Schwämmchen und Speichel

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Wittenberg : Im Zeichen der Schlange
"Unser Ziel war das Erhalten. Wir haben nichts hinzugefügt", sagt Kirchenkonservatorin Bettina Seyderhelm.
"Unser Ziel war das Erhalten. Wir haben nichts hinzugefügt", sagt Kirchenkonservatorin Bettina Seyderhelm.Foto: Marlis Heinz

Kirchenkonservatorin Bettina Seyderhelm kann über die vierjährige Arbeit der Restauratoren viel erzählen: „Unser Ziel war ausschließlich die Konservierung dort, wo Bildteile verloren gingen. Wir haben nichts hinzugefügt.“ Auch Spuren von Überarbeitungen aus den vergangenen rund 470 Jahren, beispielsweise Übermalungen oder auf der Rückseite eingeritzte Namen, blieben teilweise erhalten. „Aber immer wieder standen wir vor der Frage, was bewahrenswert ist und was nicht, welche spätere Veränderung entfernt werden sollte und welche nicht.

Mitunter traten unter breiten Pinselstrichen die weit feineren Gesichtszüge, Bärte und Haare, Konturen und Farbschattierungen der Entstehungszeit zutage. Das wichtigste jedoch war die Reinigung der Kunstwerke. Auf den Farben befanden sich mehrere Firnisschichten.“ Und Seyderhelm verrät auch das Geheimmittel der Restauratoren: winzige Schwämmchen und Speichel.

Wer aufmerksam sucht, wird auch auf manchen Bildern die geflügelte Schlange finden; nicht auf allen, der Auftraggeber bestimmte, ob der Künstler sein Logo hinterlassen durfte. Eher sorgenvoll schaut Frau Seyderhelm jedoch auf die Gütesiegel: „Das sind die Stellen, an denen wir den meisten Schmutz entfernen mussten – weil seit Jahrhunderten die Betrachter drauftippen.“ Zumindest während der Landesausstellung sollen die Zeiger dann etwas auf Abstand gehalten werden.

„Mit Luther lässt sich Geld machen“

Und woanders gibt es ihn ja, den Cranach zum Anfassen. Beispielsweise im großen Cranach-Hof, wo Andreas Metschke seine historische Druckerstube betreibt. An seinem Regal hängen zwei Gewänder, die er überstreift, wenn er den Cranach gibt. „Eines wenn ich drucke“, erläutert er, „und das andere, wenn ich Aktzeichnungen mache, so wie die Cranachs damals.“ Von Metschke sind allerdings nicht nur Drucksachen, sondern auch Auskünfte zu bekommen. Über Technisches, darüber was Cranach alles für Luther druckte und über all das, was Familie Cranach und Familie Luther verband. Und so vermutet er auch: „Die Cranachs wussten rechtzeitig: Der Luther ist ein Mann, mit dem sich Geld machen lässt.“

Trotz aller Bauarbeiten gibt es in Wittenberg also schon jetzt reichlich Reformation zu erleben. Ganz neu ist die die zwei Meter große Weltkugel auf dem Marktplatz, in deren Inneren eine Uhr den Countdown bis zur Eröffnung der Reformationsausstellung im Mai 2017 vermerkt. Seit der Renaissance nahezu unverändert steht das Haus von Philipp Melanchthon. Es wurde im vergangenen Jahr nach Restaurierung und Erweiterung wiedereröffnet und birgt eine Ausstellung über den Reformator und dessen Familie. Kindern erzählt Magdalena, Melanchthons zehnjährige Tochter, was es mit der Reformation auf sich hat.

Das Gebäude der Schwarzen Klosters, dem heutigen Lutherhaus, in dem Luther zunächst als Mönch, später mit Familie und immer reichlich Gästen lebte, ist mit 1000 Originalen das größte reformationsgeschichtliche Museum. Auf dem Hof steht das Denkmal der Katharina, der energischen, geschäftstüchtigen Ehefrau des Kirchenmannes. In ihrem Rücken das Baugeschehen am Augusteum, eilt sie in großen Schritten aufs Lutherhaus zu. Vermutlich hätte „Herr Käthe“, wie ihr Mann sie respektvoll nannte, den Umbau nebenan und die Vorbereitung der Ausstellung, nicht ohne ihr Zutun geschehen lassen.