Neue Ermittlungen in Mexiko : Wahrheitskommission soll Schicksal der 43 Studenten klären

2014 waren in Mexiko 43 Studenten verschleppt worden, ihr Schicksal wurde nie geklärt. Der neue Präsident Lopez Obrador will das nun ändern.

Andres Manuel Lopez Obrador (Mitte) sagte den Angehörigen der 43 Opfer zu, bald eine Wahrheitskommission einzusetzen.
Andres Manuel Lopez Obrador (Mitte) sagte den Angehörigen der 43 Opfer zu, bald eine Wahrheitskommission einzusetzen.Foto: Edgard Garrido/Reuters

Mexikos designierter Präsident Andres Manuel Lopez Obrador hat neue Ermittlungen zur Verschleppung und mutmaßlichen Ermordung von 43Studenten im Jahr 2014 angekündigt. Als eine seiner ersten Amtshandlungen werde er eine Untersuchungskommission einrichten, sagte Lopez Obrador am Mittwoch (Ortszeit). Ziel sei es, die Wahrheit herauszufinden und Gerechtigkeit herzustellen. Mexiko werde dabei mit internationalen Menschenrechtsorganisationen zusammenarbeiten.

Der linksgerichtete Lopez Obrador, der am 1. Dezember sein Amt antreten wird, äußerte sich nach einem Treffen mit den Eltern der Vermissten. Die Angehörigen werfen der Staatsanwaltschaft Vertuschung von Beweisen und Behinderung der Ermittlungen vor. Das Verschwinden der Lehramtsstudenten jährte sich am Mittwoch zum vierten Mal. Vergangene Woche forderte ein Bundesgericht die Einsetzung einer Kommission.

Der Fall löste weltweit Entsetzen aus

Der Fall der Studenten hatte weltweit Entsetzen ausgelöst und ein Schlaglicht auf die Infiltrierung der Sicherheitskräfte durch die Drogenmafia geworfen. Die Verbrechen setzten eine Protestwelle in ganz Mexiko in Bewegung, die bis heute anhält. Korrupte Polizisten sollen die Studenten der Universität Ayotzinapa in der Nacht auf den 27. September 2014 im Bundesstaat Guerrero verschleppt und dem Verbrechersyndikat Guerreros Unidos übergeben haben.

Die Aktion soll der Bürgermeister von Iguala angeordnet haben, dem enge Verbindungen zur Drogenmafia nachgesagt werden.

Den offiziellen Ermittlungen zufolge wurden die jungen Leute getötet und auf einer Müllhalde verbrannt. Internationale Experten, die den Fall untersuchten, wiesen diese Darstellung zurück. Es habe weder genügend Brennstoff zur Verfügung gestanden, noch habe es einen ausreichend langen Brand gegeben, erklärten sie. Sie wiesen zudem auf weitere Ungereimtheiten in dem Bericht hin.

Unklar ist auch, inwieweit das Militär verstrickt ist

Im Zusammenhang mit dem Verschwinden der Studenten wurden bisher 119 Menschen festgenommen, 69 davon wegen Entführung, verurteilt wurde bisher jedoch niemand. Nur einer der Studenten konnte anhand von Knochenfragmenten identifiziert werden.

Unklar ist auch, inwieweit das Militär in die Verschleppung verstrickt ist. Nach Recherchen von unabhängigen Journalisten war das Militär von Anfang involviert gewesen. Die Regierung von Präsident Enrique Pena Nieto verweigerte jedoch unter Hinweis auf die Nationale Sicherheit jegliche Untersuchung in diese Richtung. Seine Regierung wurde wegen der Aufarbeitung des Falls international scharf kritisiert. (AFP, dpa, epd)

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!