Sorge in Indien und Bangladesch : Zyklon „Fani“ könnte Millionen gefährden

Es drohen enorme Windgeschwindigkeiten, Sturzfluten und Erdrutsche: „Fani“ könnte einer der schwersten Stürme seit Jahrzehnten im Golf von Bengalen werden.

Dieses Satellitenfoto zeigt den Zyklon im Golf von Bengalen.
Dieses Satellitenfoto zeigt den Zyklon im Golf von Bengalen.Foto: Indian Metrological Department/AP/dpa

Die Hilfsorganisation World Vision warnt eindringlich vor dem Zyklon „Fani“, der Küstengebiete im Nordosten Indiens und in Bangladesch bedroht. Dies sei „der stärkste Zyklon, der seit vielen Jahren in diesem Teil der Welt registriert wurde“, sagte Fred Witteeven, Direktor von World Vision Bangladesch am Donnerstag. „Etwa zehn Millionen Menschen leben in Küstenregionen, die voraussichtlich betroffen sein werden.“ Sturzfluten und Erdrutsche könnten große Zerstörungen anrichten und Menschenleben gefährden, befürchtet Witteeven, wie World Vision Deutschland im hessischen Friedrichsdorf mitteilte.

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So entsteht ein Wirbelsturm
So entsteht ein Wirbelsturm

Auch das Meteorologische Institut Indiens (IMD) warnt World Vision zufolge, dass Fani der schwerste Sturm sei, der sich seit April 1976 zu dieser Jahreszeit in der Region gebildet habe. Damals waren mehr als 10.000 Menschen ums Leben gekommen.

Nach Angaben der indischen Meteorologiebehörde wurde erwartet, dass der tropische Wirbelsturm „Fani“ bis Freitag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometern über die Gegend um die heilige Küstenstadt Puri hinwegfegen würde.

Ein Gebiet mit rund 800.000 Einwohnern werde evakuiert, teilte die Katastrophenschutzbehörde des Bundesstaates Odisha mit. Schulen blieben in der betroffenen Gegend geschlossen und zahlreiche Züge fielen aus. Fischer wurden gewarnt, nicht hinauszufahren.

Nach Angaben der indischen Bahngesellschaft wurden mehr als 100 Zugverbindungen gestrichen. In die besonders gefährdete Stadt Puri, die jedes Jahr von Millionen Touristen aus dem In- und Ausland besucht wird, werden dagegen drei Sonderzüge und zusätzliche Busse geschickt, um Urlauber und Pilger in Sicherheit zu bringen. An der Küste warnten Behördenvertreter mit Megafonen vor dem Wirbelsturm. Auch Touristen sollen die Küstengebiete verlassen und auf unnötige Reisen verzichten.

Auch im Nachbarland Bangladesch wurden Vorbereitungen getroffen. Heftige Regenfälle würden dort auch im größten Flüchtlingslager der Welt, Cox's Bazar, erwartet. Dort leben mehr als 900.000 Angehörige der Rohingya-Minderheit.

Tropische Wirbelstürme sind im Golf von Bengalen keine Seltenheit, vor allem zwischen April und November. Im Jahr 1999 war ein Zyklon mit bis zu 260 Stundenkilometern über Odisha (damals Orissa) hinweg gezogen. Dabei waren mehr als 10 000 Menschen gestorben. (KNA, dpa)

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