Sozialministerin Bachelot feiert Ende der "Diskriminierung"

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Umstrittene Anrede : Frankreich sagt der "Mademoiselle" Adieu
Christine Longin

Im November schloss sich die für Frauenfragen zuständige Sozialministerin Roselyne Bachelot der Initiative der Feministinnen an und beantragte offiziell die Abschaffung der "Mademoiselle". Die Unterscheidung zwischen verheirateter und unverheirateter Frau sei eine Einmischung ins Privatleben, befand auch sie. Die per Rundschreiben von Regierungschef François Fillon an alle Behörden ergangene Anweisung, in offiziellen Schriftwechseln und Formularen auf die veraltete Anrede zu verzichten, feierte Bachelot als Ende der "Diskriminierung". Frauenrechtsvereinigungen forderten Unternehmen und Organisationen auf, dem Beispiel zu folgen.

Eine offizielle Regelung, welche die "Mademoiselle" vorschreibt, gibt es in Frankreich ohnehin nicht, wie Fillons Büro noch einmal betonte. Darauf wies schon 1972 Justizminister René Pleven hin, nachdem Deutschland im Februar 1971 das "Fräulein" offiziell abgeschafft hatte.


Auch wenn der Kampf gegen "Mademoiselle" von den Frauenrechtlerinnen erbittert geführt wird, ist 57 Prozent der Französinnen laut einer Ifop-Umfrage vom Oktober die Anrede egal. Nur 43 Prozent halten eine Abschaffung der "Mademoiselle" für wichtig oder gar vorrangig.

Deshalb gibt es auch 40 Jahre nach dem Tod von Modeschöpferin Coco Chanel, die sich bis ins hohe Alter mit "Mademoiselle" ansprechen ließ, Verfechterinnen der alten Anrede. So warb die Frauenzeitschrift "Elle" im Oktober für die Beibehaltung der "Mademoiselle". Leitartiklerin Alix Girod de l'Ain sah darin die Möglichkeit, auf ewig wie ein junges Mädchen hofiert zu werden: "Ob verheiratet oder nicht, jung oder alt, was wir fordern ist unser unveräußerbares Recht, Prinzessinnen zu sein", schrieb sie.

Zumindest bei den Behörden wird bald Schluss sein mit den "Prinzessinnen". Allerdings mit einer kleinen, dem Sparzwang geschuldeten Einschränkung seitens der Regierung: Erst müssten die Beamten noch die Formulare mit der alten Anrede aufbrauchen.
(AFP )

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