Privatsphäre gibt es im US-Wahlkampf nicht

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Urlaubsfotos veröffentlicht : US-Präsidentschaftskandidat Mitt Romney setzt auf volles Risiko
Familienidylle am Privatstrand. Mitt Romney mit Frau Ann und vielen Enkelkindern am Lake Winipesaukee.
Familienidylle am Privatstrand. Mitt Romney mit Frau Ann und vielen Enkelkindern am Lake Winipesaukee.Foto: dapd

Vor der Wahl 2008 hatte Barack Obama den Nationalfeiertag ebenfalls genutzt, um sich und seine Familie der Nation vorzustellen: Der Kandidat, Ehefrau Michelle sowie die Töchter Malia und Sasha marschierten schon 2007 leutselig winkend in den Paraden mit und gaben Fernsehinterviews zum Familienleben, die ihnen vorübergehend den Ruf eintrugen, sie missbrauchten ihre Kinder für Wahlpropaganda. Mitt und seine Frau Ann sind eine Generation älter. Sie haben fünf Söhne, die allesamt verheiratet sind, und 18 Enkelkinder. Das Sommerhaus ist kürzlich noch einmal umgebaut worden, damit alle 30 Romneys Platz haben. Die gemeinsamen Ferien in der ersten Juliwoche auf dem Ufergrundstück am Lake Winipesaukee sind angeblich heilig. Absagen werden nicht akzeptiert. Als der älteste Sohn Tagg vor einigen Jahren für die Baseball-Mannschaft Los Angeles Dodgers arbeitete und um Verständnis bat, dass er mitten in der Saison wohl kaum eine Woche pausieren könne, habe Vater Mitt angeordnet: „Du wirst es möglich machen!“

Die Veröffentlichung der Familienfotos enthält ein gewisses Risiko. Sie zeigen Mitt Romney einerseits als Oberhaupt einer Bilderbuchfamilie. Auf dem gemeinsamen Foto, das dann auch als Weihnachtskarte verschickt wird, tragen die Enkel alle blau karierte Hemden, die Enkellinen Polkakleidchen mit orangen und gelben Punkten. Der Kandidat ist der liebevolle Großvater, der den Jüngsten aus Kinderbüchern vorliest, der die Älteren auf dem privaten Speedboat über den See fährt oder der alle zusammen zum Eisverkäufer im Zentrum der 6000-Seelen-Gemeinde Wolfeboro einlädt. „Bailey’s Bubble“ heißt der Laden.

Andererseits teilt sich unter der Hand auch mit, dass dieser Mitt Romney einer ganz anderen Gesellschaftsklasse angehört als der durchschnittliche Wähler. Der Wert des als „Sommerhaus“ bezeichneten Anwesens wird auf acht Millionen Dollar geschätzt. Dazu gehören Pferdeställe und ein Tennisplatz. Der Ort erinnert zudem daran, dass Romney einer religiösen Minderheit angehört. Viele Mormonen haben sich in der Umgebung Sommerhäuser gekauft. Daneben erinnern die Bilder an andere superreiche Präsidentenfamilien und ihre Anwesen in den Neuenglandstaaten: die Kennedys auf Marthas Vineyard, die Bushs in Kennebunkport. Es liegt im Auge des Betrachters, ob die Sommerolympiade der Romneys ihn wählbarer erscheinen lässt oder nicht.

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