Wut auf die „maternalistische Unterdrückung“

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Nieder mit dem Matriarchat! : Der Klub der Nicht-Feministen
Gunnar Kunz, Bernhard Lassahn und Wolfgang Jacobs kämpfen gegen den Feminismus in Deutschland.
Gunnar Kunz, Bernhard Lassahn und Wolfgang Jacobs kämpfen gegen den Feminismus in Deutschland.Foto: M. Amjahid

Die selbsternannten Nicht-Feministen kämpfen also gegen die Frauenquote, gegen das Binnen-I, gegen die alltägliche Diskriminierung des Mannes. Und Gunnar, Bernhard und Wolle tun das an mehreren Fronten. Sie betreiben einen Blog, rekrutieren neue Klubmitglieder und treffen sich regelmäßig zu Besprechungen. Sie haben großes im Sinn. 

Doch welcher Mann lässt sich von Frauen so dermaßen piesacken, dass er sein Leben damit verbringt gegen das Matriarchat zu philosophieren, zu agieren, zu streiten? 

Hinter der Wut auf die „maternalistische Unterdrückung“ stecken Erfahrungen, steckt Gewalt, die die Männer nachhaltig geprägt haben. Wolle, ein überzeugter Veganer, nippt an seiner kleinen Cola-Flasche. Er sitzt da in seiner Fließjacke, mit seinem computeraffinen Zopf und seinem Piercing am Ohr. Wolle will offen mit dem umgehen, was ihm passierte, damit es nie wieder passiert. 

„Ich bin mehrfaches Opfer häuslicher Gewalt“, erzählt der allein erziehende Vater. Er sei mehrfach von seiner Ex-Frau geschlagen worden. Nie hätte ihn die Polizei ernst genommen. „Erst als ich blut überströmt  in der Wache stand, wurde mir geholfen“, schildert der 41-Jährige seine ganz persönliche Geschichte. Er möchte verhindern, dass sein neunjähriger Sohn auch unter der Frauengewalt leiden muss. Die Rollen dürften nie so verteilt sein, dass Männer Opfer würden.

Wo doch Männer in der Gesellschaft eigentlich nie als Opfer anerkannt werden.   

„Die Grünen sind am schlimmsten“

Wer nun denkt, dass die AfD mit guten Umfragewerten an diesem Stammtisch rechnen kann, der irrt. Wolle ist erst vor kurzem aus der Linken ausgetreten. Auch dort seien Frauen zu Unrecht privilegiert. Obwohl sie nur ein Drittel der Parteimitglieder ausmachen würden, könnten sie sich qua Geschäftsordnung die Ämter frei aussuchen, behauptet er. Das fand Wolle unfair und kehrte, so wie Gunnar und Bernhard, allen etablierten Parteien den Rücken. „Unsere Partei ist die der Nichtwähler“, alle nicken. „Die CDU ist auch von Frauen dominiert“, alle nicken. „Die Grünen sind am schlimmsten“, alle nicken. Überall hätten Frauen die Macht übernommen.  

Also sind sie jetzt im Klub der Nicht-Feministen per se gegen Frauen? Nein, beteuert Gunnar. Vor 40 Jahren fand er den Feminismus sogar gut, sagt der 54-Jährige. Doch anstatt die dringend benötigte und versprochene Gerechtigkeit herzustellen, krallten sich Feministinnen alle Ressourcen und etablierten ein System, das es als Mann heute zu bekämpfen gilt. Deswegen unterstütze er mit aller Kraft das neueste Projekt der Männergruppe: 

Wolle schreibt schon seit einer Weile an Vereinstatuten. Gemeinnützig soll er sein, für alle offen, ihr Verein. Nicht so wie die vielen Frauenvereine in Deutschland. Einer der ersten und wichtigsten Sätze, die Wolle getippt habe, besage, dass der neue Verein der Nicht-Feministen explizit auch Frauen willkommen heiße.

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