Vom Geiz der Schotten ist nichts zu spüren

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Großbritannien : In jedem Pub gibt’s eine Lösung
Myrta Köhler
Gewiss, es gibt schönere, jedoch kaum ruhigere Orte, ein Zelt aufzuschlagen.
Gewiss, es gibt schönere, jedoch kaum ruhigere Orte, ein Zelt aufzuschlagen.Foto: myk

Ein Motorradfahrer bezeichnet die Gegend als „Scottish Jamaica“ – hier sei alles völlig entspannt. Vom sprichwörtlichen Geiz der Schotten ist jedenfalls nichts zu spüren. Als ich an eine Tür klopfe – zufällig ein Bed & Breakfast – darf ich sofort das Zelt im Garten hinter dem Haus aufschlagen. Und duschen. Vor der Abreise am nächsten Morgen noch ein Spaziergang entlang der Klippen – ein atemberaubendes Erlebnis, vor allem wenn man früh genug dort ist, um alleine zu bleiben.

Über den Fischerort Eyemouth geht es wieder zurück nach Süden, bald liegt Schottland hinter mir. Im Pub von Rothbury erörtere ich mit den Gästen Möglichkeiten eines Schlafplatzes. Der Ortspolizist weist mir ein kleines Rasenstück neben dem Golfplatz zu – und kommt nach Dienstschluss noch mal vorbei, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist. Am nächsten Abend wieder in Hexam, scheint hier die Zeit stehengeblieben zu sein: Steve und Kumpels sind beim Bier – der Kaffee am nächsten Morgen schon Routine.

Ein Farbtupfer in der Landschaft ist Penrith: Diese Stadt ist nicht grau, sondern rot, nicht weit von hier wird der charakteristische Lazonby Sandstein abgebaut. Penrith bildet das Tor zum Lake District, wo sich im 19. Jahrhundert die sogenannten Lake Poets niederließen – William Wordsworth arbeitete (und verzweifelte) hier an seinem philosophischen Gedicht „The Recluse“ (Der Einsiedler). Von hier geht es wieder in die Yorkshire Dales, diesmal nach Hawes und Settle. Mein Fahrrad, von dem mittlerweile an allen Enden nasse Handtücher und Wäschestücke wehen, bietet einen abenteuerlichen Anblick. Eine Verkäuferin im Spar-Laden hat Mitleid und offeriert einfach so ihr Gästezimmer.

Und am vorletzten Tag passiert es dann doch noch: Die Aufhängung des Hinterrades streikt. Zwei Straßenarbeiter transportieren mich samt Fahrrad in ihrem Truck nach Clitheroe („No bother, Love!“) zur nächsten Fahrradwerkstatt. Mit neuem Hinterrad rolle ich am Abend wieder in Hebden Bridge ein: Die letzten zwei Nächte wohne ich bei Linda, bevor ich den Rochdale Canal entlang nach Manchester fahre.