die Rucksacktouristen sollen den zerstörten Gemeinden helfen – und zum Beispiel beim Räumen verbrannter Flächen, aber auch beim Wiederaufbau und der Reparatur von Häusern und Straßen unterstützen.

Momentan werden etwas über 200.000 Visa pro Jahr ausgestellt. Mit 19.000 Empfängern stellte Deutschland die drittgrößte Gruppe von arbeitenden Urlaubern in Australien. Maximal können Backpacker auf diese Weise drei Jahre in Australien leben, reisen und arbeiten. Um das Visum jedoch vom ersten auf ein zweites Jahr zu verlängern, müssen die jungen Urlauber 88 Arbeitstage auf dem Land gearbeitet haben, für ein drittes Jahr müssen sie sich noch mal weitere sechs Monate in einer ländlichen Region verpflichten.

Bisher konnte man nur bezahlte Arbeit für die Visa-Genehmigung anrechnen lassen, nun soll aber auch Freiwilligenarbeit in den Katastrophengebieten gelten. Mit diesen Neuerungen hofft Einwanderungsminister Alan Tudge, Farmern und Geschäften wieder auf die Beine zu helfen und der regionalen Wirtschaft letztendlich wieder Aufschwung zu verleihen. Unter anderem sollen Touristen dabei helfen, Häuser und Farmen wiederaufzubauen, Flächen zu räumen sowie Straßen zu reparieren, hieß es in der Stellungnahme weiter. (mit dpa)

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