Therapeutisches Projekt : Einzelnen Sexualstraftätern in NRW wurde Bordellbesuch genehmigt

Die Patienten im Maßregelvollzug hätten „kurz vor dem Übergang in die Freiheit“ gestanden. Eine ähnliche, umstrittene Therapie gibt es auch in Osnabrück.

Bordellbesuche als Lehrstunde?
Bordellbesuche als Lehrstunde?Foto: Patrick Seeger/dpa

Sexualstraftäter aus dem Maßregelvollzug im nordrhein-westfälischen Lippstadt-Eickelborn dürfen laut „Spiegel“ in Einzelfällen Bordelle im Ruhrgebiet besuchen, um Erfahrungen mit Frauen zu sammeln. In drei Fällen habe die Klinik solche Besuche in den vergangenen beiden Jahren aus therapeutischen Gründen genehmigt, bestätigte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Klinikträger dem Magazin laut Vorabmeldung vom Freitag. Weitere Bordellbesuche seien geplant.

Es habe sich um Patienten gehandelt, die bereits weitgehende Lockerungsstufen erreicht und kurz vor dem Übergang in die Freiheit gestanden hätten. Die Praxis sei daher verantwortbar gewesen, erklärte der LWL dem „Spiegel“ zufolge. Allerdings räumte der Verband demnach ein, dass die Prostituierten in den Bordellen nicht von der Klinik informiert worden seien, mit wem sie verkehrten.

Eine andere Praxis mit demselben Ziel beschäftigt derweil die niedersächsische Landespolitik, wie das Magazin weiter berichtete. Im Maßregelvollzug Osnabrück kam demnach ab 2001 im Rahmen eines Therapieexperiments eine Prostituierte in die Klinik, um mit intelligenzgeminderten Sexualstraftätern einen gewaltfreien sexuellen Umgang mit Frauen praktisch einzuüben.

CDU und Grüne kündigten dazu Anfragen an die niedersächsische Landesregierung an. Der frühere langjährige Leiter des Maßregelvollzugs im hessischen Haina, Rüdiger Müller-Isberner, kritisierte solche Praktiken auf „Spiegel“-Anfrage als „abwegig“ und „ethisch bedenklich“. (AFP)

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