„Keine Angst vor Wagner, Oper ist ein Erlebnis!“

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Dem Mythos Wagner auf der Spur : Lohengrin am Wasserfall
Museale Räume in Ermlitz.
Museale Räume in Ermlitz.Foto: Marlis Heinz

Aber nicht nur Leipzig, auch Dresden, wo Wagner als Kind lebte, später häufig wohnte und musikalische Erfolge feierte – oder auch Misserfolge hinnahm –, hat einen Slogan parat. Es kontert: „Dresden. Wo Wagner WAGNER wurde“. Zu besichtigen sind viele Plätze, die – oft um die Ecke gedacht – mit Wagner zu tun haben: die Semperoper, die Gottfried Semper nach regem Gedankenaustausch mit seinem Freund Wagner entworfen hatte; das Grab Carl-Maria von Webers, an dem Wagner tief bewegt gesprochen hat; die Frauenkirche, in der aus Anlass eines Sängerfestes 1200 Männer Wagners „Liebesmahl der Apostel“ erklingen ließen, und nicht zuletzt der Turm der Kreuzkirche, auf dem Wagner während der Straßenkämpfe im Mai 1849 Wache schob, die Truppenbewegungen beobachtete und seinen revolutionären Mitstreitern Lageberichte sandte. Auf dem Dresdner Annenfriedhof ist auch Minna, die leidgeprüfte erste Frau Wagners, begraben.

Wer einen risikofreudigen Stadtführer hat – dieser weiß ja nie, welcherart Wagnerianer vor ihm stehen –, der erfährt zudem, dass Wagner in Dresden nicht nur seine Karriere als Star startete. Er begann auch die als ewig verschuldeter Mietnomade, der zumeist über seine Verhältnisse lebte und stetig auf der Suche nach Gönnern war.

Der Tatsache, dass der Maiaufstand 1849 niedergeschlagen und Wagner als Mitglied der provisorischen Regierung steckbrieflich gesucht wurde, hat auch Chemnitz eine Gedenktafel zu verdanken. Die hängt an der Schönherr’schen Fabrikantenvilla, wo Wagners Schwester Klara wohnte und ihm auf seiner Flucht in die Schweiz Unterschlupf bot. Weil der Gesuchte so der Gefangennahme durch die Sächsische Geheimpolizei und der Haft auf Festung Königstein entkam, spricht Krakow von „Wagners sächsischer Schicksalsstadt“.

Einen Extra-Marketingspruch leistet sich Chemnitz trotzdem nicht, wohl aber seit Jahrzehnten bemerkenswerte Wagner-Inszenierungen in der Oper. Diesbezüglich lassen sich aber alle drei sächsischen Großstädte nicht lumpen. In deren Opernhäusern wird im Jubiläumsjahr reichlich Wagner erklingen. Arbeiten zum Thema ergänzen die großen Inszenierungen, in Leipzig zum Beispiel „Das Ding mit dem Ring“ für Kinder.

Auch die Ausstellungsmacher haben das Wagner-Jahr schon lange im Visier. Die meisten von ihnen tragen nicht nur Biografisches zusammen und präsentieren es hübsch, sondern beleuchten die Person Richard Wagner und die Verhältnisse im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Das Stadtmuseum Leipzig spürt unter dem Titel „Wagnerlust und Wagnerlast“ dem Mythos Wagner nach und untersucht das komplizierte Verhältnis zwischen dem Künstler und seiner Geburtsstadt. Ähnliches ist auch im Dresdner Stadtmuseum zu erwarten. Als roter Faden dort zieht sich die Topografie von Wagners Wirkungsstätten durch die Ausstellung. Ein weiteres Segment bildet die Rezeptionsgeschichte und die Vereinnahmung Wagners. Von den Nationalsozialisten wegen seiner antisemitischen Tendenzen und seines pathetischen Germanenkultes bejubelt, in der DDR als Revolutionär in Dienst genommen, bewegte Wagner immer die Gemüter.

Besonderer Aufwand wird in Graupa betrieben, wo Wagner im Sommer 1846 elf Wochen verbracht hat. Eigentlich wollte er nichts tun, skizzierte dann aber doch – im Liebethaler Grund wandelnd – den „Lohengrin“. Das Bauernhaus, wo er sich damals mit seiner Frau Minna einmietete, ist saniert und mit einer kleinen Ausstellung bestückt. Das ebenfalls zu den Richard-Wagner-Stätten Graupa gehörende Jagdschloss lädt auf völlig neues Terrain. „Keine Angst vor Wagner, Oper ist ein Erlebnis!“, wird dem Besucher entgegengerufen. Wem es nicht behagt, in historischen Komponistenhäusern ehrfurchtsvoll über knarrende Dielen zu schleichen, der wird sich hier wohlfühlen unter Klangduschen, vor Hologrammen oder auf einer speziellen Kinderebene. Bequem macht das die Annäherung an Wagner dennoch nicht.

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