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Scholz’ Flucht aus dem Paradies : Wie der Finanzminister vorzeitig aus Bali abreiste

Auf Bali haben Mäuse die Regierungsmaschine lahmgelegt. Deshalb reiste Scholz' übereilt von der IWF-Tagung ab. Das sorgt für Ärger. Wie es zum "Nager Gate" kam.

Das Regierungsflugzeug, der Airbus «Konrad Adenauer», steht auf dem Flughafen von Nusa Dua. Bundesfinanzminister Scholz musste sich eine andere Rückfluggelegenheit suchen.
Das Regierungsflugzeug, der Airbus «Konrad Adenauer», steht auf dem Flughafen von Nusa Dua. Bundesfinanzminister Scholz musste...Foto: Georg Ismar/dpa

Keine Schlange, es waren wohl Mäuse, die Bundesfinanzminister Olaf Scholz zu seiner Flucht aus dem Ferienparadies Bali motiviert haben. Und die Bayern-Wahl, deren Ausgang der Vizechef der SPD lieber in Berlin als auf Bali erleben wollte.

Scholz und sein Tross waren am Mittwoch mit der Regierungsmaschine „Konrad Adenauer“ zu der Jahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) mit 30 000 Teilnehmern gereist. Die ersten Tage lief alles nach Plan: Es gingen Bilder um die Welt, die den sonst eher steifen Hanseaten verhältnismäßig leger ohne Krawatte mit wichtigsten Entscheidern zeigten, darunter im Gespräch mit dem US-Kollegen Steven Mnuchin. Am Ende der Reise hätte Scholz am Sonnabend mit Bundesbank-Präsident Jens Weidmann auf der traditionellen Abschlusspressekonferenz noch einmal die Weltlage erläutern sollen. Dann wäre er planmäßig mit Delegation und 20 mitgereisten Journalisten in den Airbus A340 gestiegen, um pünktlich am Sonntag um 0.15 Uhr Ortszeit in Berlin zu landen. Dann hätte er ausgeschlafen – und vor allem persönlich – am Abend auf das erwartete Wahldebakel der SPD reagieren können.

Scholz nahm kurzerhand einen Linienflug

Doch Nager hatten Scholz’ Plan fast vereitelt. Die Tiere waren in den auf der indonesischen Nachbarinsel Java geparkten Airbus gekrochen und hatten Kabel hinter Abdeckungen angeknabbert. Techniker müssen den Schaden beheben und die komplette Maschine mit Gift von den Biestern befreien. Ein Abflug schien nicht vor Mittwoch möglich. Also reiste Scholz Hals über Kopf mit seinen Leibwächtern, zwei Staatssekretären, seinem persönlichen Sprecher und weiteren Mitgliedern der engsten Entourage per Linienflug ab. Scholz und Friends erreichten nach einer 22-stündigen Reise mit Umstiegen in Hongkong und Zürich am Sonntagmorgen ihr Ziel Berlin.

Zurück am Tagungsort Nusa Dua blieben Journalisten, rangniedere Mitarbeiter des Ministeriums – und die Bundesbank-Delegation. Letztere wollte sowieso per Linie nach Frankfurt am Main reisen. Gleichwohl saß Bundesbankpräsident Jens Weidmann etwas ratlos vor dem Raum im Medienzentrum und fragte, ob man die Pressekonferenz überhaupt abhalten wolle. Schließlich nahm er allein auf dem Podium Platz.

Mein linker, linker Platz ist frei. Bundesbankpräsident Jens Weidmann musste die Abschlusspressekonferenz zur Tagung auf Bali allein bestreiten.
Mein linker, linker Platz ist frei. Bundesbankpräsident Jens Weidmann musste die Abschlusspressekonferenz zur Tagung auf Bali...Foto: Georg Ismar/dpa

Weidmann wünschte den Reportern und Delegationsmitgliedern noch „viel Glück“ bei der Buchung der Flüge und gab einen Ausflugstipp: „Es gibt auf Bali einen schönen Kratersee“, wusste er zu berichten.

Die Bundesluftwaffe hätte Scholz erst Dienstag abholen können

Ein in Berlin gebliebener Sprecher des Ministeriums konnte am Sonntag keine näheren Angaben machen, wie die zurückgelassenen Teilnehmer der Delegation heimkommen. Auch Scholz’ vorzeitige Abreise kommentierte er nicht. Mancher schlug sich selbst durch: So flog ein Reporter vom Deutschlandradio Samstagabend nach Singapur, nahm sich ein Hotelzimmer, um dann über Amsterdam nach Berlin zu fliegen. Der freie Journalist Rolf Obertreis, der für den Tagesspiegel über die Konferenz berichtet hatte, war von dem Chaos nicht betroffen. Er hatte kein (kostenpflichtiges) Ticket für den Regierungs-Airbus gebucht, sondern seine Rückreise nach Frankfurt auf eigene Rechnung organisiert.

Die Bundesluftwaffe hatte Scholz offenbar noch angeboten, auf den Rückflug des amtierenden Bundesratspräsidenten, Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD), zu warten. Der weilt mit dem zweiten für lange Strecken geeigneten A340 der Flugbereitschaft in Australien. Aber dessen Rückreise ist erst für Dienstag geplant. Da ist die Bayern-Wahl schon Geschichte. mit dpa

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