Originalzeichungen von Stars wie Ralf König und Alison Bechdel

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Queere Comic-Helden im Schwulen Museum Berlin : Superdyke und Superqueeroes
Die kroatische Zeichnerin Helena Janečić lässt ihre eigenen Superheldin Horny Dyke (2. v. r.) auf Wonderwoman treffen.
Die kroatische Zeichnerin Helena Janečić lässt ihre eigenen Superheldin Horny Dyke (2. v. r.) auf Wonderwoman treffen.Foto: © 2011 Helena Janecic

Aufgrund dieses feindseligen Klimas war der queere Comic jahrzehntelang ein Underground-Phänomen, was die vor allem auf die USA und Europa schauende „Superqueeroes“-Ausstellung mit ihren rund 250 Exponaten sehr gut veranschaulicht.

Auf den knallgelb gestrichenen Wänden, die von schwarzen Linien umrahmt sind, kann man frühe Helden wie den 1979 erstmals auftretenden Brown Bomber oder die 1976 entstandene Superdyke bewundern. Letztere hilft in ihrem ersten Abenteuer beim Möbelrücken und erobert die Handtasche einer alten Frau von einem Dieb zurück. Die 1953 in L.A. geborene Zeichnerin Roberta Gregory brachte den Comic – wie viele ihrer damaligen Kolleginnen und Kollegen – im Selbstverlag heraus. Do it yourself mit Fotokopierer und Hefter.

Das Magazin "Gay Comix" war lange das Rückgrat der amerikanischen Szene

Mit der Figur Bitchy Butch (world’s angriest dyke) schuf Gregory zudem eine Kultfigur, deren Wutausbrüche unter anderem in dem zwischen 1980 und 1998 erscheinenden Magazin „Gay Comix“ publiziert wurden. Einige Exemplare dieses „Rückgrates der LGBTI*-Comicszene“ sind in der Ausstellung zu sehen, die tatsächlich alle in der Abkürzung vertretenen Gruppen repräsentiert. Viele wichtige US-Zeichner haben in den „Gay Comix“ ihre frühen Zeichnungen veröffentlicht. So etwa Howard Curse, von dem zwei Originalblätter in der Ausstellung zu sehen sind. Eines davon stammt aus seinem Graphic-Novel-Meisterwerk „Stuck Rubber Baby“ von 1995, in dem er die Selbstfindung eines jungen Schwulen während des Beginns der Bürgerrechtsbewegung in den USA darstellt.

Curse haben die Kuratoren in den Ausstellungsteil „Autor_innen als Superhelden_innen“ eingeordnet. Genau wie Alison Bechdel, die mit ihrer Serie „Dykes to watch out for“ bekannt wurde und mit ihrer biografischen Graphic Novel „Fun Home“ sogar einen in viele Sprachen übersetzten Bestseller landete. Das war genau wie beim heute gefeierten Curse zu Beginn ihrer Karriere keineswegs absehbar. Wer sich in den achtziger und neunziger Jahren für queere Themen entschied, schloss damit eine Mainstream-Karriere aus und nahm das Risiko von Anfeindungen auf sich – durchaus heldenhaft.

Die Ausstellung in nur einem Raum ist prall gefüllt mit Bildern und Texten

In Deutschland hat Ralf König einen ähnlichen Status. Er ist unter anderem mit einer Originalzeichnung seines legendären Paars Konrad und Paul in der Ausstellung vertreten, die aber auch die Szene jenseits des Kölner Stars beleuchtet. Von lesbischen Pionierinnen wie Katrin Kremmler bis hin zu Thilo Krapp alias tiló, dessen schwulem Abenteuercomic „Damian & Alexander“ eine schöne Wand gewidmet ist.

Die Ausstellung in nur einem Raum des Museums wirkt wie ein riesiges buntes Wimmelbild. Man kann sich darin regelrecht verlieren. Schade nur, dass das Budget nicht für einen Katalog gereicht hat. So ganz im Mainstream sind die queeren Helden und Heldinnen dann doch noch nicht angekommen.

Schwules Museum, bis 26. Juni, So, Mo, Mi, Fr 14–18 Uhr, Do 14–20, Sa 14–19 Uhr

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