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Widerstand gegen Waldrodung : Aktivistin stürzt im Hambacher Forst aus sechs Metern Höhe

Im Hambacher Forst ist es erneut zu einem Unfall gekommen. Eine Aktivistin stürzte von einer Leiter in die Tiefe. Sie wird im Krankenhaus behandelt.

Im Hambacher Forst seilen sich zwei Aktivisten aus einem Baumhaus ab.
Im Hambacher Forst seilen sich zwei Aktivisten aus einem Baumhaus ab.Foto: David Young/dpa

Im Braunkohlegebiet Hambacher Forst bei Köln ist eine Umweltaktivistin von einer Leiter gestürzt und verletzt worden. Die Frau war von einem Baumhaus auf die Leiter getreten, um Kranarbeiten im Zusammenhang mit den Räumungen in dem Wald zu beobachten, wie ein dpa-Reporter berichtete. Dabei stürzte sie aus etwa sechs Metern Höhe ab. Notärzte kümmerten sich direkt um die Frau. Die Feuerwehr Kerpen erklärte, eine Person sei im Baumhausdorf „Miketown“ aus ungewisser Höhe gefallen und verletzt ins Krankenhaus gebracht worden.

Aktivisten protestieren im Hambacher Forst dagegen, dass der Energiekonzern RWE weite Teile des Waldes roden und die Braunkohleförderung fortsetzen will. Am Donnerstagmorgen haben Greenpeace-Aktivisten kurzzeitig Zelte in der Düsseldorfer Staatskanzlei aufgeschlagen. Sie forderten eine politische Lösung im Konflikt um die Räumung und geplante Rodung im Braunkohlegebiet Hambacher Forst. 30 bis 40 Aktivsten drangen nach Angaben eines Greenpeace-Sprechers durch die Vordertür ins Foyer ein und schlugen dort drei Zelte auf.

Greenpeace-Aktivisten haben an einem Vordach der Staatskanzlei ein Banner aufgehängt.
Greenpeace-Aktivisten haben an einem Vordach der Staatskanzlei ein Banner aufgehängt.Foto: Martin Oversohl/dpa

Die Umweltschützer forderten ein Gespräch mit Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU). Zwei von ihnen kletterten auf das wenige Meter hohe Vordach der Staatskanzlei und brachten dort ein Banner mit der Forderung an: „Herr Laschet: Reden statt roden“. Die Aktivisten verließen das Foyer nach einem Gespräch mit Staatskanzlei-Chef Nathanael Liminski.

RWE-Chef: "Der Wald ist schlichtweg nicht mehr zu retten"

Die Polizei sprach von einer illegalen Aktion. Nach Absprache mit der Staatskanzlei seien aber keine Personalien aufgenommen worden.

RWE-Chef Rolf Martin Schmitz hält derweil an der geplanten Rodung des Braunkohlegebietes Hambacher Forst fest. "Der Wald ist schlichtweg nicht mehr zu retten. Alles andere ist eine Illusion", sagte Schmitz dem "Handelsblatt" laut Vorabbericht am Donnerstag. Selbst wenn RWE den Tagebau in Hambach stoppen würde, müsste der Wald gerodet werden. "Wir brauchen diese Erdmassen, um die Böschungen dauerhaft zu stabilisieren. Die sind so steil, dass sie abgeflacht werden müssen."

Schmitz kritisierte dem Bericht zufolge zudem die Gegner des Braunkohletagebaus im Hambacher Forst scharf. "Wer illegal den Wald besetzt und unsere Mitarbeiter mit Fäkalien bewirft, ist für mich kein Aktivist. Das ist ein Straftäter." Er kritisierte auch die Umweltverbände. "Leider konnte ich die Verbände nicht einmal zu einem gemeinsamen Aufruf gegen die Gewalt im Hambacher Forst bewegen. Das hat mich schon persönlich enttäuscht."

Greenpeace, Deutscher Naturschutz Ring (DNR) und Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hatten von Schmitz gefordert, die Rodungen auszusetzen, bis die derzeit in Berlin tagende Kohlekommission ihre Arbeit abgeschlossen hat. Sie soll einen verbindlichen Zeitplan für das Ende der Kohleverstromung festlegen. Der Konzern will 100 Hektar roden, um den Weg für seine Braunkohlebagger frei zu machen. Die Polizei räumt dafür Baumhäuser, mit denen Umweltschützer seit Jahren den Wald besetzt halten.

Ihm sei bewusst, dass RWE mit der Rodung einen Imageverlust riskiert, sagte Schmitz. Er könne aber nicht fast 5000 Arbeitsplätze aufs Spiel setzen. "Das kann und will ich als Konzernchef nicht verantworten, um mein Image zu verbessern. Das geht nicht." RWE habe eine klare Rechtsposition und ein sofortiges Aus des Tagebaus würde "vier bis fünf Milliarden Euro" kosten. Schmitz betonte, der Konzern sei bereit für einen geregelten Ausstieg aus der Kohleverstromung. Es werde aber ein öffentlich-rechtlicher Vertrag benötigt. "Daran sind wir ja selbst interessiert und gesprächsbereit – und ich hoffe, dass die Kommission schnell ein Ergebnis findet."

Bei den Protesten im Hambacher Forst war in der vergangenen Woche ein 27-jähriger Journalist von einer mindestens 15 Meter hohen Hängebrücke gestürzt und gestorben. Die Landesregierung hatte daraufhin die Räumung der Baumhäuser vorübergehend gestoppt. (dpa, Reuters)

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