Was im Glücksrausch passiert

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Uli Hoeneß und die Börse : Der große Reiz des Zockens - warum Erfolgreiche gefährdet sind

„Wenn jemand seine eigenen Risiko-Regeln im Glücksrausch nicht beachtet, knallt es richtig“, sagt Wahlen. „Dann hat er die Statistik gegen sich.“ Wer ein Prozent des Handelskontos verliert, muss nur etwas mehr als ein Prozent des Kontos gewinnen, um wieder auf 100 Prozent zu kommen. Wer 20 Prozent des Kontos verliert, muss von den verbleibenden 80 Prozent schon 25 Prozent gewinnen, um wieder auf den alten Stand zu kommen. Wer 50 Prozent des Kontos verloren hat, muss die verbleibenden 50 Prozent um 100 Prozent steigern, um wieder oben zu sein.

Was folgt daraus? Je höher der Einsatz und damit das Risiko, desto unwahrscheinlicher ist es, dass der Trader sein Ziel erreicht. Begrenzt er dagegen seine Verluste und riskiert er pro Trade nur weniger als ein Prozent seines Handelskontos, weil er den Verlust mit einer Stopp-Order begrenzt, kann er zehnmal hintereinander verlieren, ohne sich zu ruinieren. Mit einem guten Gewinntrade und einem festgelegten Ausstiegsplan kann er das wieder reinholen. Riskiert er aber zehn Prozent seines Kontos pro Trade, dann reichen fünf Verlusttrades in Folge und er hat kaum noch eine Chance, wieder hochzukommen. Jeder Trader, auch der beste, macht irgendwann die Erfahrung, dass er fünf Mal hintereinander verliert. Der beste unterscheidet sich dadurch, dass er weniger riskiert und deshalb weniger verliert. Und wieder aufsteht und den 6. gewinnbringenden Trade auch eingeht.

Wie aber tickt der wahre Gewinner?

Wie tickt der wahre Gewinner? Er zeichnet sich dadurch aus, dass er sich durch Gewinne nicht dazu verführen lässt, größere Positionen einzugehen, die ihn bei Verlusten ruinieren würden. Der Gewinner ist kein Egomane, kein Angeber, kein Rechthaber, er ist demütig, geduldig und redet nicht mit anderen über seine Börsenaktivitäten, damit diese ihn nicht mit Bemerkungen zu falschen und riskanteren Handlungen verleiten. Wahlen beschreibt den Gewinner so: „Er ist ein flexibler Nichtrechthaber, der seine Meinung ändern kann, wenn sich die Sachverhalte ändern. Er ist ein Wellenreiter, der die Welle mitnehmen will und sich ihr nicht entgegenstellt oder sie erzeugen oder ihre Richtung bestimmen will. Er nimmt, was der Markt ihm hergibt. Und er weiß, dass er sich höhere Gewinne mit kleineren Verlusten erkauft, die deshalb kleiner sind, weil er sie begrenzt.“

Der Rest ist Statistik und ein Handelssystem mit einfachen und nachvollziehbaren Ein- und Ausstiegs-Regeln, an das sich der Trader hält, auch wenn er sechsmal hintereinander ein Prozent des Kontos verliert. Wer spürt, dass er einen Hang zum Rechthaben oder leichte Züge von Egomanie oder Größenwahn hat, der sollte die Finger davon lassen.

Was kann der kleine Anleger daraus lernen?

Was kann der kleine Anleger daraus lernen? Finger weg vom Börsentrading, wenn die genannten Voraussetzungen vorliegen. Lieber das Geld zum Teil aufs Tagesgeldkonto und zum anderen Teil in einen Dax-ETF – bei dem man mit einem Papier alle Aktien des Dax kauft – investieren und sich ein paar Jahre nicht weiter kümmern, statt anzufangen, hin- und herzuhandeln. Wahlen rät: Was man dringend braucht, aktuell oder im Alter, sollte man nicht dem Risiko aussetzen. Spekulieren allenfalls mit einem Betrag, den man nicht benötigt. Die höchste Rendite im Sinne einer Geldanlage bringt es, wenn man Schulden abbaut und keine hohen Zinsen mehr zahlt. Und: Sich keine teuren Fonds oder Steuersparmodelle von einem Bankberater andrehen lässt, der nur risikolos Provisionen kassieren will.

Literatur: Christoph Wahlen, "Mentaltraining für den erfolgreichen Day-Trader: So steigern Sie Ihr Tradingergebnis", FinanzBuch Verlag, EUR 29,90

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