Schweres Unglück im Skigebiet : Sechs Deutsche Opfer bei Autounfall in Südtirol

Sechs Menschen sind tot, elf verletzt – weil ein alkoholisierter Fahrer mit seinem Auto in eine Reisegruppe raste. Die Behörden ermitteln nun die Hintergründe.

Die Carabinieri rekonstruieren im südtirolischen Luttach am Unfallort den Tathergang. Ein Autofahrer hat sechs Menschen bei einem Unfall getötet.
Die Carabinieri rekonstruieren im südtirolischen Luttach am Unfallort den Tathergang. Ein Autofahrer hat sechs Menschen bei einem...Foto: Lino Mirgeler/dpa

Ein betrunkener Autofahrer ist in eine Gruppe deutscher Skitouristen in Südtirol gerast und hat sechs junge Menschen getötet. Die Urlauber im Alter um die 20 Jahre seien in der Nacht zu Sonntag in Luttach noch am Unfallort gestorben, bestätigten Polizei und Feuerwehr. Elf Menschen seien verletzt worden. Vier von ihnen hätten schwerste Verletzungen erlitten, ein Mensch kämpfte ums Überleben. Vier Tote stammten aus Nordrhein-Westfalen, zwei in Wuppertal, einer in Köln und einer in Dortmund. Das berichtete am Sonntagabend eine Sprecherin des Innenministeriums in Düsseldorf. Bei dem Dortmunder handele es sich um einen 22 Jahre alten Mann, teilte die Polizei der Ruhrgebietsstadt mit. Die Polizei und Notfallseelsorger hätten die Familienangehörigen informiert und würden sie jetzt betreuen.

Ein weiteres Todesopfer wohnte in Hamburg, ein anderes in Niedersachsen.

Unter den Verletzten sind auch zwei Südtiroler, die übrigen stammen aus Deutschland. Der Fahrer des PS-starken Sportwagens war stark betrunken, als er die Touristen tötete. Ein Polizeisprecher in Bozen sagte der dpa, ein erster Test habe mehr als 1,9 Promille ergeben. Das habe auch ein Bluttest bestätigt.

Der Mann, ein 27 Jahre alter Mann aus der Region, sei in ein Krankenhaus gekommen und werde auch auf Drogen untersucht. Der Fahrer wurde festgenommen. Ihm wird unter anderem mehrfache Tötung im Straßenverkehr vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Ihm drohen zwischen acht und zwölf Jahren Haft. Weitere Quellen sprechen zudem von bis zu 18 Jahren Haft wegen des sogenannten „omicidio stradale“, was sich am besten mit „Straßenmord“ übersetzen lässt.

„Straßenmord“ als neuer Straftatbestand in Italien

Der Straftatbestand ist in Italien im Jahr 2016 im Rahmen einer drastischen Verschärfung der Strafen für Verkehrsdelikte eingeführt worden. Wer mit überhöhter Geschwindigkeit und einem Alkoholpegel von mehr als 0,8 Promille einen tödlichen Unfall verursacht, kann in Italien mit diesem Gesetz mit bis zu 18 Jahren Gefängnis bestraft werden. Die Verschärfung war von der italienischen Vereinigung der Angehörigen von Straßenverkehrsopfern mit einer Unterschriftensammlung angeregt worden, die auch vom Verband der Straßenpolizisten unterstützt wurde.

Der Südtiroler Unfallfahrer steht derzeit unter Schock. Er sei dementsprechend im Krankenhaus in psychologischer Behandlung von Spezialisten, sagte ein Polizeisprecher in Bozen am Sonntag. Medien in Italien hatten berichtet, der Mann aus dem Südtiroler Ort Kiens sei in der Psychiatrie. Er habe gesagt, sich umbringen zu wollen, als er von der hohen Zahl der Toten erfahren habe. Er habe „Sachen gesagt“, die in diese Richtung gehen könnten, sagte der Polizeisprecher. Weitere Details wollte er nicht bekannt geben.

Kanzlerin Merkel kondoliert

n der Touristenregion herrschte Entsetzen: „Das neue Jahr beginnt mit dieser schrecklichen Tragödie“, sagte der Südtiroler Landeshauptmann Arno Kompatscher auf einer Pressekonferenz in Luttach. „Wir sind alle geschockt.“ Das Auswärtige Amt teilte in Berlin mit, der Deutsche Generalkonsul aus Mailand, Claus Robert Krumrei, sei vor Ort. Der Deutsche Botschafter Viktor Elblin sei auf dem Weg von Rom aus an die Unglücksstelle. Mitarbeiter des Generalkonsulats unterstützten die italienischen Behörden bei der Betreuung der Betroffenen.

Kanzlerin Angela Merkel erklärte über ihren Sprecher: „Ein fröhlicher Abend, der in der Katastrophe endet. Ich trauere mit allen, die dort heute Nacht Kinder, Geschwister, Freunde verloren haben. Den Verletzten wünsche ich Kraft und baldige Genesung.“

Von den vier Schwerverletzten mussten nach Angaben der Feuerwehr drei vor Ort intubiert werden: Eine Frau kam ins Krankenhaus Bruneck, ein Mann ins Regionalkrankenhaus Bozen und eine schwerstverletzte Frau und ein schwerstverletzter Mann in die Universitätsklinik Innsbruck.

„Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld“

Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln nun auch, ob der Fahrer zu schnell unterwegs war. In Luttach gab es nach dpa-Informationen aus dem Ort seit längerem Klagen über Autos, die auf der Hauptstraße rasen und über mangelnde Kontrollen.

Ein Sprecher der Feuerwehr in Luttach sagte, 160 Einsatzkräfte seien vor Ort gewesen. Helmut Abfalterer von der Feuerwehr schilderte der „Tageszeitung Online“ schlimme Szenen: „Es hat ausgesehen wie auf einem Schlachtfeld.“

Der Bürgermeister von Luttach, Helmut Gebhard Klammer, sprach von einer „Katastrophe“, wie sie das Tal noch nie erlebt habe. „Wir sind fassungslos“, sagte er und sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Gleichzeitig rief er zu einer „fairen Berichterstattung“ auf, dass der Unfall keinen „großen Schatten für die Zukunft auf unsere Talschaft wirft“. (dpa, Tsp)

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