Als Migrant bei der Aids-Hilfe : "Arabischsprachige auf Augenhöhe zu HIV beraten"

Ahmed Awadalla berät bei der Berliner Aids-Hilfe Geflüchtete. Ein Gespräch über Testsprechstunden, Sexualpädagogik - und Rassismus in der queeren Community.

Eva Tepest
Ahmed Awadalla arbeitet bei der Berliner Aids-Hilfe in der Beratung und Präventionsarbeit für Migrant*innen.
Ahmed Awadalla arbeitet bei der Berliner Aids-Hilfe in der Beratung und Präventionsarbeit für Migrant*innen.Foto: privat

Ahmed Awadalla arbeitet bei der Berliner Aids-Hilfe in der Beratung und Präventionsarbeit für Migrant*innen und in der sexualpädagogischen Aufklärungsarbeit mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Wie sieht Ihre Arbeit bei der Berliner Aids-Hilfe aus?

Ich berate in der Testsprechstunde und begleite eine Reihe von Menschen, die von HIV betroffen sind, in ihrem Alltag. Viele meiner arabischsprachigen Klienten sind zunächst überrascht, wenn sie merken, dass jemand wie ich – ich bin selber 2014 aus Ägypten nach Deutschland gekommen – ihr Berater ist. Doch am Ende fühlen sie sich aufgehoben. Mit mir haben sie das Gefühl, frei sprechen zu können und auf Augenhöhe zu sein. Viele Situationen, die Männer aus der arabischen Community erlebt haben, kenne ich selber. Und es gibt ein anderes Vertrauen, etwa über Rassismuserfahrungen – auch innerhalb der queeren Community – zu sprechen. Ich bin überzeugt davon, dass ein Großteil der Integrationsarbeit von Migrant*innen gemacht werden sollte. Dafür müssen Geflüchtete empowered werden.

Welche spezifischen Bedürfnisse haben geflüchtete Klienten?

Viele Geflüchtete sind traumatisiert durch ihre Erfahrungen im Heimatland oder auf der Flucht. Später sind sie dann dem Stress beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) ausgesetzt; es ist in den letzten Jahren viel schwieriger geworden, aufgrund von Homosexualität Asyl zu erhalten. Ich kenne einige, die sich nach ihrer Ankunft in Deutschland mit HIV infiziert haben, auch weil sie in dieser psychisch stark belastenden Situation zu Alkohol oder Drogen gegriffen haben. Wenn es sich um eine geflüchtete schwule oder trans Person handelt, die HIV-positiv ist, liegt eine komplexe Mehrfachzugehörigkeit vor. Ich betrachte die Geflüchteten aber nicht nur als vulnerabel. Seit Dezember arbeite ich auch beim Checkpoint am Hermannplatz, dem neuen Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP)-Pilotprojekt zur Vergabe von Medikamenten an HIV-Negative als Schutz vor HIV. Die Geflüchteten, die sich dort beraten lassen sind informiert und übernehmen selbstbestimmt Verantwortung.

Wie sieht das Projekt „Safer welcome” aus?

Wir bieten sexualpädagogische Workshops für junge Geflüchtete ab 14 Jahren an, in Willkommensklassen oder in unseren Räumlichkeiten. Da fallen mal homophobe oder sexistische Sprüche. Das wäre aber bei Jugendlichen, die in Deutschland aufgewachsen und sozialisiert sind, auch so. Und nach den Workshops haben sich Teilnehmende oft bei mir nach der Testsprechstunde erkundigt. Da merke ich, dass die Informationen, die sie bekommen, etwas auslösen. Ich bin überzeugt, dass alle Menschen das Recht haben, informiert zu werden. Und sich über Themen wie Liebe, Sexualität und Gesundheit auszutauschen.

Die Berliner Aids-Hilfe testet jeden Dienstag von 16.30 bis 20.30 Uhr und Mittwoch von 14:30 - 20:30 Uhr. Voranmeldung unter 030 / 885640-0 erforderlich. Am 29. und 30. Januar veranstaltet die Berliner Aids-Hilfe die Interkulturellen Jugendfilmtage für Schulklassen mit einem Fokus auf Angeboten für geflüchtete Jugendliche.

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