Meist stehen Trans-Frauen im Mittelpunkt, Männer fehlen

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Medientrend Transgender-Themen : Drama, Baby!
Powerfrau. Laverne Cox in der Serie „Orange Is The New Black“.
Powerfrau. Laverne Cox in der Serie „Orange Is The New Black“.Foto: Paul Giraldi/Netflix

Die von Jeffrey Tambor fulminant verkörperte Frau mit den langen grauen Haaren und Wallekleidern wirkt wie ein weiser Ruhepol in „Transparent“. Das hat sicher zur Beliebtheit der Serie beigetragen, die zudem eine Reihe weiterer Trans- und Queer-Charaktere aufweist. Dass Maura bisher auf romantischem Terrain keinerlei Ambitionen zeigt, dürfte ihre Akzeptanz bei einem breiten Publikum ebenfalls befördern.

Den unbedarften Hetero-Zuschauer und die mitunter nicht viel aufgeschlossenere Homo-Gemeinde lieber nicht mit zu viel befremdlicher Körperlichkeit zu behelligen, das scheint derzeit noch die Strategie zu sein. Auch in „Mein Sohn Helen“ darf die von Jannik Schümann gespielte Titelheldin nur in ihrer Jungsrolle sexuell aktiv sein. Und als der Vater fragt, ob Helen eigentlich auf Mädchen oder Jungs steht, muss sie eine abwehrende „Bin zu sehr mit mir selbst beschäftigt“-Antwort geben. Maura aus „Transparent“ äußert immerhin, dass sie nach wie vor auf Frauen steht. Sie strebt im Übrigen – genau wie Caitlyn Jenner – auch keine geschlechtsangleichende Operation an. An diesem Punkt können Serien und Filme sogar zur Weiterbildung beitragen. Das Publikum erfährt, dass es individuell ganz unterschiedliche Umgangsweisen mit der Transthematik gibt und die Operation samt Hormoneinnahme nur eine Möglichkeit von vielen ist.

Demnächst startet ein US-Film über zwei Trans-Prostituierte

Auch die Selbstbezeichnungen von Menschen, die sich nicht oder nicht ausschließlich mit ihrem bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht identifizieren, sind vielfältig. Manche möchten einfach als Frau oder Mann bezeichnet werden, andere bevorzugen Transfrau oder Transmann. Als Oberbegriff hat sich im anglophonen Sprachraum der Begriff „transgender“ etabliert, der auch hierzulande vielfach verwendet wird. Er verweist darauf, dass das Geschlecht sozial konstruiert ist. Beim in Rechts- und Medizinfragen benutzten Begriff „Transsexualität“ bezieht sich zwar der Wortbestandteil „sex“ auf körperliche Geschlechtsmerkmale (englisch: sex). Da aber fälschlicherweise der Eindruck erweckt wird, es gehe um sexuelles Verhalten, bevorzugen Betroffene teilweise die Begriffe Transgeschlechtlichkeit oder Transidentität.

Abseits aller Bezeichnungsdetails ist die Sichtbarkeit von Transmenschen in den letzten Jahren deutlich gestiegen – der Trend ist ungebrochen. Im Juli startet in den USA der Spielfilm „Tangerine“ über zwei Transgender-Prostituierte. Im November wird Oscar-Preisträger Eddie Redmayne in „The Danish Girl“ als Transgender-Malerin Lili Elbe zu sehen sein. Und von „Transparent“, bei dem außer der Maura-Rolle übrigens alle Trans-Charaktere von Trans-Schaupielerinnen- und schauspielern verkörpert werden, ist eine zweite Staffel geplant.

Was auffällt: Meist stehen Trans-Frauen im Mittelpunkt. Männer haben höchstens mal eine Nebenrolle, wie in „Transparent“. Offenbar erscheinen in einer männerdominierten Welt die Schicksale von Männern, selbst wenn sie keine sein wollen, immer noch wichtiger und erzählenswerter als die von Frauen, die sich nicht (mehr) als solche sehen. Aber vielleicht ist es auch nur eine Frage der Zeit, dass die Filmemacher auf der Suche nach Neuland die Neu-Männer entdeckt. Ein Biopic über Balian Buschbaum – einst als Hochspringerin aktiv – wäre doch mal was fürs ARD-Abendprogramm.

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