Mode-Statement der Schauspieler*in Indya Moore : Bilder meiner toten Schwestern

Um auf transfeindliche Gewalt aufmerksam zu machen, trug Model und Schauspieler*in Indya Moore bei einer Preisverleihung ganz besondere Ohrringe.

Inga Hofmann
Indya Moore mit den Ohringen, die Bilder von getöteten trans Frauen zeigen.
Indya Moore mit den Ohringen, die Bilder von getöteten trans Frauen zeigen.Foto: KristinxCallahanx/Imago

Bei den Fashion Media Awards in New York setzte Model und Schauspieler*in Indya Moore ein aufsehenerregendes Statement: Zu einem bodenlangen rosa-gold schimmernden Kleid trug sie ein Paar auffällige Ohrringe. Bei genauerem Hinsehen erkannte man mehrere aneinander gereihte Fotorahmen. Auf den Bildern waren siebzehn trans Frauen abgebildet, die in diesem Jahr in den USA ermordet worden waren. In der Hand hielt Moore außerdem das Bild einer weiteren Frau. Die 17-jährige Bailey Reeves war nur wenige Tage zuvor erschossen worden, sodass nicht genug Zeit gewesen war, ihr Bild hinzuzufügen.
Mit ihrem politischen Fashion-Statement erinnerte Indya Moore an die Opfer transfeindlicher Gewalt, der insbesondere schwarze trans Frauen in den USA ausgesetzt sind. Als die Schauspielerin, die sich selbst als non-binär bezeichnet und unter anderem durch die Serie "Pose" bekannt wurde, den Preis für das "Cover of the Year" überreicht bekommt, sagte sie: „Trans Menschen verdienen Sicherheit, Anerkennung und Respekt. Nicht nur wenn wir auf dem Cover einer Zeitung sind, sondern wenn wir auf den Straßen sind, wenn wir arm sind, wenn wir Sexarbeiter sind. Wenn unser Haar nicht zurechtgemacht ist. Wenn wir uns Louis Vuitton nicht leisten können. Oder wenn wir keinen Zugang zu Hormonspritzen haben. Und ganz besonders, wenn wir sterben.“

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In ihrer Rede, welche sie später auch auf Instagram teilte, prangerte sie die Diskriminierung von trans Menschen an: „Obwohl wir 6 Prozent der amerikanischen Bevölkerung ausmachen, ist die Lebenserwartung von trans Frauen 35 Jahre.

Eine Existenz, die Mut erfordert, ist keine Freiheit. Ein Leben, das Mut erfordert, ist nicht frei.“ Mit diesen Worten beleuchtete Moore ein Thema, was in der Öffentlichkeit immer noch wenig Beachtung findet. Nur selten wird über Gewalt gegen trans Menschen berichtet und nur die wenigsten Todesfälle finden überhaupt Beachtung.

Human Rights Campaign (HRC) ist eine der wenigen Organisationen, die sich der Thematik widmet und die einzelnen Opfern würdigt. So berichtet die Organisation, dass im vergangenen Jahr mindestens 26 trans Menschen in den USA ermordet worden waren. Grundsätzlich richte sich Gewalt verstärkt gegen Transgender of Color. Deshalb erscheine eine intersektionale Perspektive bei der Analyse dieser Form von Gewalt umso wichtiger. HRC verdeutlicht, dass Rassismus, Sexismus und Hass gegen homosexuelle, bisexuelle Menschen und trans Menschen eng miteinander verknüpft seien.

Aufgrund gesellschaftlicher ungleicher Machtverhältnisse seien trans Menschen stärker betroffen von Arbeitslosigkeit und würden vom Gesundheitssystem, Sozialleistungen und dem Bildungssystem ausgeschlossen. Dies führe dann dazu, dass viele von ihnen keine Wohnung besäßen und von Armut betroffen seien, was bereits existierende Stigmata weiter fördere. In polizeilichen aber auch medialen Berichten über Gewalt gegen trans Menschen würden diese häufig mit dem falschen Geschlecht angesprochen. Dies unterstreiche die noch immer vorherrschende Ignoranz.

Unter Donald Trump wird die Diskriminierung gegen trans Menschen auch von staatlicher Seite gefördert. Die meisten erinnern sich noch daran, als Trump 2017 anordnete, trans Menschen den Beitritt zum Militär zu verweigern. Darüber hinaus kursierte 2018 auf Initiative von Trump ein Entwurf, nach dem das Geschlecht eines Neugeborenes noch bei der Geburt festgelegt werden müsse. Wenn dieser Entwurf durchgekommen wäre, hätte das intergeschlechtlichen Menschen genauso wie trans Menschen ihre Existenz abgesprochen.

Angesichts dieser diskriminierenden gesellschaftlichen Situation erscheinen Statements wie das von Indya Moore besonders wichtiger. Sie erreichte mit ihrem Auftritt jedenfalls innerhalb der USA große mediale Aufmerksamkeit.

 

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