Mit der Dotcom-Blase begann sein Aufstieg

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Portrait : Kim Schmitz, die große Nummer

Als Ende der 90er Jahre die New-Economy-Blase groß und größer wurde, kam seine Zeit. Er gründete Firmen, kaufte und verkaufte Beteiligungen, schaffte es zwischendurch noch mit Arm-in-Arm-Fotos mit Promis in die Schlagzeilen. Schmitz gewann die Promi-Rallye „Gumball 3000“, ein illegales PS-Spektakel, dessen Teilnehmer sich regelmäßig Verfolgungsjagden mit der Polizei liefern. Doch 2001 sollte nicht nur das bis dato beste Jahr in Schmitz Karriere werden, sondern auch ein Wendepunkt.

Als er sich zum Retter der klammen Webseite letsbuyit.com aufspielte und statt wie versprochen Millionen zu investieren lediglich seine Gewinne maximierte, geriet er ins Visier der Polizei. Der Verdacht lautete auf Insiderhandel und erhärtete sich schnell. Schmitz reagierte mit einer Flucht nach Thailand und der bizarren Ankündigung, sich live vor einer Webkamera umzubringen. Zuvor sollen sich Freunde von ihm abgewendet haben, viele seiner Geschäftsideen geplatzt sein. Schmitz nahm sich schließlich nicht das Leben, wurde Anfang 2002 verhaftet und zu einem Jahr und acht Monaten Haft verurteilt. Als er rauskam, war von der Dotcom-Euphorie nichts mehr übrig, um den einstigen Dampfmacher der New Economy wurde es still.

„Ich bin klüger als Bill Gates. Ich werde irgendwann einer der reichsten Männer der Welt sein“ ist eines der bekanntesten Zitate von Schmitz. Um diese Ankündigung doch noch wahrzumachen, gründete Schmitz mit mehreren Geschäftspartnern Megaupload, eine Seite, die unter anderem Filme und Musik bereitstellte, ohne jedoch die Urheber der Werke zu beteiligen. Auf Youtube präsentierte er den „Megasong“, ein seichtes Musikvideo, in dem die versammelte US-Prominenz um Alicia Keys, Jamie Foxx und Kanye West die Vorzüge von Megaupload besang, vor allem die Schnelligkeit des Datentransfers und dessen Sicherheit. Also absurderweise jene Künstler, die unter Schmitz’ Plattform am meisten litten, was den Betroffenen zum Zeitpunkt ihres Engagements nicht unbedingt klar gewesen sein dürfte.

Kim „Dotcom“ setzte beim Protzen immer noch einen drauf. Gerne ließ er sich mit Frauen im Arm fotografieren, posierte vor seinem Hubschrauber, vor seinem schicken Flugzeug. Niemand weiß, wie hoch sein Vermögen ist. Tag und Nacht spielte er einsam in seinem Riesenanwesen das Ballerspiel „Call of Duty Modern Warfare 3“ – und stieg zum besten unter den weltweit 15 Millionen Spielern auf. Wie immer wurde das Erreichte dokumentiert und ins Netz gestellt. Getreu seinem alten Grundsatz: Ein Erfolg ist keiner, wenn niemand ihn mitkriegt.

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