Schwule Väter wie Ricky Martin : Die schwierige Praxis der Leihmutterschaft

Schwule Promis wie Ricky Martin werden per Leihmutterschaft Eltern. Doch in der queeren Community ist diese Praxis durchaus umstritten.

Ricky Martin (rechts) und sein Ehemann Jwan Yosef (Archivbild).
Ricky Martin (rechts) und sein Ehemann Jwan Yosef (Archivbild).Foto: imago/ZUMA Press

"Wir sind schwanger!" So verkündete Popstar Ricky Martin unlängst, dass er sein viertes Kind erwartet - und das kürzlich geboren wurde.

Während (fast) alle Welt den Familienzuwachs von Martin und Ehemann Jwan Yosef bejubelten, übte Christian Knuth auf dem schwulen Portal Blu.fm Kritik: "Ob und wie Kontakt der Kinder zu den leiblichen Müttern besteht oder beiderseitig ermöglicht wird, ist nicht bekannt".

Und während häufig wohlhabende schwule Paare die Personen, die ihre Kinder zur Welt bringen, unsichtbar machten, würden Mutter und Kind "juristisch objektiviert und zu einer Handelsware, bzw. zum Objekt eines Rechtsgeschäft".

Mal abgesehen davon, dass man das Konzept "Leihmutterschaft" um Menschen aller Geschlechter zu "Leihelternschaft" erweitern könnte, berührt Knuth einen interessanten Punkt: Wie könnten die Rechte der gebärenden Person im Kontext einer solchen Übereinkunft gewährt werden?

In Deutschland ist die Leihmutterschaft verboten

Und wie kann die queere Community gleichzeitig für eine Vielfalt von Familienmodellen eintreten und eine ethisch vertretbare Position in dieser Frage finden?

Noch ist die Leihelternschaft in Deutschland verboten, egal, ob dabei Geld gezahlt wird oder nicht. Eine Diskussion hatte die FDP-Rechtsexpertin Katrin Helling-Plahr angestoßen, die im Tagesspiegel darauf gedrängt hatte, Eizell- und Embryonenspenden samt Leihmutterschaft auch hierzulande zu legalisieren.

Grüne und CDU lehnten den Vorschlag postwendend ab. Eine reelle Chance haben Helling-Plahrs Pläne wohl kaum.

Horrende Preise bei der kommerziellen Leihmutterschaft in Kalifornien

Heterosexuelle, aber auch schwule und in seltenen Fällen lesbische Paare müssen bisher auf Angebote aus dem Ausland zurückgreifen. Jedoch ist die Rechtslage in den meisten EU-Staaten unklar oder die Praxis nur begrenzt erlaubt.

Im US-Bundesstaat Kalifornien ist hingegen auch die kommerzielle Leihelternschaft erlaubt, davon machten etwa Ricky Martin und sein Partner Gebrauch – jedoch zu horrenden Preisen.

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Viele greifen da lieber auf Angebote aus Russland zurück, wo die Agentur "Surrogate Baby" ihre Dienste gezielt auch an schwule Männer richtet. Besonders legt sie ihnen das "Premium-Programm" ans Herz, bei dem es "keine Begrenzung der Befruchtungsversuche, Embryotransfers sowie der Aufbewahrungszeit der Embryos gibt", wirbt die Firma auf Queer.de. Oder die Version "Bi-Parental", das Sparprogramm, bei dem jeweils ein Embryo pro Mann transferiert wird.

Zahlen dazu, wieviele schwule Männer diese Angebote nutzen, liegen zur Zeit nicht vor.

Russland, das Homoparadies? "Es kommt schon seltsam trüb-ironisch rüber, wenn solche Angebote aus Russland kommen, obwohl dort das Ausleben der Homosexualität als Propaganda abgestempelt wird und zusätzlich die Taten in Tschetschenien geduldet wurden", kommentiert ein User lakonisch.

Der LSVD fordert die Legalisierung der nicht-kommerziellen Leihmutterschaft

Was sagen Vertreter*innen der queeren Parteiorganisationen und Aktivist*innen, die für die Akzeptanz von LGBTI-Vielfalt auch in der Familienplanung eintreten eintreten? Der FDP-Politiker Michael Kauch, seines Zeichens Vorsitzender der Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL), bejubelte Helling-Plahrs Initiative als "super Vorstoß".

Ähnlich sieht das der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD). Er fordert in seinem Programm sowohl die Legalisierung nicht-kommerzieller Leihelternschaft in Deutschland als auch klare Regelungen für Kinder, die aus ausländischen Leihelternschaften mit deutschen Vätern hervorgehen.

"Familie ist mehr als die klassische Zwei-Eltern-Konstellation"

Anders sieht das Constanze Körner, Vorständin des Vereins LesLeFam (Lesben Leben Familie): "Ich persönlich stehe der Leihmutterschaft skeptisch gegenüber, egal wo und auf welchem Weg", erklärt sie dem Queerspiegel. "Insgesamt ist es zu begrüßen, dass es aus der Politik Vorstöße gibt, die die Themen Familienvielfalt, Kinderwunsch und rechtliche Absicherungen weiter diskutieren."

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Allerdings gebe es, insbesondere aus Sicht lesbischer Paare, wichtigere Themen hinsichtlich der rechtlichen Absicherung in der Familie als die altruistische Leihmutterschaft. Sie wünscht sich, dass zunächst die Elternschaft bei zwei Müttern rechtlich gesichert wird. So sehen es auch jüngere Vorschläge von Grünen und SPD vor.

Auch Daniel Bache (Linke), Landessprecher der LAG Queer steht der Lockerung des Leihmutterschaftsverbots kritisch gegenüber: "Familie ist mehr als die klassische Zwei-Eltern-Konstellation und es ist immer zu begrüßen, wenn sich erwachsene Menschen dazu entscheiden Verantwortung für Kinder zu übernehmen."

Dafür müsse auch der Gesetzgeber die entsprechenden Rahmenbedingungen schaffen.

"Aber es muss unter allen Umständen verhindert werden, dass Frauen und ihr Körper zum bloßen Reproduktionsinstrument degradiert werden", so Bache weiter. Dafür, fürchtet er, könne auch die nicht-kommerzielle Leihmutterschaft Anreize schaffen.

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