NFL-Profi Ryan Russell outet sich : „Das Leben ist zu kurz, um etwas anderes zu tun als das, was ich liebe“

Lange schämte sich sich der Football-Profi. Nun spricht er offen über seine Sexualität und ermutigt Kollegen dazu, sich nicht zu verstecken.

Inga Hofmann
Ryan Russell (r.) und sein Freund Corey O´Brien auf Instagram
Ryan Russell (r.) und sein Freund Corey O´Brien auf InstagramFoto: Instagram

Vor wenigen Tagen outete sich der Football Spieler Ryan Russell öffentlich als bisexuell. Mit diesem Outing bricht der NFL-Profi ein großes Tabu innerhalb der National Football League, denn bisher war nur Michael Sam offen mit seiner Homosexualität umgegangen.

In einem sehr persönlichen Essay, der auch im Internet veröffentlicht wurde, erzählt Russell davon, wie viel Mut und Kraft es ihn gekostet habe, sich selbst zu akzeptieren und offen mit seiner Sexualität umzugehen. Jahrelang fühlte er sich zwischen zwei Welten hin- und hergerissen: Einerseits sei da der Football gewesen, sein Beruf, der „seinen Wettbewerbsinstinkt geweckt und ihm Anerkennung für seine Leistungen“ geschenkt habe. Andererseits sei da aber auch seine persönliche Welt gewesen -  seine Familie, seine Freunde und seine Beziehungen mit Frauen und Männern.

Die Karriere in der NFL sei eine so große Herausforderung gewesen, dass er sein Privatleben zunehmend dem Football unterordnen musste. Dieses Doppelleben hat den 27- Jährigen stark belastet: „Ich sprach mir selbst das grundlegende Privileg ab, ein offenes Leben zu führen. Das bedeutete, dass ich strategisch und vorsichtig sein musste, wenn ich während der Saison Männer traf oder mit diesen etwas anfing.“

Ständig habe er in der Angst gelebt, von jemandem öffentlich geoutet zu werden. So auch, als eine bekannte Bloggerin ihn mit einem anderen Mann auf dem Hintergrund eines Fotos entdeckt und daraufhin auf seine Sexualität angesprochen habe. Damals hätte ein Outing nicht nur Russells Karriere zerstört, sondern seiner Familie auch die finanzielle Grundlage unter den Füßen weggerissen, meint er.

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Der Defense-Spieler sagt, dass er sich sehr lange für seine Sexualität geschämt habe. Erst nach mehreren Schicksalsschlägen, wie dem Tod seines besten Freundes Joseph Gilliam und dem eigenen Kampf gegen Depressionen, habe er sich entschieden, sich nicht weiter zu verstecken: „Das Leben ist zu kurz, um etwas Anderes zu tun als das, was ich liebe.“

Er möchte Football und Liebesleben miteinander vereinen

Russell zog deshalb nach Los Angeles, begann zu schreiben und traf sich mit Männern.  In dieser Zeit spielte er infolge einer Verletzung nicht mehr in der National Football League. Trotzdem beschreibt er diesen Zeitabschnitt rückblickend als den „erfüllendsten“. Endlich habe er Zeit gehabt, sich auf sich selbst zu konzentrieren und sich der Frage zu stellen, ob er zukünftig Football und Liebesleben miteinander vereinen könne. Mittlerweile kann Russell diese Frage mit einem klaren „Ja“ beantworten. Er will auch wieder in der NFL spielen – vorausgesetzt er findet einen Verein, der ihn so akzeptiert wie er ist. Innerhalb der NFL solle es auf Leistung und Können ankommen und nicht darauf, wen der Teamkollege in seiner Freizeit date.

Deshalb postete Russell auch über Instagram Bilder mit seinem Partner, dem Profi-Tänzer Corey O´Brien. Er möchte mit seinem Outing andere Football-Spieler ermutigen, ebenfalls offen mit ihrer Sexualität umzugehen. Es gebe so viele, die ihre wahre Sexualität verstecken. „Als nächstes wird es ein Spieler mit Profivertrag sein, dann ein Pro Bowl Spieler und ein Super Bowl Champion.“ Sein Outing könnte somit der erste Schritt in Richtung Zukunft sein, die Russell sich wünscht.

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