Im El-Niño-Jahr sind die Viktoriafälle nur ein Rinnsal

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Simbabwe : Die Unschuld der Elefanten
Nachhaltig. Die „Buschmann-Zeichnungen“ sind 2000 Jahre alt.
Nachhaltig. Die „Buschmann-Zeichnungen“ sind 2000 Jahre alt.Foto: Dagmar Dehmer

Die Berge sind vor allem berühmt für die ungezählten, bald 2000 Jahre alten Buschmann-Zeichnungen. Und für das Grab von Cecil Rhodes, erster Präsident Simbabwes und Gründer des Diamantenkonzerns De Beers. 1902 starb er – als damals reichster Mann der Welt. Sein Grab befindet sich auf einem Felsen mit weitem Ausblick ins Ndebele-Land.

Begonnen hatte die ganze Reise aber an einem der spektakulärsten Orte Afrikas: den Viktoriafällen. Im November, noch dazu in einem knochentrockenen El-Niño-Jahr, sind die nicht mehr als ein Rinnsal: eine spektakuläre Felslandschaft, ohne das „donnernde Wasser“, Mosi-oa Tunya, wie Einheimische die Fälle nennen.

Wilderness betreibt auch hier ein Camp, Toka Leya, am Fluss, das regelmäßig von einem Flusspferd und Elefanten besucht wird. Beworben werden alle drei Camps mit dem Schlagwort Ökotourismus. Das gelingt mal besser, mal schlechter. Im Toka-Leya-Camp in Sambia ist das Konzept am besten durchdacht. Die Zelte stehen auf Holzstützen und sind mit Stegen verbunden. Der Sambesi kann am Ende der Regenzeit, wenn die Viktoria-Fälle tatsächlich Mosi-oa Tunya sind, ziemlich viel Wasser führen. Dann fühlt es sich hier an, als läge das Camp mitten in einem See.

Mitten im Dorf steht ein Tank mit sauberem Trinkwasser für alle

Rund um das Gelände wachsen unzählige Mwapani-Bäume. Mit ihren schmetterlingsförmigen Blättern sind sie ein Leibgericht der Elefanten. Mehrere tausend Bäume hat der Umweltbeauftragte Donald Lisama selbst gepflanzt oder an Schulen in der Umgebung abgegeben. In den Dörfern ist immer ein Schüler für einen Baum verantwortlich. Von etwa 6000 gepflanzten Bäumen haben rund 2800 überlebt. Das ist, findet Lisama, angesichts des Appetits der Elefanten eine ziemlich gute Quote.

Im benachbarten Dorf Sinde berichtet Bewohnerin Lilli, die Touristen ihr Dorf zeigt und von ihrem Alltag erzählt, dass sie oft Besuch von Elefanten bekommen. Die Hunde versuchen sie dann zu vertreiben, „und wir machen Lärm, mit allem was wir finden“.

Simbabwes Präsident Robert Mugabe im Wahlkampf 2005 noch mit kämpferischer Pose.
Simbabwes Präsident Robert Mugabe im Wahlkampf 2005 noch mit kämpferischer Pose.Foto: dpa/dpaweb

Aber solange die Elefanten kommen, um an den Mwapani-Bäumen zu naschen, verdienen die Dorfbewohner ein wenig Geld mit ihren Touristenführungen. Dafür, dass sie die Elefanten dulden und etwaige Plünderungen ihrer Felder hinnehmen, hat Wilderness ihnen einen Wunsch erfüllt. Er steht in der Mitte des Dorfes – ein Tank mit sauberem Trinkwasser für alle Einwohner.

In Toka Leya und im Little Mak im Hwange-Park liefert die Sonne die nötige Energie. Fotovoltaikmodule produzieren Strom und solarthermische Module liefern warmes Duschwasser am Morgen. Wilderness-Trinkflaschen, die auf dem Weg in den Park an alle verteilt werden, vermeiden Plastikmüll, der von hier nur schwer wegzuschaffen ist. Das Abwasser wird auch hier auf dem Gelände verteilt.

Da tut sich „Amalinda“ etwas schwerer. Die Anlage ist vor 25 Jahren erbaut worden. Der Strom kommt aus dem benachbarten Kohlekraftwerk, und das Duschwasser wird mit Feuerholz gewärmt. Aber zumindest das Abfallkonzept hinterlässt nicht allzu viele Spuren.

Für die Naturschutzgebiete sind zuallererst die Ökotouristen ein Problem

Auch die Betreiber von „Amalinda“ versuchen, die Bevölkerung der Umgebung einzubeziehen. Sharon Stead hat dafür die Stiftung Mother Africa Trust gegründet. Beim Bau des Zauns finden die Bewohner der Umgebung zumindest zeitweise Arbeit. Das gilt auch für die Enthornung der Nashörner, die nach und nach stattfinden soll, um ihr Leben zu retten.

Die Lehrerhäuser der nahe gelegenen Schule und einen Klassenraum haben die Amalinda-Gäste und -Betreiber im Lauf der Jahre finanziert. Auch das benachbarte von Dänen gegründete Kinderheim bekommt die eine oder andere Spende. Doch eine so enge Verbindung zu den Dörfern wie in Sambia haben weder die Betreiber von „Amalinda“ noch von „Little Mak“ bisher zustande gebracht.

Dabei bemühe sich Wilderness sehr darum, berichtet Sue Snyman. Die Südafrikanerin berät den Tourismuskonzern bei seinem Nachhaltigkeitskonzept. Denn sie weiß, je erfolgreicher die Camps sind, desto problematischer wird es, die richtige Balance zu finden.

Denn für die Naturschutzgebiete sind zuallererst die Ökotouristen selbst ein Problem. Werden es zu viele, gefährdet das die Tier- und Pflanzenbestände in den Parks. Gibt es mehr Jobs im Tourismus, ziehen mehr Menschen dorthin, um ebenfalls Arbeit zu finden, und erhöhen so den Druck auf die Schutzgebiete. Es sei wichtig, Bildungsarbeit zu machen, sagt Snyman – den Kindern den Wert der Natur zu vermitteln.

Und den Touristen klarzumachen, dass es im Nationalpark nicht nur Wildtiere gibt, sondern darum herum auch Menschen mit Traditionen und der Notwendigkeit, ihren Lebensunterhalt irgendwie zu verdienen.

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