Die Moslembrüder werden am Tourismus nicht rütteln

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Ägypten : „Tourismus wird so bleiben“
Peter S. Kaspar

Die Moslembrüder werden an dem bestehenden Tourismus nicht rütteln, da ist sich der 41-Jährige sicher. Sie haben zu viel zu verlieren. Tatsächlich steht der Fremdenverkehr mit rund zwölf Prozent „nur“ an vierter Stelle des Bruttoinlandsprodukts. Da aber die meisten der zweieinhalb Millionen Beschäftigten in der Tourismusindustrie den größten Teil ihres Lohns an die Familien in Oberägypten oder im Delta schicken, dürfte jeder vierte Ägypter direkt oder indirekt am Tropf des Fremdenverkehrs hängen. Das sind aber genau die Wähler, die sich nun von den Moslembrüdern Verbesserungen im Alltag erwarten. Wenn die jedoch nicht eintreten, dann werden sich auch die Moslembrüder auf Dauer nicht halten können, heißt es.

Mazen Okasha ist Germanist, Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei Ägyptens, Fremdenführer und Führer deren Gewerkschaft.
Mazen Okasha ist Germanist, Mitbegründer der Sozialdemokratischen Partei Ägyptens, Fremdenführer und Führer deren Gewerkschaft.Foto: Peter S. Kaspar

Sorgen plagen Mazen Okasha in ganz anderer Weise. Früher waren es meist die Deutschen, die nach Anschlägen wie in Luxor oder Scharm el Scheich dem Land monatelang fernblieben. Dann bildeten Russen die größte Gruppe unter den Urlaubern. Und die kommen derzeit gar nicht mehr. Die russische Regierung mache in jüngster Zeit Berichten zufolge massiv Propaganda gegen Urlaubsreisen ans Rote Meer. Dass sie dabei weniger die Sicherheit ihrer Landsleute als vielmehr eine „Ansteckungsgefahr“ durch die Revolution im Sinn habe, sagt Okasha nicht. Verständlich, denn er ist Organisator einer ägyptisch-russischen Kulturwoche, die in erster Linie der Stärkung des Fremdenverkehrs dienen soll. Immerhin sagt er, wann der Strom der russischen Urlauber verebbt sei: als sich die ersten freien Wahlen abzeichneten.

Dass überhaupt zu wenige Touristen im Land sind, erfährt der Urlauber im Taxi. Der Fahrer versichert lautstark, dass er den Gast vor allem Unbill beschützen wolle. Als der sich anschnallen möchte, wiegelt der Fahrer wortreich ab. Wenn die Polizei komme, werde er mit denen schon fertig. Am Ende der Fahrt will er fünf Pfund mehr als vereinbart mit der etwas merkwürdigen Begründung: „Weil so wenige Touristen in der Stadt sind.“

Mazen Okasha glaubt daran, dass es jetzt nach den Wahlen auch am Roten Meer wieder besser wird. Den Tourismus, das weiß er, brauchen hier alle.

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