Gäste finden hier alles, was sie brauchen

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Wellness an der polnischen Ostsee : Die Renaissance der Spazieralleen
Ein wenig Altstadt. Versuchte Rekonstruktion in der Duboisstraße.
Ein wenig Altstadt. Versuchte Rekonstruktion in der Duboisstraße.Foto: Travel netto

Ab Mitte der siebziger Jahre kamen, als Altstadtersatz, einige kleinere Häuser in der Dubois Straße hinzu. „Rekonstruiert wurde nichts, man hat nur versucht, das Ursprüngliche irgendwie aufzunehmen“, sagt der Historiker Kroczynski. So übernahm man zwar das mittelalterliche Straßennetz, doch zwischen der neuen Bebauung fallen auch heute noch weite, freie Flächen auf, einige davon begrünt und bepflanzt, zu großen Plätzen mit Bänken und Brunnen gestaltet.

Und am Strand?1973 entstand an Stelle des einstigen Seestegs eine 220 Meter lange, neun Meter breite Seebrücke aus Stahlbeton. „Seit Jahren wird davon geredet, dass am Ende der Brücke Läden und ein Café entstehen sollen“, sagt Dagmara Bolda, Marketingexpertin im Arka Medical Spa Hotel. Passiert ist noch nichts. Anstelle des prunkvollen Strandschlosses entstand 1975 das klotzige Baltyk Hotel, das zur Zeit innen renoviert und äußerlich verschönert wird. Im Juni soll es wieder eröffnen. „Es ist das einzige Hotel in den Dünen, und es wird kein zweites in dieser Strandlage geben“, sagt Dagmara Bolda.

Auch das Wäldchen mit seinem alten Baumbestand, das sich parallel zwischen Küste und Kurpromenade erstreckt, bleibt geschützt. Schmale, gewundene Pfade durchziehen es, zum gemütlichen Radeln oder Joggen. Zahlreiche Kurgäste beherzigen offenbar die Anweisungen ihrer Ärzte: Mehr Bewegung tut gut! Auf der Promenade, am Strand und sogar im Wäldchen sind erstaunlich viele Nordic Walker unterwegs.

Fast alle Hotels und Kureinrichtungen befinden sich direkt an der Promenade oder in den angrenzenden Seitenstraßen. Die eine oder andere Villa im Bäderstil ist erhalten geblieben, wie etwa das ansehnliche Hotel Maxymilian. Am östlichen Rand der Promenade sind riesige Hotels gewachsen wie das Arka Medical Spa mit seinen 400 Zimmern, das Marine, Baltic Park oder Ikar Plaza. Moderne Gesundheitstempel, die auch ärztliche Betreuung und viele Behandlungen bieten, aber erheblich günstiger als in Deutschland sind.

„Man findet hier alles, was man braucht“, sagt Gästebetreuerin Dominika Koscielny. „Einen Strand, die Promenade, Einkaufsmöglichkeiten, Mooranwendungen, Bäder, die gute salzige Luft für die Atemwege.“ In der Tat gibt es zahlreiche Souvenirshops und Schmuckläden, in denen vor allem Bernstein feilgeboten wird, doch anspruchsvolle Geschäfte, auch Modeboutiquen mit hochwertigen Angeboten, sind rar. An der Promenade wirbt der Shop „Puszysta Pani“ („Mollige Frau“) mit Röcken und Blusen im fraulichen 80er-Jahre-Look.

Vom Café Widokówka aus, im 12. Stock des Kurhauses Perla Baltyku, blickt man weit übers Meer. Im Arka Spa gibt's in der obersten Etage sogar ein Drehcafé wie auf dem Ostberliner Fernsehturm. Wer's statt modern und ein wenig zu schrill beschallt lieber urgemütlich mag landet im Molas Beach. Seit zehn Jahren gibt es die urige Strandbaude, vollgestopft mit Fischernetzen Angelruten, Piratenköpfen und – Fußballdevotionalien. Eine Fahne vom FC Carl Zeiss Jena baumelt von der Decke, ein Banner vom AC Milan konkurriert mit einem von Legia Warszawa oder Hannover 96. Sogar ein Fanschal von Hertha BSC ist zu sehen. „Als wir hier anfingen, gab es die großen Hotels noch gar nicht“, erzählt Magda. Ob Molas Beach hier bleiben kann? Magda kann es nur hoffen. Ausgewiesene Baugründe für neue Hotels sind schon bedrohlich nah gerückt.