Urteil in Norwegen : Moschee-Angreifer zu 21 Jahre Haft verurteilt

Der Mann tötete außerdem seine Stiefschwester aus rassistischen Motiven. Nun wird der 22-Jährige zu einer höheren Strafe als seinerzeit der Rechtsterrorist Breivik verurteilt.

Philip Manshaus (R) mit seiner Verteidigerin bei der Ankunft zur Urteilsverkündung. 
Philip Manshaus (R) mit seiner Verteidigerin bei der Ankunft zur Urteilsverkündung. Håkon Mosvold Larsen / NTB Scanpix / AFP

Zehn Monate nach dem Angriff auf eine Moschee in Norwegen und dem Mord an seiner Stiefschwester ist der 22-jährige Philip Manshaus zur in Norwegen höchstmöglichen Gefängnisstrafe verurteilt worden - 21 Jahren Haft. 

Bezirksrichterin Annika Lindström verkündet das Urteil gegen Manshaus.
Bezirksrichterin Annika Lindström verkündet das Urteil gegen Manshaus.Foto: Håkon Mosvold Larsen/NTB Scanpix-POOL/AP/dpa

Wie Richterin Annika Lindström verkündete, beträgt die Mindestverwahrungsdauer für den Mann 14 Jahre. Er muss zudem Entschädigung an die Betroffenen zahlen und die Gerichtskosten tragen.

Damit erhielt der 22-Jährige eine höhere Strafe als der Rechtsterrorist Anders Behring Breivik, der am 22. Juli 2011 bei Anschlägen in Oslo und auf der Insel Utøya 77 Menschen getötet hatte. Breivik war zu 21 Jahren Verwahrung mit einer Mindestdauer von zehn Jahren verurteilt worden.

Zum Zeitpunkt des Urteilsspruchs war dies die Höchststrafe, zu der Breivik gemäß der norwegischen Gesetzeslage hatte verurteilt werden können. Später ermöglichte eine Gesetzesänderung, eine Mindestdauer von bis zu zwei Dritteln der Verwahrungsstrafe festzusetzen. Schrittweise Verlängerungen der Verwahrung um je bis zu fünf Jahre sind möglich.

Das zuständige Bezirksgericht im norwegischen Sandvika bei Oslo sprach den 22 Jahre alten Angeklagten am Donnerstag wegen Terrorismus und Mordes schuldig. Damit folgte es dem Antrag der Staatsanwaltschaft. 

Verteidigerin hatte auf Freispruch plädiert

Die Verteidigerin des jungen Mannes hatte dagegen auf Freispruch plädiert, weil ihrer Ansicht nach Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit ihres Mandanten bestehen.

Der Norweger hatte am 10. August 2019, am Vorabend des islamischen Opferfestes, eine Moschee in Bærum rund 20 Kilometer westlich von Oslo angegriffen. 

Gemeindemitglieder stoppten den Täter

Er war mit mehreren Schusswaffen bewaffnet. Gemeindemitglieder konnten ihn überwältigen. Er wurde festgenommen, ohne dass jemand in dem Gotteshaus schwerer verletzt worden war.

In der Wohnung des Angreifers fand die Polizei später die Leiche seiner 17 Jahre alten Stiefschwester. Er hatte sie mit vier Schüssen aus einem Jagdgewehr getötet - aus rassisistschen Gründen, wie das Gericht feststellte. Die Stiefschwester des Täters war im Alter von Jahren aus China adoptiert worden.

Attentäter von Christchurch als Vorbild

Der Angeklagte hatte den rechtsextremen Attentäter von Christchurch als Vorbild genannt. Der jetzt verurteilte Norweger habe so viele Gläubige wie möglich in der Moschee erschießen wollen. 

Wie der Attentäter in Neuseeland wollte er seine Tat live im Internet streamen, doch dann wurde er an der Ausführung von den Angegriffenen gehindert.

Der Angeklagte hat die Taten eingeräumt, eine Schuld im strafrechtlichen Sinne aber von sich gewiesen. Vor Gericht äußerte er mehrmals rechtsradikale und islamhassende Ansichten. (dpa/tsp)
 

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