Triebwerksexplosion bei Southwest-Airlines-Flug : Horrorunglück in 10 000 Metern Höhe

Eine Frau wird nach einer Triebwerksexplosion beim Flug von New York nach Dallas fast aus dem Flugzeugfenster gesogen und stirbt.

Die zerstörte Turbine eines Flugzeugs der Fluggesellschaft Southwest Airlines wird untersucht. In den USA ist eine Frau in einem Flugzeug nach Medienberichten erst von Teilen einer zerstörten Turbine getroffen und dann fast aus dem Fenster gerissen worden. Andere Fluggäste hätten sie festgehalten, berichteten mitreisende Passagiere im Sender CNN und auf Facebook. +++ dpa-Bildfunk +++
Die zerstörte Turbine eines Flugzeugs der Fluggesellschaft Southwest Airlines wird untersucht. In den USA ist eine Frau in einem...Foto: Amanda Bourman/AP/dpa

Für die 143 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder wurde der Southwest Airlines-Flug SWA1380 von New York nach Dallas zum Alptraum. Von einem Triebwerk hatten sich explosionsartig Teile gelöst und ein Kabinenfenster durchschlagen. Eine Frau kam ums Leben, sieben weitere Passagiere wurden verletzt. Als Ursache für das Unglück wird Materialermüdung genannt.

Der Vorfall ereignete sich in knapp zehn Kilometern Flughöhe. Ein Kabinenfenster wurde zerstört, der Druck fiel rapide ab und eine Frau wurde bis zur Taille aus der Maschine gerissen, die mit einer Geschwindigkeit von rund 800 Kilometern in der Stunde flog. Obwohl es beherzten Mitreisenden gelang, sie zurückzuziehen, starb die 43 Jahre alte Bank-Managerin Jennifer Riordan.

Passagiere schickten noch aus dem Flugzeug von ihren Handys Fotos und Videos, die Reisende mit Sauerstoffmasken, das schwer beschädigte Triebwerk und das zerstörte Fenster zeigen. Flugkapitänin Tammie Jo Shults, eine ehemalige Kampfpilotin der Navy, brachte die Boeing innerhalb von acht Minuten auf eine sichere Höhe von 3000 Metern, in der die Menschen wieder ohne Maske atmen konnten. Dann setzte sie zur Notlandung in Philadelphia an. Dort erst wurde das ganze Ausmaß des Schadens deutlich. Die Verkleidung des Lufteinlasses und die vordere Hälfte der Triebwerksverkleidung fehlten. Ein großes Teil des Triebwerks war nahe der Kleinstadt Bernville zu Boden gestürzt.

Die Ursache konnte schnell ermittelt werden, auch wenn die detaillierte Untersuchung gut ein Jahr dauern wird. Die beiden Flugschreiber sind zur Untersuchung in die US-Behörde für Transportsicherheit NTSB nach Washington gebracht worden. Eine der Turbinenschaufeln war gebrochen und hatte die Ummantelung des Triebwerks durchschlagen, sagte der Chef der NTSB, Robert Sumwalt.

Triebwerke dieser Baureihe werden seit 1999 gebaut

Einen nahezu gleichartigen Vorfall hatte es bereits am 27. August 2016 bei einem Southwest-Flug von New Orleans nach Orlando gegeben. In beiden Fällen handelte es sich um ein Triebwerk vom Typ CFM56-7B des amerikanisch- französischen Herstellerkonsortiums CFM International. Mit diesem Triebwerksmodell sind weltweit mehr als 6700 Flugzeuge der Boeing 737 ausgestattet. Es ist auch bei vier deutschen Fluggesellschaften im Einsatz – Azur Air, Germania, SunExpress und Tuifly.

Die Aufsichtsbehörden hatten erst kürzlich die Überprüfung aller Triebwerke der Baureihe angeordnet. Die Anweisungen der europäischen Flugsicherheitsbehörde Easa schreiben vor, dass bestimmte Triebwerksschaufeln binnen neun Monaten mit Ultraschall auf Risse untersucht werden müssen. Unklar ist bisher noch, ob aufgrund des neuerlichen Vorfalls die Frist für die vorzunehmenden Kontrollen verkürzt wird.

Triebwerke dieser Baureihe werden seit 1999 gebaut und haben seitdem mehr als 350 Millionen Flugstunden absolviert, teilte der Hersteller mit. Es handele sich um „das zuverlässigste und populärste Strahltriebwerk der Luftverkehrsgeschichte“.

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