„Prinz Charming“ : Die erste schwule Bachelor-Show im deutschen Fernsehen

Am Mittwoch ist Finale bei „Prince Charming“. Das RTL-Streamingportal TV Now landet mit der schwulen Datingshow einen Publikumshit.

Sascha Osmialowski
Prince Charming Nicolas (l.) küsst den Kandidaten Andreas.
Prince Charming Nicolas (l.) küsst den Kandidaten Andreas.Foto: TVNow

„Schwiegertochter gesucht“, „First Dates“, „Love Island“. Kuppelformate sind eine feste Größe in der TV-Landschaft. Gerade die Sender der RTL-Gruppe setzen dabei auf ein bewährtes Konzept: Man nehme eine Villa mit Pool auf einer Mittelmeerinsel, einen charismatischen Junggesellen auf der Suche nach der großen Liebe und 20 attraktive Singles, die bereit sind, alles – aber auch wirklich alles – dafür zu tun, um sein Herz zu erobern.

Auch das Format „Prince Charming“ enthält Zutaten einer überaus belanglosen Single-Dating-Show. Hätten die Kandidaten nicht eines gemeinsam: Es sind Männer.

Im Oktober startete RTL auf der Streamingplattform TVNow die erste schwule Version des „Bachelor“. Endlich haben es Homos als Hauptakteure in die Tiefen des Trash-TV geschafft. Das ist keine TV-Revolution, muss aber auch nicht schlecht sein.

Schwuler TV-Traummann in der Traumvilla

Den schwulen TV-Traummann unterscheidet auf den ersten Blick rein gar nichts von seinem heterosexuellen Pendant. Nicolas Puschmann, 28, Medizinberater aus Köln, ist ein Schwiegermuttertyp. Charmant, eloquent und selbstverständlich wahnsinnig gut gebaut. Sport ist seine Leidenschaft.

Klar, so einen will man kennenlernen. Mit 15 hatte er sein Coming-out, mit 28 ist er bereit für die große Liebe via Castingshow.

Und doch hat er nicht nur den Wunsch, seinen Traummann fürs Leben zu finden. Er möchte auch eine Botschaft aussenden: „Wenn zwei Männer sich küssen, ist das kein Grund wegzuschauen. Das ist so eine kleine Aufklärung für viele Menschen.“

Alle hoffen auf ein Date mit "Prince Charming"

Auch die 20 Männer, die geschniegelt und gebügelt in der Traumvilla auf die weiße Kutsche mit dem Prinzen warten, sind top zurechtgemacht und bieten hohe Schauwerte. Darunter ein Stylist, ein Model, ein Stripper, ein Friseur, ein Flugbegleiter. Das Prinzip ist bekannt: Es wird viel gefeiert, viel getrunken, viel gelacht und alle hoffen auf intime fünf Minuten oder sogar auf ein exklusives Einzeldate mit „Prinz Charming“.

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Was die schwule Partnersuche vom Original unterscheidet, ist banal: Statt roter Rosen werden in der „Gentlemen Night“ schwarze Krawatten verteilt. Wer keinen Schlips abbekommt, muss seine Sachen packen.

Zwischen Aaron (l.) und Dominic (r.) entsteht ein intimer Moment.
Zwischen Aaron (l.) und Dominic (r.) entsteht ein intimer Moment.Foto: TV Now

Fast interessanter als die Sendung selbst sind die unterschiedlichen Reaktionen in den sozialen Medien. Die einen feiern die schwule Kuppelshow als Durchbruch für die Sichtbarkeit von Homosexuellen in den Mainstreammedien. Andere sehen „Prinz Charming“ als primitives Gebagger von Stereotypen, die die Vielfalt von queerem Leben nicht im Geringsten widerspiegeln. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Ein ähnlicher Effekt wie bei der Pro7-Castingshow "Queen of Drags"

Braucht Deutschland einen schwulen Bachelor? Das vielleicht nicht. Aber warum sollten nicht auch die Homosexuellen das Recht haben, sich in Unterhaltungshows zur Schau zu stellen? Vielleicht ist diese Form von Banalität ein weiterer Baustein in Richtung Normalität. Ein ähnlicher Effekt lässt sich derzeit bei der von Heidi Klum moderierten Pro-7-Castingshow „Queen of Drags“ beobachten.

Wer wird nun der Prinzgemahl im Finale, das ab Mittwoch bei TVNow bereitsteht? Der erdbeerblonde Podcaster Lars oder der schüchterne Sales Manager Dominic aus Berlin? Wie immer es ausgeht, der Fortbestand der Sendung ist bereits gesichert. Die zweite Staffel von „Prince Charming“ ist beauftragt. Mal sehen, ob der Sender sich dann traut, die Sendung auch ins Free TV zu geben.

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