Zahl der Scheidungen leicht gestiegen : Im Schnitt endeten die Beziehungen nach 15 Jahren

Im vergangenen wurden rund 149.000 Ehen durch einen richterlichen Beschluss geschieden. Die Corona-Auswirkungen sind da noch nicht mit einberechnet.

Während des Lockdowns könnten viele Beziehungen zu Bruch gegangen sein.
Während des Lockdowns könnten viele Beziehungen zu Bruch gegangen sein.Foto: imago images/allOver-MEV

Erstmals seit Jahren haben sich wieder mehr Bundesbürger scheiden lassen. Im vergangenen Jahr endeten rund 149.000 Ehen durch einen richterlichen Beschluss, knapp 1000 mehr als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Das leichte Plus von 0,6 Prozent sei die erste Zunahme seit dem Jahr 2012.

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Die vergangenes Jahr geschiedenen Paare waren zuvor im Schnitt 14 Jahre und 10 Monate verheiratet. In etwa der Hälfte der Fälle lebten noch nicht erwachsene Kinder im Haushalt, insgesamt waren den Angaben zufolge etwa 122.000 Minderjährige von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.

Erstmals erfasst wurden in der Statistik Scheidungen gleichgeschlechtlicher Ehepaare, hier wurden 100 registriert. Die Statistik bezieht sich auf das Jahr 2019, mögliche Auswirkungen der Corona-Zeit sind also noch nicht berücksichtigt. Dabei könnte die Pandemie für Partnerschaften der ultimative Stresstest gewesen sein und eine Scheidungswelle auslösen. Erst in einem Jahr, nämlich nach dem Trennungsjahr, dürfte klar sein, ob das stimmt. Einer Umfrage zufolge könnte die Zahl aber spürbar steigen.

Seit Mitte März registrierte die Berliner Familienrechtlerin Alicia von Rosenberg jedenfalls „unheimlich viele Anfragen“ zu Scheidungen. Und während früher die Voraussetzungen erfüllt und das obligatorische Trennungsjahr absolviert waren, ist diesmal alles anders: „Die Leute hatten sich gerade erst getrennt und sich nicht informiert, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.“

Einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey zufolge wird sich die Zahl der Scheidungen in Deutschland wegen der Corona-Beschränkungen voraussichtlich um ein Fünffaches erhöhen. Demnach sagten 2,2 Prozent der rund 2500 Befragten, zwischen Ende März und Ende Mai beschlossen zu haben, sich scheiden zu lassen. In einem Zwei-Monats-Zeitraum 2018 seien es nur 0,42 Prozent aller Verheirateten gewesen. (dpa,AFP)

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