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Nach Stromausfall : Hamburger Flughafen stellt Betrieb für Sonntag komplett ein

30.000 Passagiere sind betroffen: Ein Stromausfall legt den größten Flughafen Norddeutschlands lahm. Auch für Montag wurden bereits viele Flüge gestrichen.

Zahlreiche Flugreisende stehen während eines Stromausfalls im Flughafen Hamburg.
Zahlreiche Flugreisende stehen während eines Stromausfalls im Flughafen Hamburg.Foto: Daniel Reinhardt/dpa

Wegen eines Stromausfalls ist der Hamburger Flughafen für den Rest des Sonntags komplett lahmgelegt. "Der Flughafen sieht sich gezwungen den Flugbetrieb für den heutigen Tag einzustellen", teilte Norddeutschlands größter Flughafen am Nachmittag auf Twitter mit. "Es ist nicht gelungen, den Fehler zu beheben." Schon seit 10 Uhr konnten aus Sicherheitsgründen keine Flugzeuge mehr starten oder landen, wie eine Flughafen-Sprecherin berichtete. Der Defekt sei auf einen Kurzschluss zurückzuführen.

Tausende Passagiere hatten stundenlang teils vor dem Gebäude ausgeharrt, in der Hoffnung, doch noch abfliegen zu können. Von den Flugausfällen dürften nach Angaben des Flughafens mehr als 30.000 Passagiere betroffen gewesen sein. Nach Angaben des Flughafens gibt es sonntags gewöhnlich rund 200 Starts und Landungen. "Bis 10.00 Uhr fanden 37 Starts und 24 Ankünfte statt", erklärte der Flughafen - damit wurden mehr als 160 Starts und mehr als 170 Landungen gestrichen.

Auch am Montag wird es zu Beeinträchtigungen kommen. Auf der Homepage des Airports war am Sonntagabend mehr als ein Dutzend gestrichene Flüge für Montag aufgelistet. Es seien die Airlines, „die entscheiden, ob ein Flug stattfindet oder gestrichen wird“, teilte der Flughafen mit. Weil etliche Maschinen jedoch seit Sonntagvormittag nicht mehr in der Hansestadt landeten, konnten auch nicht alle Flugzeuge wie vorgesehen über Nacht auf dem Flughafengelände bleiben und für Montagfrüh startklar gemacht werden. Am Sonntagabend war zunächst unklar, ob am Montag überhaupt wieder Starts und Landungen möglich sind.

"Wir bedauern für alle Fluggäste und Abholer sehr, dass wir gezwungen waren, den Flugbetrieb einzustellen", erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung am Hamburg Airport, Michael Eggenschwiler. "Nun arbeiten wir mit Hochdruck daran, die Ursache des Kurzschlusses zu beheben und diese Ausnahmesituation für unsere Gäste so schnell wie möglich zu beenden." Der Sprecherin zufolge wurde der Fehler zwar inzwischen behoben. Nach der Ankündigung, dass keine Flüge mehr starten würden, machten sich am Nachmittag viele Passagiere auf den Heimweg oder auf ins Hotel.

Für einen sicheren Flugbetrieb benötige der Flughafen eine redundante Stromversorgung, also eine Hauptversorgung nebst Notstromaggregaten, erläuterte die Sprecherin. Da es am Vormittag einen Kurzschluss in der Hauptstromversorgung gegeben habe, habe ein sicherer Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten werden können, ergänzte sie. Notstrom könne nur zur Überbrückung, aber nicht dauerhaft eingesetzt werden. Der Flughafenbetreiber hatte die Ursache des Kurzschluss bis zum Abend nach eigenen Angaben gefunden. Einzelheiten wurden zunächst jedoch nicht bekannt.

Flugzeuge, die am Vormittag noch im Anflug auf Hamburg waren, seien umgeleitet worden. Eine Sprecherin des Flughafens Hannover bestätigte, dass bereits mehrere Maschinen, die Hamburg anfliegen sollten, in der niedersächsischen Landeshauptstadt gelandet seien. Verzögerungen im Flugverkehr hat es in Hannover nach Angaben der Sprecherin bisher noch nicht gegeben. In Hamburg wurde auch die Zufahrt zum Flughafen gesperrt, weil sich die gestrandeten Passagiere vor dem Gebäude aufhalten mussten. Wie viele Fluggäste von den den Flugausfällen bereits betroffen sind, konnte die Sprecherin zunächst nicht sagen.

Nach und nach ging in den Terminals das Licht aus

Der Stromausfall traft zunächst das Terminal 2, es lag danach im Dunkeln. Die Passagiere wurden aufgefordert, ins Terminal 1 zu wechseln, wo die Klimaanlage noch funktionierte. Dann fiel auch dort der Strom aus, die Passagiere mussten den Angaben zufolge auch diesen Bereich verlassen.

Die Informationslage für die Passagiere war anfangs offenkundig spärlich: Über die Lautsprecher habe es lediglich die Durchsage zum Verlassen des Terminals gegeben, aber keine Begründungen oder Auskünfte über die voraussichtliche Dauer der Wartezeit, schilderte ein Augenzeuge. Ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft Swiss wusste zunächst nur von voraussichtlich stundenlangen Verzögerungen.

Passagierin Jenny Webber wollte nach Kopenhagen fliegen, ihr Gepäck war schon eingecheckt. „Sonst hätte ich jetzt den Zug genommen“, sagte sie. Der Flughafen Hamburg ist mit mehr als 17 Millionen Passagieren jährlich nach Angaben des Flughafenbetreibers der fünftgrößte in Deutschland.

Erst am Freitag hatten auch die Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld stundenlang ihren Betrieb eingestellt. Der Grund war dort allerdings kein technischer Defekt, sondern ein Unwetter, das über die Hauptstadtregion hinweg zog. Auch am Samstag kam es wegen erneuter Gewitter zu kurzzeitigen Störungen. (Tsp, dpa, AFP)

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