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Suche nach der Ursache : Ehec-Erreger: Die Spur der Sprossen
Dirk Schmaler

Die Experten vom niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit konnten einen Zusammenhang herstellen zwischen den mittlerweile vielen hundert Ehec-Erkrankten und dem, was diese gegessen haben. Sie konnten dabei unter anderem ausgehen von dem Lübecker Restaurant „Kartoffelkeller“, wo sich 17 Frauen mit dem gefährlichen Darmkeim angesteckt hatten. Die vorläufige, aber durchaus plausibel klingende Antwort der Experten: Die Ursache lag nicht in Gurken und Tomaten, sondern in Sprossen. Über Zwischenhändler hat auch der Lübecker „Kartoffelkeller“ von dem Bienenbütteler Betrieb Sprossen erhalten – so wie auch mehrere andere Restaurants, deren Gäste auffallend oft an dem lebensgefährlichen Blutdurchfall erkrankt sind.

Auch ein Fall aus Niedersachsen passte in das Schema der Experten. 30 Mitglieder eines schwedischen Golfclubs kamen Mitte Mai zu einem Kurzurlaub in ein Hotel mit nahem Golfplatz in Lüdersburg. Die Hälfte von ihnen erkrankte später an Ehec, eine Frau starb. Schwedische Fahnder nahmen sich das Hotel vor: „Unser Haus wurde auf den Kopf gestellt“, sagte der Direktor dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Selbst von ungeöffneten Mineralwasserflaschen wurden Proben genommen. Die Mitarbeiter wurden nach ihren Essgewohnheiten befragt, auch eine Stuhlprobe wurde verlangt. Seine Lebensmittel bezog das Hotel vom Hamburger Großmarkt. Auch in dem Hotel jedoch fanden die Kontrolleure keine Ehec-Spur. Allerdings ließ sich nun auch hier die Spur zurückverfolgen zu dem Sprossenhersteller aus dem Landkreis Uelzen.

So erschreckend solche Häufungen von Krankheitsfällen wie die im Lübecker „Kartoffelkeller“ oder im Golfhotel in Lüdersburg auch wirken – sie boten den Ermittlern auch die Chance, dem Erreger auf die Spur zu kommen.

Allerdings ist noch nicht einmal klar, wie der Erreger auf die Sprossen gelangt sein könnte. Zum einen könnte die Temperatur von 38 Grad bei der Zucht die Vermehrung von Bakterien begünstigen. Erste Tests in diese Richtung verliefen aber negativ. Einige Sprossenmischungen, die als Ehec-Quelle infrage kommen, stammen auch aus dem Ausland. Aus welchem Land genau Sprossenkeimlinge nach Niedersachsen importiert wurden, ist zwar noch nicht bekannt. Allerdings halten Experten vom Landesamt für Verbraucherschutz die Quelle aus dem Ausland für die wahrscheinlichste.

Der Geschäftsführer des betroffenen Biohofs in Bienenbüttel, Klaus Verbeck, ist ebenfalls ratlos. Er sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, dass die Salatsprossen nicht gedüngt würden. Auch in anderen Geschäftsbereichen des Hofes werde kein tierischer Dünger verwendet.

Niedersachsens Landwirtschaftsminister Lindemann sieht darin keinen Widerspruch: Mit Gülle oder Dünger müsse das nichts zu tun haben, betonte er. „Das ist für uns die plausibelste Erkrankungsursache“, sagte er, nahm den Betrieb jedoch sofort in Schutz: „Wir können nicht erkennen, dass der Betriebsinhaber ein Verschulden an der Entwicklung trägt oder fahrlässig gehandelt hat.“

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