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Unwetter in Frankreich und Italien : Fünf Menschen sterben – Autobahnviadukt stürzt ein

In Südfrankreich sterben mindestens vier Menschen in Überschwemmungsgebieten, in Norditalien eine Frau. Auch in Venedig stieg das Wasser wieder.

Die Feuerwehr veröffentlichte dieses Bild von der A6 zwischen Turin und Savona.
Die Feuerwehr veröffentlichte dieses Bild von der A6 zwischen Turin und Savona.Foto: Vigili del Fuoco / AFP

Schwere Unwetter und Überschwemmungen haben am Wochenende in Südfrankreich und Norditalien für Chaos und massive Zerstörungen gesorgt. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben. Im italienischen Ligurien stürzte ein Autobahn-Viadukt nach einem Erdrutsch ein, dabei kam aber offenbar niemand zu Schaden. Auch Venedig stand wieder unter Wasser.

Spaziergänger beobachten unter einem Regenschirm den aus seinen Ufern getretenen Fluss Po.
Spaziergänger beobachten unter einem Regenschirm den aus seinen Ufern getretenen Fluss Po.Foto: Alessandro Di Marco/ANSA/AP/dpa

In Südfrankreich waren Straßen gesperrt, zwischen der Ferienmetropole Nizza und der Hafenstadt Toulon fuhren zeitweilig keine Züge mehr. Innenminister Christophe Castaner besuchte am Sonntag das Krisengebiet und sicherte Betroffenen Unterstützung zu. Er bestätigte, dass zwei Menschen starben und dass nach vier Menschen gesucht werde. Der Radionachrichtensender Franceinfo und andere Medien berichteten am Abend, in Tanneron im Hinterland von Cannes sei ein Ehepaar tot in einem Auto gefunden worden - die Bilanz erhöhe sich damit auf vier Tote.

In den französischen Départements Var und Alpes-Maritimes waren seit Freitag sintflutartige Regenfälle niedergegangen. Straßen verwandelten sich in Flüsse, Hunderte Bewohner mussten ihre Häuser verlassen. Die Ortschaft Roquebrune-sur-Argens war nur noch per Boot oder Hubschrauber zu erreichen. Erst am Sonntag entspannte sich die Lage wieder leicht.

Die Leiche eines etwa 50 Jahre alten Mannes wurde in einem Auto in dem Ort Cabasse im südfranzösischen Département Var gefunden. Das berichtete die örtliche Präfektur. Eine andere Leiche wurde in dem Ort Le Muy nordwestlich der Riviera-Stadt Fréjus entdeckt. In dem Ort war zuvor ein Mann nach dem Kentern eines Rettungsboots als vermisst gemeldet worden.

Am Sonntag wurde die Alarmstufe aufgehoben, doch noch immer waren hunderte Feuerwehrleute vor Ort. Rund 4500 Haushalte waren zudem weiter ohne Strom. Besonders betroffen waren die Menschen in Fréjus und Saint-Tropez. Innenminister Christophe Castaner reiste in die betroffenen Gebiet.

Grafik: dpa
Der Zivilschutz in Frankreich veröffentlichte diese Bilder von einer Rettungsaktion in einer überfluteten Gegend in Südost-Frankreich.
Der Zivilschutz in Frankreich veröffentlichte diese Bilder von einer Rettungsaktion in einer überfluteten Gegend in...Foto: AFP / FRENCH CIVIL DEFENCE

Auch der Nordwesten Italiens wird seit Tagen von heftigen Regenfällen heimgesucht. Dort ist am Sonntag ein Autobahnviadukt eingestürzt. Es handele sich um ein etwa 30 Meter langes Stück der A6 Turin-Savona etwa 1,5 Kilometer von der Stadt Savona entfernt, meldete die Region Ligurien auf Twitter.

Ursache könnte nach ersten Erkenntnissen ein Erdrutsch sein. Nach ersten Erkenntnissen der Behörden wurde hier aber wie durch ein Wunder niemand verletzt. Die Autobahn war zwischen Savona und Altare in Richtung Turin unterbrochen, aus Sicherheitsgründen wurde laut Ansa auch die Gegenrichtung gesperrt.

Im benachbarten Piemont wurde die Leiche einer 52-jährigen Frau aus ihrem Auto geborgen, das von dem Hochwasser eines Bachs fortgerissen worden war. Medienberichten zufolge konnten sich zwei Insassen gerade noch retten. Im weiter nördlich gelegenen Aosta-Tal mussten unterdessen 500 Menschen in Sicherheit gebracht werden, nachdem mehrere Straßen wegen Lawinengefahr gesperrt worden waren.

In Teilen Liguriens und Piemonts galt am Sonntag die höchste Alarmstufe Rot. Viele Bewohner sind nach Erdrutschen von der Außenwelt abgeschnitten. Keller, Unterführungen und Geschäftsräume wurden überschwemmt. In Ligurien waren nach Angaben der Regionalregierung 374 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten. 122 weitere seien in Sicherheit gebracht worden.

Le Luc, Südost-Frankreich: Der französische Zivilschutz veröffentlichte diese Bild einer überschwemmten Region.
Le Luc, Südost-Frankreich: Der französische Zivilschutz veröffentlichte diese Bild einer überschwemmten Region.Foto: AFP/ FRENCH CIVIL DEFENCE

Außer für Teile Liguriens und Piemonts galt die höchste Alarmstufe Rot am Sonntag auch für die südliche Region Kalabrien an der Fußspitze des italienischen Stiefels.

In Turin, der Hauptstadt Piemonts, wurde der Marathon abgesagt. Der Wasserstand des Po erreichte bedenkliche Höhen. In Sezzadio südlich von Alessandria stürzte ein Auto in den Fluss Bormida. Eine zunächst vermisst gemeldete Frau wurde tot aufgefunden, wie die Feuerwehr mitteilte. Im Aostatal schnitten Lawinen rund 1000 Bewohner ab, wie Ansa meldete.

Wieder starkes Hochwasser in Venedig

In Genua hatte es bereits am Samstag vor allem im Polcevera-Tal schwere Überschwemmungen gegeben. Dies ist der Teil der Stadt, in dem 2018 beim Einsturz einer Autobahnbrücke 43 Menschen ums Leben kamen. Die Autobahn A10 von Genua nach Ventimiglia an der französischen Grenze wurde am Sonntag an zwei Stellen von Erdrutschen unterbrochen, wie die Region auf Twitter mitteilte.

Auch in Venedig stieg das Wasser am Sonntag wieder und erreichte am Vormittag 130 Zentimeter über dem normalen Meeresspiegel.

Südlich von Turin in Italien fließt der Po außerhalb seines Bettes.
Südlich von Turin in Italien fließt der Po außerhalb seines Bettes.Foto: Marco Bertorello / AFP

Am 12. November hatte ein Hochwasser von 187 Zentimetern schwere Schäden in der Lagunenstadt angerichtet. Für den Abend wurde ein Hochwasserstand von 120 Zentimetern erwartet.

Während das Wasser wieder zurückging, beteiligten sich tausende Menschen am Sonntagnachmittag an einer Demonstration örtlicher Umweltaktivisten. Unter dem Motto „Rettet Venedig vor den Kreuzfahrtschiffen, dem Klimawandel und seinem Bürgermeister“ forderten sie besseren Hochwasserschutz für ihre Stadt sowie ein Fahrverbot für Kreuzfahrtschiffe.“ (dpa/AFP)

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