Doppelpride in Frankfurt und Slubice : Ein Marsch der Gleichheit für Polen und Deutschland

Zum ersten Mal findet in der Doppelstadt Frankfurt/Oder und Slubice ein CSD statt - auch, um gegen Homofeindlichkeit in Polen zu demonstrieren.

Die Brücke über die Oder, die Frankfurt und Slubice verbindet - darüber wird auch der Pride am Samstag ziehen.
Die Brücke über die Oder, die Frankfurt und Slubice verbindet - darüber wird auch der Pride am Samstag ziehen.Foto: imago/Jürgen Ritter

Flagge zeigen in Zeiten der Krise, zwei Städte und zwei Länder vereinen – das will die Pride-Demonstration in der Doppelstadt Frankfurt an der Oder und Słubice schaffen. 

Am 5. September wird dort unter dem Motto “Liebe ohne Grenzen” für die Rechte von LGBTQI*-Menschen demonstriert: Gestartet wird im polnischen Słubice, die Abschlusskundgebung findet im deutschen Frankfurt an der Oder statt - der Zug geht über die Brücke, die die beiden Städte verbindet. 

Eine der wenige Pride-Demos in Polen in diesem Jahr

Es wird eine der wenigen Pride-Demos in Polen in diesem Jahr und auch die erste in der Doppelstadt an der Oder sein. Und das auch noch in Zeiten, in denen sich zahlreiche Städte und Gemeinden zu “LGBT-freie” Zonen erklären, in denen queere Menschen nicht willkommen sind. Genau deswegen sei die Pride-Demonstration so wichtig, erklären die Veranstalter*innen.

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Peggy Lohse ist eine von ihnen: “Queere Menschen stehen in Polen unter unglaublich großem Druck! Leute aus unserem Orga-Team berichten von Beleidigungen, physischer und psychischer Gewalt”.

LGBTQI-Community als Feindbild der polnischen Regierung

Dann sei da noch die PiS-Regierung und Präsident Andrzej Duda, die sich “nicht erst seit dem jüngsten Wahlkampf die LGBTQI*-Community als Feindbild ausgesucht” haben. Der Präsident und die Regierung würden queere Menschen missbrauchen, um zu hetzen.

Zum Beispiel würden in mehreren Städten Busse mit homo- und queer-phober Propaganda herumfahren. Partner und Freunde des Instytut Równości hätten diese Busse schon in der Stadt Zielona Góra gesichtet.  In Warschau kam es bei Demonstrationen außerdem zu Festnahmen und Haftstrafen.

Genau wegen dieser öffentlichen Homofeindlichkeit finden die Veranstalter*innen es so wichtig, dass Frankfurt an der Oder und Słubice ein Zeichen setzen und sich als “sicherer und freier Raum für Menschen aller geschlechtlicher Identitäten und sexueller Orientierungen” positionieren, erklärt Lohse.

"Vielerorts fehlt das Wissen"

Auch ihr Kollege Bartosz Fiłonowicz engagiert sich für den Pride und schreibt in einem Posting auf Instagram: “Ich engagiere mich für den Pride, weil ich denke, dass vielerorts das Bewusstsein und das Wissen fehlen. Wir müssen vor allem junge Menschen lehren, dass es eine Vielfalt von Identitäten und Lebensweisen gibt." Man müsse mit Traditionen und heteronormativen Rollen brechen, damit alle Menschen akzeptiert werden könnten. Das soll die Demo anstoßen.

Der Frankfurt-Słubice-Pride habe außerdem ganz konkrete Forderungen, wie es in einer Pressemitteilung heißt: Man wolle eine Doppelstadt schaffen, die “Grenzenlosigkeit” und “Weltoffenheit” auch als Vielfalt geschlechtlicher Identitäten, Beziehungsformen, Lebensentwürfe und sexueller Orientierungen verstehe. Dies solle vor allem durch Bildung erreicht werden.

Positionierung gegen "LGBT-freie Zonen"

Außerdem sollen LGBTQI* überall angenommen werden: In der Schule, dem Sportverein, der Kneipe, dem Jugendclub, der Disco und so weiter. Damit positioniere man sich ebenfalls ganz klar gegen die sogenannten “LGBT-freien” Zonen.

Das Veranstaltungsteam des Doppelpride in Frankfurt und Slubice.
Das Veranstaltungsteam des Doppelpride in Frankfurt und Slubice.Foto: promo

Organisiert wird der Frankfurt-Słubice-Pride von etwa 20 Menschen, die queer und nicht queer, aus Frankfurt, Słubice und der Umgebung sind. Für die Demonstration sind  mehrere Redebeiträge – auch mit Übersetzung – geplant.

Geplant ist ein Konzert in Frankfurt/Oder

Verschiedene Gruppen und Politiker werden sprechen, auch Beiträge aus der Community soll es geben – unter anderem von Daria Majewski, eine trans Person mit deutsch-polnischer Familiengeschichte. Nach der Abschlusskundgebung um 16.30 am Holzmarkt in Frankfurt/Oder soll ein kleines Konzert stattfinden, außerdem wird es einige Stände und Präsentationen geben. Auch der Querverlag aus Berlin wird dabei sein.

[Lesen Sie zur Lage der LGBT-Community in Osteuropa auch: Queers in Osteuropa - wo der Regenbogen als Propaganda gilt.]

Eine Gegendemo ist bisher nicht bekannt. Die Situation in Polen ist für queere Menschen ohnehin angespannt genug. Peggy Lohse fasst es so zusammen: “Erschreckend, furchtbar, beängstigend. Polnische Mitorganisierende sagen: ‘Das Wasser steht uns bis zum Hals!’ Sie haben Angst und Wut. Verständlich!”

Die Einwohner von Słubice sind eher "pro Pride"

Umfragen zufolge seien die Einwohner von Słubice jedoch eher “pro Pride”, statt anti. Das sei ein gutes Zeichen, findet Lohse. “Wir hoffen, der Pride am Samstag wird eine schöne, positive, friedliche und sichere Veranstaltung. Wir tun alles dafür.”

Grund zur Hoffnung gibt es immerhin: Die Stadt Zielona Góra startete am 25. August die Aktion "Stoppt Diskriminierung!", mit der sie sich als "Stadt der offenen, freundlichen und liebenden Menschen" positioniert und eine Gegenbewegung zu den “LGBT-freien Zonen” startete.

In Słubice  geht es am Samstag um 14 Uhr auf dem Plac Bohaterow los. Über die Oderbrücke wird die Demonstration zum Holzmarkt in Frankfurt ziehen, wo um 16.30 Uhr eine Kundgebung geplant ist. Teilnehmer*innen müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen und in Polen zwei Meter Abstand halten, in Deutschland anderthalb Meter. Übrigens: Auf Polnisch heißt die Demonstration “Marsz Równości”, was übersetzt “Marsch der Gleichheit" bedeutet.

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