Erst die Parkuhr füttern, dann selber essen

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Parkplatzsuche in Big Apple : Warum man in New York jeder Parklücke misstrauen muss
Stapelware. Um Platz zu sparen, werden die Autos oft in offenen Regalen untergebracht. Viele Parkhäuser werden jetzt abgerissen und bebaut.
Stapelware. Um Platz zu sparen, werden die Autos oft in offenen Regalen untergebracht. Viele Parkhäuser werden jetzt abgerissen...Foto: Emmanuel Dunand/AFP

Mussten Immobilienentwickler früher für Wohneinheiten soundsoviele Stellplätze vorweisen, ist es heute umgekehrt: Wer mehr als ein Minimum anbieten will, muss sich von der Stadt eine Sondergenehmigung holen, die meist abgelehnt wird. Michael Bloomberg hat die umweltfreundliche Politik in seiner zwölfjährigen Amtszeit ab 2002 massiv vorangetrieben. Der Bürgermeister richtete Fußgängerzonen ein (am Times Square!), schenkte überhaupt dem Zweibeiner erstmals ernsthafte Aufmerksamkeit, erweierte Busspuren, legte Radwege an. Wieder ein paar Parkplätze weniger. Heute flitzen die Radler oft an den Automobilisten vorbei, deren Durchschnittsgeschwindigkeit in Manhattan 17 Stundenkilometer beträgt.

Für Bloombergs Nachfolger Bill de Blasio scheinen da nur noch Revolutiönchen übrig zu bleiben. Gerade hat der amtierende Bürgermeister stolz die Einführung einer App verkündet, mit deren Hilfe man Parkgebühren a) bargeldlos, und b), noch wichtiger, aus der Ferne bezahlen kann. Fortan müssen zumindest Smartphone-Besitzer nicht mehr wie angestochen mitten im Geschäftsessen oder romantischen Dinner aufspringen und nach draußen rennen: „to feed the meter“.

Die Parkuhr zu füttern, die oft nur ein, zwei Stunden auf einmal schluckt, ist eine Pflicht, für die jeder Verständnis hat. Denn nicht nur die Parkgebühren sind hier besonders hoch, sondern auch die Strafgebühren. Bloß dauerte das Nachwerfen meist ziemlich lange, man hatte ja mit Sicherheit keinen Platz vor der Restauranttür gefunden. So wurde das Steak kalt. (Wobei: Dass es überhaupt noch Parkuhren gibt, erfüllt den Berliner fast mit Nostalgie.)

Wozu um Himmels willen hat man als New Yorker überhaupt einen Wagen?

Revolutiönchen Nummer zwei: In einem zweijährigen Pilotprojekt, so de Blasio, werden 600 Parkplätze für Car Sharing reserviert. Das sich in New York, im Vergleich zu Berlin, erstaunlich langsam etabliert.

Ob weniger Parkplätze automatisch weniger Verkehr bedeutet, darüber gehen die Meinungen auseinander. Denn auf der Suche nach einer Abstellmöglichkeit kurven die Leute noch länger durch die Straßen, verstopfen diese und verpesten die Luft. Die Gegenseite argumentiert, dass die Fahrer eben diese Suche und die teuren Strafzettel bald satt haben und sich von ihrem Vierrad trennen. So wie der Krimiautor Jeffery Deaver , der nach seiner Ankunft im Big Apple, noch nicht vertraut mit den komplizierten Spielregeln, vier Knöllchen an einem einzigen Tag bekam. Eine Woche später habe er sein Auto abgeschafft.

Bleibt die wichtigste Frage: Wozu um Himmels willen hat man als New Yorker überhaupt einen Wagen? Um das Kind zum Zoo zu kutschieren, das eigene Restaurant zu beliefern, Kunst zu transportieren, zur Therapeutin in den Vorort zu kommen, am Wochenende rauszufahren, so einige Antworten. Manche haben einfach Spaß an dem Spiel.

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