Schiffsunglück : Bergungsarbeiten auf dem Rhein im vollem Gange

Nach dem Containerschiff-Unfall auf dem Rhein laufen die Arbeiten zum Freiräumen der Fahrrinne auf Hochtouren. Unter anderem sind Spezialschiffe im Einsatz.

Köln - Auf dem gesperrten Stromabschnitt wurden laut Wasser- und Schifffahrtsamt zwei Schwimmkräne und ein Taucherglockenschiff in Position gebracht. Bis zum Abend sollten weitere der insgesamt 32 Container geborgen sein, die beim Unfall des Frachters "Excelsior" offenbar durch einen Wassereinbruch am Sonntag über Bord gegangen waren. Besonderes Augenmerk richteten die Bergungsarbeiter auf zwei Gefahrgutbehälter, die bereits gesichert am rechten Rheinufer lagen. Mit der Freigabe der gesperrten Kölner Rheinstrecke wurde für Freitag gerechnet.

Den Planungen zufolge sollte das Kranschiff "Grizzly" am Dienstagnachmittag mit der Bergung der ersten Container am Unfallort in Höhe des Stadtteils Porz-Zündorf beginnen. Zugleich sollte der Schwimmkran "Kranvogel" einen stromabwärts am Rheinufer vor Porz-Westhoven liegenden Gefahrgutcontainer bergen. Ein weiterer Behälter mit umweltgefährdenden Substanzen liegt in Höhe des Stadtteils Poll am Ufer, ein dritter in der Fahrrinne bei Zündorf. Ein drittes Kranschiff aus Süddeutschland wurde für Mittwoch in Köln erwartet.

Pegelhöhe macht Probleme

Wegen der derzeit starken Strömung rechneten die Behörden mit einer schwierigen Bergung: Mit gut 4,80 Metern lag der Kölner Pegel am Dienstagnachmittag höher als normal. "Die Schiffe haben allerdings schwere Taucherschilder, um den Strömungsdruck während der Arbeiten unter Wasser abzuhalten", sagte ein Sprecher des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Zudem ermöglicht der Einsatz des Taucherglockenschiffs "Carl Straat" ein Unter-Wasser-Arbeiten im Trockenen: Am Heck des Schiffes befindet sich eine Tauchglocke, die durch Luftüberdruck gegen eindringendes Wasser geschützt wird. Je nach Wassertiefe wird der Luftdruck in der Glocke erhöht.

Am Montag war bereits einer der angespülten Container mit einem Kran von Land aus geborgen worden. Die Behörden hatten die Zahl der Behälter zunächst mit 31 angegeben, korrigierten diese Zahl jedoch am Dienstag um einen weiteren Container nach oben. Wegen der Havarie der "Excelsior" ist der Rhein seit Sonntagnachmittag auf 20 Kilometern Länge zwischen Köln-Porz-Zündorf und Köln-Niehl für die Schifffahrt gesperrt. Laut Wasserschutzpolizei warteten am Dienstag bereits weit über 200 Schiffe auf die Weiterfahrt, ein Teil davon in Rhein-Häfen weit außerhalb des Großraum Kölns.

Grund für den Unfall weiter unklar

Der genaue Hergang des Unfalls blieb derweil weiter unklar. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" zitierte die Staatsanwaltschaft Duisburg mit der Einschätzung, dass vermutlich ein Riss im Rumpf der "Excelsior" Grund für die Schieflage des Frachters war. Die Duisburger Wasserschutzpolizei hatte bereits am Sonntag von einem "Wassereinbruch" in das Schiff berichtet, in dessen Folge der Schiffsführer ein Wendemanöver auf dem Strom ausgeführt habe. Die mit 103 Containern beladene "Excelsior" war auf der Fahrt von Stuttgart nach Rotterdam. Die Polizei ermittelt weiter wegen Gefährdung der Schifffahrt. (tso/AFP)

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