Die Apps hinterlassen Spuren

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Partnersuche auf Tinder und Co. : Wisch you were here
Jan Kramaryic
Illustration: Jan Robert Dünnweller

PAULA –OkCupid
OkCupid ist eine App, die dem Nutzer Fragen vorgibt, die man beantworten muss. Hunderte persönliche Fragen zu politischen Ansichten, sexuellen Interessen, Ethik, so was. Ein bisschen wie die Sendung „Herzblatt“, bei der die Partner zusammenkommen, deren Antworten am besten zusammenpassen. Das Programm errechnet eine Prozentzahl, an der man sich orientieren kann, je näher an 100 Prozent, desto besser.

Paula und ich hatten 96 Prozent.

Es war die Walpurgisnacht, und wir trafen uns früh im Berliner Monbijoupark. Sie kam zehn Minuten zu spät, da war ich gleich ein bisschen sauer. Sie trug einen grauen Sommermantel und saß dann derart aufrecht in ihrem Liegestuhl, dass es so aussah, als würde sie direkt wieder gehen wollen.

Wir sehen uns jeden Tag

Aber sie blieb. Und sie lotste mich durch die Stadt. In ein Restaurant, wo der Kellner uns draußen rauchen ließ und uns an einen Zweiertisch mit Kerze und serviertem Essen rief. Wir saßen dort bis nach Mitternacht, gingen weiter in eine Bar, wo sie die Rolling Stones spielten und alle tanzten und wir wild knutschten. Und uns dann in der Bahn verabschiedeten. Und uns dann jeden Tag wiedersahen. Bis heute. Ich wünsche mir, dass es so bleibt.

Wir haben oft über die Dating-Apps geredet. Wir reden immer noch darüber. Anfangs aus Misstrauen. Die Apps hinterlassen Spuren. Menschen, die einem schreiben, alle paar Wochen, nachts, kommst du noch vorbei? Es ist schwer, etwas Unverbindliches in etwas Verbindliches zu verwandeln. Aber es geht.

An einem warmen Abend saßen wir auf meinem Balkon und tranken Negroni. Sie fragte, ob wir das jetzt sein lassen mit den Dating-Apps. Ich sagte Ja.

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