Umfrage zum Weltkindertag 2018 : Nur jeder Zweite hält Deutschland für kinderfreundlich

Laut einer Umfrage zum Weltkindertag 2018 halten nur 56 Prozent der Befragten Deutschland für kinderfreundlich. In Thüringen soll dieser Tag zum Feiertag werden.

Weltkindertag 2018: Ein Junge mit einem Globus
Ein Junge mit einem Globus.Foto: Natallia Vintsik

Deutschland, ein kinderfreundliches Land? Laut einer Umfrage anlässlich des Weltkindertags an diesem Donnerstag sieht das gerade mal jeder Zweite so. 56 Prozent der Befragten sind demnach der Meinung, dass es in Deutschland weitgehend kinderfreundlich zugeht. Vor drei Jahren waren es noch 58 Prozent. Das Deutsche Kinderhilfswerk hatte die Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben.

Dabei ist den meisten eine kinderfreundliche Gesellschaft wichtig. Ob Kampf gegen Kinderarmut, Schutz vor Gewalt, Unterstützung von Familien oder Spiel- und Freizeitmöglichkeiten: Für einen Großteil der Befragten nehmen diese Dinge einen hohen Stellenwert ein. Lediglich an der Umsetzung hapere es: Dass sich die Politik tatsächlich um die Bekämpfung von Kinderarmut kümmert, finden etwa nur 16 Prozent.

„Die Ergebnisse der Umfrage zum Weltkindertag 2018 sind ein Armutszeugnis für unser Land“, erklärte der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger. „Die Diskrepanz zwischen den Ansprüchen der Menschen an eine kinderfreundliche Gesellschaft und deren Verwirklichung ist teilweise erschreckend.“

Weltkindertag soll gesetzlicher Feiertag werden

In Thüringen soll der Weltkindertag am 20. September ab 2019 zum gesetzlichen Feiertag werden. Dazu haben die Regierungsfraktionen einen Gesetzentwurf vorgelegt, über den in der kommenden Woche im Landtag abgestimmt werden soll, wie Linke, Grüne und die SPD am Mittwoch in Erfurt in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Bereits am Donnerstag will Rot-Rot-Grün den diesjährigen Weltkindertag mit einem großen Fest auf dem Anger der Landeshauptstadt feiern.

Gegenüber anderen Bundesländern liegt Thüringen bei der Zahl der gesetzlichen Feiertage zurück. Sie schwankt unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten zwischen neun in Berlin und bis zu 14 in Bayern, in Thüringen sind es zehn gesetzliche Feiertage. Hinzu kommt aus Sicht der Koalition, dass die Trennlinien von Arbeit und Freizeit immer mehr verschwimme und viele Arbeitnehmer sich auch in ihrer Freizeit noch mit der Arbeit beschäftigten. „Der Feiertag ist ein Beitrag zur Steigerung der Kinder- und Familienfreundlichkeit und damit auch zur Steigerung der Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Thüringen“, argumentieren die Regierungsfraktionen. Die Opposition von CDU und AfD sieht hingegen Nachteile für die Wirtschaft durch den zusätzlichen Feiertag und spricht von einem Wahlgeschenk. Thüringen wählt am 27. Oktober 2019 einen neuen Landtag.

Seinen Ursprung hat der Kindertag in der neunten Vollversammlung der Vereinten Nationen, die am 21. September 1954 ihren Mitgliedsstaaten die Einrichtung eines weltweiten Kindertages empfohlen hatte, das konkrete Datum aber den Staaten selbst überließ. Die Bundesrepublik Deutschland wählte den 20. September, während in der DDR der 1. Juni als Kindertag gefeiert wurde. Dieses Traditionsdatum hatte zunächst auch die Linke für Thüringen favorisiert. (dpa, epd)

Jetzt neu: Wir schenken Ihnen 4 Wochen Tagesspiegel Plus!