Polizeigewalt in den USA : US-Polizisten spotten über Tod von Afroamerikaner

Polizisten in Colorado haben den Würgegriff an Elijah McClain nachgestellt – und wurden entlassen. McClain war nach dem Einsatz im Sommer 2019 gestorben.

Polizisten stellen den Würgegriff nach.
Polizisten stellen den Würgegriff nach.Foto: via REUTERS

Im US-Bundesstaat Colorado sind drei Polizisten entlassen worden. Sie hatten den Würgegriff an dem verstorbenen Afroamerikaner Elijah McClain nachgestellt und gelacht, wie auf jetzt veröffentlichten Fotos zu sehen ist.

Die Bilder waren bereits im Oktober in der Nähe einer Gedenkstätte für McClain aufgenommen worden. Einer der Polizisten, der an den Fotos beteiligt war, räumte in der vergangenen Woche von sich aus seinen Posten. Drei weitere Beamte entließ nun Auroras Polizeichefin Vanessa Wilson. Darunter ein Polizist, dem das Foto damals zugeschickt worden war und der es mit „haha“ kommentiert hatte.

Polizeichefin Wilson, bezeichnete die Bilder auf einer Pressekonferenz als Verbrechen. „Wir schämen uns, wir sind angewidert, und wir sind wütend über das, was ich mitzuteilen habe", sagte sie. Es handele sich bei den Bildern zwar nicht um einen kriminellen Akt, gleichwohl um ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Anstand“.

Die Anwältin der Familie McClain gab sich laut „Denver Post“ entsetzt: „Dass drei Polizeibeamte im Dienst und in Uniform dachten, es sei angemessen, den Mord als Witz nachzustellen, zeigt, dass die Dienststelle durch und durch verkommen ist."

Elijah McClain starb im August 2019

Der 23-jährige McClain war im August 2019 in der Stadt Aurora von Polizisten festgenommen worden. Diese hatten auf einen Notruf reagiert. Jemand hatte gemeldet, dass sich ein Afroamerikaner „verrückt" in der Straße aufführe. Als sich McClain gegen die Festnahme zur Wehr setzen wollte, wendeten die Polizisten den Würgegriff an, später wurde ihm noch ein Beruhigungsmittel gespritzt. Drei Tage nach dem Einsatz starb er.

Der Polizist, der das Foto kommentiert hatte, war damals an dem Einsatz beteiligt, wurde aber von einem Fehlverhalten freigesprochen, wie die „Denver Post" schreibt.

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Erst vor einigen Tagen war der Fall Elijah McClain neu aufgerollt worden. Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd in den USA hatten andere Fälle von Polizeigewalt wieder Aufmerksamkeit erlangt.

Der Gouverneur von Colorado, Jarid Polis, hatte eine Untersuchung zum Tod des Afroamerikaners angeordnet. Er versicherte, dass diese in die strafrechtliche Verfolgung von möglichen Verantwortlichen für den Tod des 23-jährigen Elijah McClain münden solle, sollte die Staatsanwaltschaft entsprechende Belege finden. Zuvor hatten drei Millionen Menschen in einer Petition eine Untersuchung des Vorfalls gefordert.

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