Doku "Queer Lives Matter" : Globaler Kampf für gleiche Rechte

Für seinen Dokumentarfilm "Queer Lives Matter" hat Markus Kowalski LGBT-Aktivist*innen in fünf Ländern besucht. Hier spricht er über seine Erfahrungen.

Eine Szene aus dem Film "Queer Lives Matter".
Eine Szene aus dem Film "Queer Lives Matter".Foto: promo

Markus Kowalski ist Journalist. Sein erster Dokumentarfilm "Queer Lives Matter" wurde nun beim Berlin Independent Film Festival 2019 als "Best LGBT Film" ausgezeichnet.

Worum geht es in "Queer Lives Matter"?

In dem Dokumentarfilm reise ich als Reporter zu LGBT-Aktivist*innen in fünf Länder. Ich wollte wissen, wie es queeren Menschen anderswo geht. Ich hab mutige junge Menschen getroffen, die trotz Einschüchterungen und drohender Gewalt einfach weitermachen, weiterkämpfen für gleiche Rechte und Anerkennung. So war ich zum Beispiel in Marokko. Dort wird Homosexualität mit bis zu drei Jahren Haft bestraft. In Marrakesch treffe ich auf Hajar, eine junge Lesbe, die sich trotz dieser Repression geoutet hat. Sie erhält viele Drohungen, macht aber weiter.

War es schwierig, als weißer deutscher Filmemacher über die Schicksale und Kämpfe der Protagonist*innen zu berichten?

Nein, wieso? Ich sehe meine weiße Hautfarbe nicht als Problem an. Es geht doch vielmehr um die innere Haltung des Reporters. Und das war auf der Reise vor allem mein großer Respekt vor diesen mutigen Aktivist*innen. Natürlich bin ich als junger Filmemacher aus Deutschland sehr privilegiert, weil ich genug Geld hatte, um durch die Welt reisen zu können. Das habe ich natürlich unterwegs gespürt. In indischen Mumbai habe ich Shivali getroffen, eine junge trans Frau und Tänzerin. Sie lebt in einem sehr armen Vorort, und als ich sie in ihrer Wohnung besucht habe, war schon klar, wie groß die Unterschiede zwischen uns beiden sind.

Der Regisseur Markus Kowalski.
Der Regisseur Markus Kowalski.Foto: promo

Was sind Ihrer Meinung nach die schlimmsten queerfeindlichen Misstände hierzulande?

Die deutsche Bundesregierung tut immer noch nicht genug, um die Zwangsoperationen an intersexuellen Kindern zu unterbinden. Und natürlich brauchen wir eine Reform des Transsexuellengesetzes. 

Kann die Welt trotz Donald Trump, Jair Bolsonaro und Viktor Orbán in Zukunft besser werden für queere Personen?

Ja, zumindest im großen Trend. In vielen Ländern haben sich die Menschen geöffnet und akzeptieren queere Menschen langsam. Das passiert auch, weil aus anderen Ländern Unterstützung kommt, durch Aufmerksamkeit oder durch Geld. Hier sollte die Bundesregierung mehr tun und sich außenpolitisch stärker engagieren. Denn die Menschenrechte von queeren Menschen sind noch immer in vielen Ländern bedroht. Gerade den Autokraten dieser Welt sollte sie sagen, dass die Rechte von LGBTI Menschenrechte sind.

"Queer Lives Matter" läuft am 8. April um 20 Uhr in der taz-Kantine (Friedrichstraße 21). Der Eintritt ist frei.

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