24 Dollar für eine halbe Stunde - ein Schnäppchen!

Seite 2 von 3
Parkplatzsuche in Big Apple : Warum man in New York jeder Parklücke misstrauen muss
Parkhäuser müssen ihre Preise am Eingang kundtun. Die Faustregel: Je kürzer, desto teurer. Auf die Gebühren kommen noch Steuern.
Parkhäuser müssen ihre Preise am Eingang kundtun. Die Faustregel: Je kürzer, desto teurer. Auf die Gebühren kommen noch Steuern.Foto: Susanne Kippenberger

Wer in Manhattan eine Parklücke findet, sollte ihr erst mal misstrauen. Oft hat es nämlich einen Grund, warum die Stelle frei ist. Etwa weil dort ein feuerroter Hydrant steht. Und der soll 4,5 Meter Freiraum um sich herum haben. Oder weil dort nur Lehrer, Polizisten und andere Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes mit einer speziellen Erlaubnis ihren Wagen abstellen dürfen (davon gibt es 114 000 Stück). An Straßenlaternen hängen oft mehrere Schilder übereinander, die genau spezifizieren, wer hier wann parken darf oder gerade nicht, bis keiner mehr durchblickt, und wer sich doch hinstellt, garantiert abgeschleppt wird. Noch schlimmer: Wenn dort gar kein Schild hängt, nur die Bordsteinkarte blau angestrichen ist, was bedeutet, dass das Parken montags bis freitags von sieben Uhr früh bis 19 Uhr streng verboten ist. Außer es gilt eine Ausnahme.

Wer keine Lust hat auf dieses ganze zeit- und nervenraubende Ballett, fährt gleich ins Parkhaus, die Tiefgarage oder auf eine jener schäbigen Brachflächen, die als Auto-Abstellplatz zwischengenutzt werden. Dort gilt eine simple Faustregel: Je kürzer, desto teurer. Die ersten Minuten werden in Gold aufgewogen, 24 Dollar für eine halbe Stunde als Sonderangebote angepriesen. „Bis zu einer halben Stunde“ steht da manchmal, als sei das ganz besonders viel Zeit für den Preis. Tagessätze von 50 Dollar, Monatsmieten von 300 bis 1000 Dollar erscheinen da geradezu als Schnäppchen. Allerdings kommt man bei den günstigeren Häusern auch nicht rund um die Uhr an sein Auto ran und muss eine Viertel- bis ganze Stunde vorher anrufen, dass man seinen Wagen haben will.

An Straßenlaternen hängen oft mehrere Schilder übereinander. Da blickt keiner mehr durch.
An Straßenlaternen hängen oft mehrere Schilder übereinander. Da blickt keiner mehr durch.Foto: Alamy Stock Photo

Für SUVs und andere Übergrößen zahlt man einen Aufschlag, und für alle gilt: Auf den Preis kommen noch mal 18,37 Prozent Steuern drauf. Plus Trinkgeld. Meist muss der Fahrer nämlich seinen Schlüssel abgeben, Parkwächter können die Wagen effizienter zusammenquetschen. Wenn diese in Freiluftregalen gestapelt werden, darf eh kein Laie ran. Parkwächter verdienen einen Hungerlohn, sie sind auf Trinkgelder angewiesen.

Die Zahl der Parkhäuser und -plätze geht seit Jahren deutlich zurück

Das ganze Theater ist umso absurder, da die New Yorker ja wie erwähnt besonders wenige Wagen haben, verglichen mit dem Rest des autobesessenen Landes. Sie fahren Taxi, Uber, Bus und U-Bahn. Und zwar so viel wie noch nie. Trotzdem bleiben noch 1,4 Millionen PKWs in der Stadt, verteilt auf die fünf Bezirke. Nicht mitgerechnet die Pendler, Touristen und vor allem Lieferanten. Manhattan ist eine Insel, von der Zahnbürste bis zum Hochhausgerüst muss alles angeliefert werden. Die Laster quetschen sich durch Tunnel und über Brücken, halten in der zweiten Reihe. In der Mitte Manhattans sind sie sowieso die Einzigen, die wochentags zum Be- und Entladen auf der Straße halten dürfen.

Und die Zahl der Parkhäuser und -plätze geht seit Jahren deutlich zurück. Die Entwicklung begann in den 1980er Jahren, mit der Verabschiedung des landesweiten „Clean Air Acts“. Die 80er waren für New York eine dramatische Zeit, die Stadt war dreckig, gefährlich, pleite. Freiwillig zog da niemand hin. Damals erfand der Designer Milton Glaser die legendäre Kampagne I love New York, ein Geschenk an seine Heimatstadt. Heute nur noch ein Souvenir, war es damals ein echtes Statement. Zur selben Zeit dachten sich die städtischen Verkehrsplaner ein paar pfiffige Sprüche aus, die helfen sollten, ans Ziel zu kommen: die Reduzierung des Individualverkehrs, die Abschreckung von Pendlern und Besuchern, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen sollten. „Don’t Even Think of Parking Here“ wurden sie gewarnt, oder: „No Parking. No Standing. No Stopping. No Kidding!“

30 Jahre später boomt New York, die Immobilienpreise sind explodiert, viele Bewohner längst rausgedrängt. Den Zwischennutzern der Brachflächen wird gekündigt, Parkhäuser werden abgerissen; zwischen 1996 und 2006 sind 237 verschwunden, das sind 18 Prozent. Raum ist zu kostbar, um ihn an Autos zu verschenken. Jetzt werden dort Büros und Wohnungen gebaut, meist Luxusdomizile. Deren Eigentümer garantiert nicht U-Bahn fahren, sondern besonders große Karossen. In Soho, wo früher niemand außer Künstlern wohnen wollte, kam jetzt ein Garagenplatz für eine Million Dollar auf den Markt.

18 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben