„Notfalls schreibe ich Herrn Pofalla“ : Ströbele legt sich wegen Reise mit Rollator mit Bahn an

Der Grünen-Politker Ströbele wollte barrierefrei in einen Zug steigen, doch mit seinem Rollator durfte er nicht auf den Hublift. Das will er nun ändern.

Hans-Christian Ströbele bei der Jubiläumsfeier der Grünen
Hans-Christian Ströbele bei der Jubiläumsfeier der GrünenFoto: imago images/Christian Spicker

Der frühere Berliner Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele hat wegen einer Zugfahrt mit Rollator die Bahn kritisiert. Wiederholt habe Bahnpersonal sich geweigert, ihm mit dem Hublift in den Fernzug zu helfen, berichtete das Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Ströbele berichtete den Zeitungen von einer Hin- und Rückfahrt zu seiner Schwester in Wetzlar, für die er bei jeder Strecke zweimal umsteigen musste. Er schaffe es wegen des Höhenunterschieds und seiner Gehbehinderung nicht ohne Hilfe in Züge. Seine Bitte, ihn samt Hublift in den Zug zu bringen, sei immer ausgeschlagen worden.

Stattdessen sei er „irgendwie“ vom Personal über die normale Treppe in den Zug bugsiert worden. Einmal habe ihm etwa ein Bahn-Mitarbeiter am Gürtel hochgezogen, sagte er dem RND.

Der 80-jährige Politiker im Ruhestand – der auch Rechtsanwalt ist – habe Beschwerde bei der Bahn eingereicht. Diese habe geantwortet, der Transport mit dem Rollator auf dem Hublift gehe „aus versicherungstechnischen Gründen“ nicht. Der Tipp der Bahn an Ströbele: „Leihen Sie sich doch für die Reise einen Rollstuhl aus.“

Ströbele: „Notfalls schreibe ich Herrn Pofalla“

Ströbele aber gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. Er verwies darauf, dass der Hublift sicherer sei und auch für alle Beteiligten bequemer. Deshalb wolle er für sich und seine Leidensgenossen mit Rollator kämpfen.

„Notfalls werde ich auch an Herrn Pofalla schreiben“, sagte er dem RND. Ronald Pofalla war über viele Jahre Bundestags-Kollege von Ströbele. Heute sitzt er im Vorstand der Bahn.

Weiterer Vorfall der Bahn

„Versicherungstechnische Gründe“ waren auch bei einem anderen Vorfall die Erklärung der Bahn: Mitarbeiter hatten einer schwangeren Reisenden mit Kleinkind im Kinderwagen nicht in den Zug helfen wollen.

Die Bahn verwies zunächst darauf, dass ihre Mitarbeiter nicht versichert seien, wenn sie Reisenden mit Kinderwagen helfen würden. Doch später räumte das Unternehmen ein, dass das nicht stimmt: Das Personal könne sehr wohl Kinderwägen in Züge tragen und sei dann auch versichert.

Ströbele hatte 2002 als erster Grünen-Politiker einen Wahlkreis direkt bei einer Bundestagswahl gewonnen. Diesen Erfolg wiederholte er bei folgenden Wahlen immer wieder in seinem Wahlkreis Berlin-Friedrichshain–Kreuzberg–Prenzlauer Berg Ost.

Er war eine der prägenden Figuren der Grünen, die Partei beging gerade ihren 40. Geburtstag. Mehrere Jahre lang war Ströbele auch stellvertretender Fraktionschef. Bei der Wahl 2017 trat er nicht wieder an. (Tsp)

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