"Rücktritt Benedikt XVI. macht das Papst-Amt menschlicher"

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Zur Papstwahl von Franziskus : „Wir müssen den Papst jetzt erst einmal kennenlernen“

Wie realistisch halten Sie die Anerkennung von Homosexualität durch katholische Kirche?

Anerkannt ist die Homosexualität ja, aber die Frage ist, wie man damit umgeht und da würde ich mir eben wünschen, dass, wenn ein Mensch einen Menschen des gleichen Geschlechts liebt, diese Liebe auch respektiert wird. Da wünsche ich mir, dass dieser Respekt in einer den Menschen zugewandten Kirche rüberkommt.

Wie sehen Sie die Rolle Bergoglios in der Debatte um die Homo-Ehe in Argentinien?

Es ist keine Überraschung, dass ein Papst gewählt wurde, der auch für traditionelle kirchliche Positionen steht. Ich glaube nicht, dass er diese Haltung grundsätzlich ändert, auch wenn ich persönlich mir das wünschen würde. Aber vielleicht überrascht er uns ja.

Wie stehen Sie zu seiner Haltung in der Zeit der Militärdiktatur?

Ich kann mir da schwer ein Bild machen. Jedenfalls war er offenbar kein Kollaborateur. Ja, er hat nicht richtig gehandelt, hätte mehr tun können. Er den Fehler eingestanden, den Dialog gesucht und sich mit einem der beiden Pater aussöhnen können. Auch wenn wir das von hier aus kritisch sehen, in die Umstände kann man sich nur schwer reinversetzen.

Wie wichtig ist der neue Papst für Ihre Arbeit in den Jugend-Verbänden?

Wir haben im Verband festgestellt, dass für die Jugendlichen in den Gemeinden der Papst gar keine so große Rolle spielt. Hier es ist wichtiger, dass sie vor Ort ein starkes Vorbild haben, jemand, der sie bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung oder der Sinnsuche begleitet. Kirche muss vor Ort geschehen – hier kann der Papst nur Impulse geben.

Wie sehen Sie die Chance, dass Franziskus neue Impulse gibt?

Es ist schwierig für eine einzelne Person wie den Papst, die Gläubigen, die auf so vielen Kontinenten leben, unter einen Hut zu kriegen. In den einzelnen Regionen gibt es verschiedene Themen und Bedürfnisse, die wichtig sind. Auch in Bezug auf die über 600 000 organisierten Jugendlichen in unseren Verbänden ist das schwierig zu beantworten. Hier werden die Vorgaben der Amtskirche – gerade auch in Bezug auf Verhütung – als eine Handlungsmöglichkeit gesehen, doch jeder Einzelne muss dann für sich selbst und frei entscheiden. Kirche muss hier Orientierung bieten und darf nicht mit starren Normen agieren.

Argentinier Jorge Mario Bergoglio ist neuer Papst
Es ist das Symbol des Tages: Weißer Rauch steigt um kurz nach 19 Uhr auf - das Zeichen dafür, dass ein neuer Papst gewählt wurde.Weitere Bilder anzeigen
1 von 17Foto: dpa
13.03.2013 22:19Es ist das Symbol des Tages: Weißer Rauch steigt um kurz nach 19 Uhr auf - das Zeichen dafür, dass ein neuer Papst gewählt wurde.

Hatten Sie Verständnis für den Rücktritt von Papst Benedikt XVI.?

Ich finde diesen Schritt sehr bemerkenswert und gut. Man hat gemerkt, dass er die Entscheidung gut abgewägt hat und das Zwiegespräch mit Gott gesucht hat. Die Einsicht, dass seine Kräfte für das Amt nicht mehr ausreichen, finde ich sehr wertvoll. Es macht das Papst-Amt menschlicher. Ich denke, diese Botschaft wird bleiben.

Wünschen Sie sich, dass Franziskus den Pontifex-Twitter-Account weiterführt?

Ich fände es gut, glaube aber nicht, dass dies das allerwichtigste ist. Wenn er die neuen Medien weiterhin nutzt, würde ich mir wünschen, dass sie einem Gespräch mit den Gläubigen dienen und er so ihre Interessen wahrnimmt. Es wäre schön, wenn hier ein Dialog und nicht eine einseitige Kommunikation stattfindet – auch wenn es unrealistisch ist, dass der Papst mit allen Katholiken kommunizieren kann.

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