Schmutzkampagnen : Facebooks Politik-Chef: Auch andere PR-Firmen angeheuert

Facebook hat auf Kritiker und Konkurrenten mehr auf Schmutzkampagnen spezialisierte PR-Agenturen angesetzt als bisher bekannt.

Facebook Gründer Mark Zuckerberg.
Facebook Gründer Mark Zuckerberg.Foto: GERARD JULIEN/AFP

Facebook hat auf Kritiker und Konkurrenten mehr Schmutzkampagnen durch PR-Agenturen initiiert als bisher bekannt. "Ich wusste von der Entscheidung, Definers und andere ähnliche Firmen zu engagieren, und billigte sie", schrieb der scheidende Politik-Chef Elliot Schrage in einem von Facebook veröffentlichten internen Rundschreiben. Bisher war nur die Arbeit der Agentur Definers für Facebook bekanntgeworden.

Die Firma hatte unter anderem verbreitet, dass eine Organisation von Facebook-Kritikern von Finanzier George Soros unterstützt worden sei. Soros ist oft Ziel antisemitischer Anfeindungen und Verschwörungstheorien, mit der die Kampagne von Definers anspielte.

Schrage räumte ein, dass Definers von Facebook den Auftrag bekam, sich mit Soros zu beschäftigen, nachdem er Facebook im Januar 2018 beim Weltwirtschaftsgipfel in Davos unter anderem als "Bedrohung für die Gesellschaft" kritisiert hatte. "Wir hatten solche Kritik von ihm zuvor nicht gehört und wollten ermitteln, ob er irgendeine finanzielle Motivation hat", verteidigte Schrage das Vorgehen. Zugleich schränkte er ein, dass der Auftrag an Definers ohne sein Wissen ausgeweitet worden sei.

Die in dem Skandal ebenfalls in die Kritik geratene Geschäftsführerin Sheryl Sandberg schrieb dazu, dass sie in der Vergangenheit ebenfalls Material mit Inhalten von Definers zu lesen bekommen habe – aber sich zuletzt nicht mehr an die Firma erinnern konnte. Es sei nie die Absicht gewesen, antisemitische Berichte über Soros zu befeuern, betonte Sandberg, die selbst jüdisch ist. Schrage, dessen Abgang bereits vor Monaten angekündigt worden war, nimmt mit der Übernahme der Verantwortung etwas Druck von Sandberg, die sich viel mit Kritik an ihrem Konzern beschäftigen muss. Schrages Nachfolger, der ehemalige britische Vizepremier Nick Clegg, soll die Arbeit mit PR-Beratern nun neu ordnen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg habe sich gegen Einsatz externer Agenturen im Umgang mit Kritikern ausgesprochen.

Zuckerberg hatte erklärt, dass er erst aus einem Bericht der "New York Times" über die Kampagnen von Definers für Facebook erfahren habe. dpa

Mehr lesen? Jetzt E-Paper gratis testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar