Luxemburg als eine der sichersten Städte der Welt.

Seite 2 von 2
Luxemburg : Der Detektiv kann kochen
Wer die deftige einheimische Küche genießen will, sollte sich in die Oberstadt begeben.
Wer die deftige einheimische Küche genießen will, sollte sich in die Oberstadt begeben.Foto: Claude Piscitelli

Überquert man dann die Straße, um auf dem Weg in die Unterstadt auf dem Aussichtsfelsen zu rasten, versteht man leicht, warum Luxemburg den Zweitnamen „Gibraltar des Nordens“ trägt. Als der Ardenner Graf Siegfried 963 auf dem Bockfelsen seine Burg baute, aus der sich später dann die Stadt Luxemburg entwickelte, hatte er vermutlich keine Ahnung, wie heftig um sein so zentral in Europa gelegenes Terrain im Laufe der Jahrhunderte gestritten werden würde, bevor endlich die Beamten einer Europäischen Union die Macht übernehmen konnten.

Die Felsen, die sich über die Flüsse Alzette und Petrusse erheben, bildeten damals natürliche Befestigungsanlagen, die ergänzt wurden durch drei Ringmauern. Im Laufe der Jahrhunderte eroberten Burgunder, Spanier, Franzosen, Österreicher und Preußen die Stadt und brachten ihre besten Ingenieure mit, um die Befestigungsanlagen weiter auszubauen. Längst sind aus den Militäranlagen touristische Attraktionen geworden. Zusammen mit der Altstadt stehen sie auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes.

Einen Stadtschreiber hat Luxemburg nicht, aber wenn die Stadt einen hätte, dann hieße er vielleicht Tom Hillenbrandt, denn ein Koch mit detektivischer Spürnase passt gut zum Lebensgefühl Luxemburgs. Dem Gast aus der Großstadt kommt die Minimetropole sehr beschaulich vor. „Luxemburg ist eine der sichersten Städte der Welt“, sagt prompt Cathy Giorgetti vom Fremdenverkehrsamt. Plastisch kann man das sehen im Regierungsviertel. Beim Premierminister kann man praktisch ans Fenster klopfen.

Jetzt könnte man sich Zeit nehmen für die Kathedrale Unserer Lieben Frau von Luxemburg, ein spätgotisches Bauwerk mit bunten Fenstern. Wer zeitgenössische Kultur liebt, wird sich in der früheren Benediktinerabtei Abbaye de Neumünster aber wohler fühlen, besonders im Innenhof, wo im Sommer alle möglichen Freiluftkonzerte stattfinden.

Aushalten lässt es sich freilich auch ein paar Schritte entfernt bei Christophe Petra im „Le Sud“ bei anspruchsvoller Küche auf einer schönen Terrasse. „In Luxemburg ist es schwer billig zu essen, aber es ist auch schwer, schlecht zu essen“, sagt Tom Hillenbrand. Sein Ostasienstudium hat er zwar abgebrochen, aber trotzdem kann er noch ein paar Brocken Japanisch sprechen und exerziert sie beim Sushi-Meister Akira Yasuoka, der im Restaurant Kamakura mit den gefährlich langen Messern hantiert, die den Krimilesern bereits vertraut sind.

Wenn eine Destination wie Luxemburg nicht so selbstverständlich auf der touristischen Landkarte liegt wie London oder Paris, dann hilft populäre Literatur, weil sie Lust darauf macht, den Schauplatz des Geschehens mal live zu sehen. Hillenbrands Krimis machen Appetit auf die Rieslingpastete, die immer wieder erwähnt wird und hier wirklich omnipräsent ist. Beim Biobäcker auf dem Markt vor dem Rathaus ist sie ebenso zu haben wie im eleganten Feinkostgeschäft Oberweis.

Wer die deftige einheimische Küche genießen will, sollte sich in die Oberstadt begeben. Dort befindet sich der Fischmarkt, der einst Kreuzungspunkt zweier Römerstraßen war und heute aus pittoresken kleinen Gassen mit verschiedenen Restaurants besteht, darunter das „Türmsche“. Hier stehen die Chancen gut, dass man die volkstümliche Variante der Bouneschlupp bekommt, die Lea Linster auf höchstem Niveau kultiviert, dass man Kachkeis und Quetschentaart schlemmen kann. Das sind Gerichte, die zu Xavier Kieffer passen würden. Dessen Schöpfer Tom Hillenbrand studiert eine Plakette, die auf den Besuch eines großen literarischen Vorbildes hinweist. Goethe war auch schon in Luxemburg und fand dort Größe, Anmut, Ernst und Lieblichkeit vor. Mit etwas Glück lässt sich das heute auch noch finden – in einer Interpretation des 21. Jahrhunderts und zum Verzehr durchaus empfohlen.

Artikel auf einer Seite lesen