Contra: "Social Freezing" ist ein Rückschritt

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Pro und Contra: "Social Freezing" : Emanzipation oder Ökonomisierung des Lebens?
Kind nach Fahrplan. Beim "Social Freecing" werden Eizellen tiefgefroren gelagert und erst dann befruchtet und eingesetzt, wenn es für die Eltern günstig erscheint.
Kind nach Fahrplan. Beim "Social Freecing" werden Eizellen tiefgefroren gelagert und erst dann befruchtet und eingesetzt, wenn es...Foto: dpa

Das Einfrieren von  Eizellen wird als großes Freiheitsversprechen verkauft. Das ist nichts Neues. So war es  bei der Einführung jeder neuen Technologie. Diesmal heißt es, die Frauen hätten eine größere Freiheit bei der Familienplanung, wenn ihre jungen Eizellen auf Eis gelegt werden. Die Unternehmen Apple und Facebook wollen ihren Mitarbeiterinnen das teure Einfrieren künftig bezahlen.

Wirtschaftsunternehmen sind keine Sozialstationen. Hinter dem Vorstoß steht weniger der Wunsch, den Frauen etwas Gutes zu tun. Sondern  vor allem die Absicht, die Mitarbeiterinnen  zu binden und sie dazu zu bringen, ihre Kraft und Energie ganz und gar in die Arbeit zu investieren und nicht etwa auch noch in die Familie.

 Die versprochene Freiheit könnte sich deshalb als größtmögliche Abhängigkeit entpuppen. Größer kann die Verquickung zwischen Arbeitgeber und Privatleben kaum sein, als wenn das Unternehmen Geld für die intimsten Wünsche bereit stellt und direkt in  die private Familienplanung eingreift. Der Anspruch von Unternehmen, das Leben der Mitarbeiter so weit wie möglich mitplanen zu wollen, ist  totalitär. Die Ökonomisierung und Verzweckung des Lebens scheint keine Grenzen mehr zu kennen. 

Was als Fortschritt verkauft wird, ist in Wirklichkeit ein Rückschritt. Durch den Fokus auf die Eizelle wird die Frage der Familienplanung wieder allein mit den Karrierewünschen der Frauen verknüpft. Doch ist es heute nicht Konsens,  dass die Familienplanung auch Sache der Männer ist? Drittens: Die neue Technik löst die schwierige Frage nicht, wie Paare Familie und Beruf vereinbaren sollen. Im Gegenteil: Sie  vergrößert das Problem. Der berufliche Stress nimmt mit zunehmender Verantwortung im Laufe der Karriere ja nicht ab, sondern zu. Doch die  körperliche und psychische Belastbarkeit sinkt. Was soll dadurch einfacher werden? Eine Schwangerschaft und das Leben mit Kleinkindern jedenfalls nicht. (clk)

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