Wegen anhaltender Diskriminierung : Schwuler Jugendwart verlässt nach Predigtverbot Sachsens Kirche

Nachdem der evangelische Jugendwart der sächsischen Landeskirche sein Schwulsein öffentlich machte, untersagten Gemeinden ihm Predigten und Jugendarbeit. Jetzt verlässt er die Kirche.

In Sachsens Kirche gibt es tiefe Konflikte zwischen Evangelikalen und Fortschrittlichen.
In Sachsens Kirche gibt es tiefe Konflikte zwischen Evangelikalen und Fortschrittlichen.Foto: Frank May/dpa-Zentralbild/ZB

Der homosexuelle evangelische Jugendwart Jens Ullrich hat nach offenbar anhaltender Diskriminierung in Gemeinden im Erzgebirge die sächsische Landeskirche verlassen. Er sei am vergangenen Sonntag in einem Gottesdienst in Grünhain-Beierfeld verabschiedet worden, sagte Landeskirchensprecher Matthias Oelke jetzt in Dresden. Ullrich war seit 1999 im evangelisch-lutherischen Kirchenbezirk Aue (Erzgebirgskreis) als Jugendwart angestellt. Die Initiative zum Auflösen des Vertrages sei von ihm ausgegangen.

Die Landeskirche habe „keine Ahnung, wohin er geht“, sagte Oelke. Das habe Ullrich weder seinem bisherigen Kirchenbezirk noch der Kirchenleitung in Dresden mitgeteilt. Sachsens evangelischer Landesbischof Carsten Rentzing bedauerte Ullrichs Weggang. Er habe einen „großartigen Dienst“ geleistet, sagte er dem epd. Zugleich räumte er Fehler ein, die „auf der Ebene der Kommunikation und des gegenseitigen Respekts liegen“.

"Die Fronten waren verhärtet"

Gespräche im Kirchenbezirk, an denen zum Teil auch Rentzing teilnahm, hatten dem Bischof zufolge nicht den gewünschten Erfolg. Trotz „ernsthafter “Bemühungen seien „die Fronten verhärtet gewesen“. In dieser Situation „gab es für ihn keine Möglichkeit mehr, seinen Dienst zu tun“, sagte Rentzing.

Ullrich war vor mehr als zwei Jahren von Gemeinden im Erzgebirge zum Teil mit einem Predigtverbot belegt worden, nachdem er seine Partnerschaft mit einem Mann bekanntgemacht hatte. 2017 sorgte der Fall des Jugendwarts für Schlagzeilen. In die Diskussion hatte sich auch Sachsens Gleichstellungsministerin Petra Köpping (SPD) eingeschaltet. Im Kirchenbezirk Aue sah sich Ullrich massiven Anfeindungen und Diskriminierungen ausgesetzt. Zur Region gehören etwa 30 Kirchgemeinden mit rund 38.000 evangelisch-lutherischen Christen.

Einige Gemeinden untersagten im die Arbeit mit Jugendlichen

Einige Gemeinden untersagten ihm offiziell, vor Ort die Arbeit mit den Jugendlichen weiterzuführen. Andere sprachen es nie aus, dort schwelte der Konflikt fortwährend unter der Oberfläche. Ullrich steht beispielhaft für eine seit Jahren kontrovers geführte Diskussion über Homosexualität innerhalb der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens. Für die einen, so genannten schrift- und bibeltreuen Christen sind gleichgeschlechtliche Paare mit der Bibel nicht vereinbar, für die anderen fehlt es in der Kirche an Toleranz und Fortschritt. (epd)

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